Die Halteverbotsschilder stehen schon. Kaum war am Sonntag die Entscheidung darüber gefallen, dass Barack Obama am kommenden Donnerstag an der Berliner Siegessäule eine Rede halten wird, begann das Bezirksamt Mitte mit den Absperrungen. Knapp 100 Stunden waren es da noch bis zum großen Auftritt des Hoffnungsträgers in der Hauptstadt. Der Countdown läuft. Nun wird in Berlin mit großer Hektik ein Staatsbesuch geplant, der keiner ist. Auch die Hauptstadt hat die Obamania erfasst, aber das Rätselraten um den genauen Ablauf seines Besuchs ist groß. Am Montag hieß es im Berliner Senat noch, "wir kennen seine genauen Pläne nicht".

Fakt ist, für 24 Stunden kommt Obama nach Berlin. Er wird am Donnerstag gegen 9 Uhr in Tegel landen, er wird erst eine Stunde im Kanzleramt mit Angela Merkel reden und anschließend mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier zusammentreffen. Am Nachmittag will der Präsidentschaftskandidat einen Spaziergang durch die Stadt machen, sich volksnah geben und vor ein paar politisch-touristischen Attraktionen ablichten lassen, die auch in Übersee bekannt sind. Beim Gang durch das Brandenburger Tor zum Beispiel, am Checkpoint Charlie oder vor dem Holocaust-Mahnmal. Die genaue Route steht noch nicht fest. Um 19 Uhr schließlich wird Barack Obama an der Siegessäule seine als wegweisend angekündigte außenpolitische Rede halten. Er wird in Berlin übernachten und am nächsten Morgen nach Paris weiterreisen.

Viel Zeit, das Programm vorzubereiten, bleibt da nicht. Vor allem nicht für die Kundgebung im Tiergarten. Was normalerweise Wochen dauert, muss in diesem Fall in ein paar Tagen erledigt werden. Das Problem ist gleichzeitig, dass der Besuch Obamas durch alle protokollarischen Raster fällt. Er ist kein Staatsgast, noch nicht mal ein offizieller Präsidentschaftskandidat, sondern nur ein amerikanischer Senator auf einer polittouristischen Stippvisite. Das bedeutet, obwohl den Demokraten in Berlin ein großer Bahnhof erwartet, wird für ihn weder ein roter Teppich ausgerollt noch eine Staatslimousine bereitgestellt.

Die Bundesregierung leiste logistische Unterstützung, heißt es im Bundespresseamt, "wir sind nur beratend tätig" im Roten Rathaus. Was in diesem Fall vor allem bedeutet, dass Berlin seine Polizei auf Trapp bringt und dafür sorgt, dass auch kurzfristig alle Genehmigungen erteilt werden. Aber offiziell ist vor allem die Kundgebung an der Siegessäule eine private Veranstaltung.

Deshalb werden Besuch und Kundgebung Obamas in Berlin von von einer Agentur vorbereitet, die im Auftrag seines Kampagnenbüros in Chicago handelt. Die Kommunikation zwischen der Agentur und den offiziellen Stellen gestaltet sich dabei offenbar schwierig. Die Mitarbeiter des Senats sind schon ein wenig genervt, weil sie über alles sehr spät informiert werden.

Trotzdem will ihm niemand bürokratische Hürden in den Weg stellen. Im Gegenteil. Fast scheint es, als könne sich Obama in Berlin alles erlauben, zumal sich auch Berlins Regierender Bürgermeister seit Tagen um eine Begegnung mit dem amerikanischen Hoffnungsträger bemüht und Klaus Wowereit dafür eigens seinen Urlaub unterbrechen wird. Ob es zu einem Treffen kommt, ist allerdings weiter offen, schließlich nutzen Obama Fotos mit dem in den USA weitgehend unbekannten Wowereit wenig.