Barack Obamas öffentlicher Auftritt in Berlin ist nicht zuletzt dank Angela Merkel und des Geredes um den Ort der heiligen Handlung eine Art Mega-Event geworden. Jetzt schaut alle Welt zu, auch wenn es nicht leicht ist, amerikanischen Gesprächspartnern klarzumachen, was für die Kanzlerin den feinen symbolischen Unterschied ausmacht zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule. Nun ja.

Große Erwartungen an den Besuch des charismatischen Hoffnungsträgers aus Chicago haben jedenfalls die deutschen Gegner des Irakkriegs, zu denen Angela Merkel nicht von Anfang an gehörte. Dazu kommen diejenigen, die nach acht Jahren Bush-Cheney immer noch an das Gute im Amerikaner glauben. Und schließlich die europäische Linke, vor allem die Sozialdemokratie, die in vielen Ländern aus dem letzten Loch pfeift und von sich auch gerne sagen würde: Yes, we can!

Passend zum Besuch des Propheten eines besseren, anständigen Amerikas stellt dieser Tage die grüne Heinrich-Böll-Stiftung in ihrem neuen Themenheft die im Prinzip nicht mehr ganz neue Frage, was heute noch links sei: "What’s left: Mit wem geht die neue Zeit?" Darin geht sie auch der aktuellen Variante dieses Themas nach, ob "der künftige amerikanische Präsident" links sei. Eine berechtigte Frage, angesichts der Hoffnungen, die sich auf der Linken an die Kandidatur des Senators von Illinois knüpfen, auch angesichts der Ängste, die von der amerikanischen Rechten landauf, landab deswegen geschürt werden.

Man kann auch fragen: Wie links ist Obama? Wie kompliziert die Antwort ist, merkt man, wenn man darüber im linken Milieu der Vereinigten Staaten diskutiert, mit Liberals , wie sie im politischen Jargon der USA genannt werden. Sie alle verbinden mit Obama und der Chance einer größeren Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus die Hoffnung auf entscheidende politische und soziale Veränderungen. Illusionen haben sie jedoch keine.

Change , der Wandel, den Obama pauschal verheißt, hat viele Abteilungen: Gesundheitsreform, Bildungschancen, Investitionen in die Infrastruktur, Steuergerechtigkeit, Gewerkschaftsrechte, Korrekturen in der Handelspolitik, Klimaschutz und nicht zuletzt ein Ende des Irak-Engagements. Ein weites Feld mit vielen Hindernissen und Durststrecken. Die amerikanischen Linken sehen das jedoch mit einem beinahe fröhlichen Realismus, denn: Bush muss weg. Und erst dann folgt das Reich der Notwendigkeit: Ein Wahlsieger Obama wird Kompromisse eingehen müssen.

Wunsch und Wirklichkeit - das Obama-Dilemma. Auf den Punkt bringt das, stellvertretend für die meisten anderen, Todd Gitlin in New York. Der bekannte Medienkritiker und Professor an der Columbia-Universität, Eingeweihten nicht zuletzt als Wortführer der studentischen "68er"-Bewegung in Erinnerung, sieht Obama im Spannungsfeld zwischen den Erwartungen, die er als visionärer Wahlkämpfer weckt, und der begrenzten Möglichkeiten, diesen Erwartungen dann als Wahlsieger gerecht zu werden: "Im Prinzip ist er ein Mann der Linken. Aber als Präsident wird er nicht als Sozialdemokrat regieren können."