Wenn selbst der rechtslastige TV-Sender Fox Barack Obamas Auslandstour anhand des Tolstoj-Klassikers "Krieg und Frieden" beschreibt, dann steht das Urteil fest: Obama ist es gelungen, sein "Superstar-Charisma" (Associated Press) auch auf internationaler Bühne zu beweisen, genau dort, wo ihn sein republikanischer Gegenspieler John McCain als unerfahren und naiv darstellen will.

Auf den ersten Blick sehen Obamas bisherige Besprechungen im Nahen Osten wie ganz übliche Gipfeltreffen aus. Offizielles Händeschütteln, unzählige Foto-Gelegenheiten, vertrauliche Gespräche und durchaus berichtenswerte Ergebnisse: Auch der irakische Premierminister Maliki befürwortet einen Zeitplan, wenn auch einen flexiblen, für den Abzug der US-Truppen. "Es gibt nur einen Präsidenten der Vereinigten Staaten, und das respektieren wir selbstverständlich", greift Obamas außenpolitische Beraterin Susan Rice der Kritik angesichts derartigem Staatsgebaren eines Präsidentschaftskandidaten vor.

"McCain ist selbst schuld", argumentiert die Washington Post. Monatelang habe dieser gestichelt, dass Obama seit über zwei Jahren nicht mehr im Irak war. Nun müsse er mit dem Ergebnis leben: einer neuen präsidialen Aura des Demokraten. So ging auch McCains Pressemitteilung über "Obamas ersten Fehler" auf der Reise - angeblich zu viel handfeste "Verhandlungen" statt netter Kennenlern-Floskeln - im Medienfluss unter. Mit ein klein wenig Schadenfreude wurde hingegen auf McCains weiteren außenpolitischen Schnitzer hingewiesen. Der hatte von der "Grenze zwischen Irak und Pakistan" gesprochen.

Auch die US-Regierung sorgt sich offenbar über die standesgemäße Behandlung von Barack Obama als weltreisender Senator. Am Tag seiner Abreise wies Außenministerin Condoleezza Rice sämtliche US-Botschaften an, nur minimale Hilfe zu leisten. "Wenn die Kampagnen-Mitarbeiter einen Bus für die Presse mieten wollen, dann sagen Sie ihnen halt, wo man einen Bus mieten kann", so Rice. Diese allgemeingültigen Reise-Anweisungen sind nach Auskunft des Ministeriums seit Monaten in Arbeit - es sei nur Zufall, dass sie nun gerade zu Obamas Abreise fertig geworden seien.

Logistisch ist sein Trip eine komplizierte Mischform: Der Nahost-Teil gilt als offizielle Reise einer Kongress-Delegation - schließlich wird Obama ja von zwei Senatoren, beide übrigens mögliche Kandidaten für den Vize-Posten, begleitet - und ist somit vom Steuerzahler finanziert und vom Militär organisiert. Europa zählt dann als reine Kandidaten-Kür.

Eine Kür, die entsprechende Medienaufmerksamkeit bekommt. Ganze 200 US-Journalisten wollen ihn auf Schritt und Tritt begleiten - unter ihnen die drei Chef-Nachrichtensprecher der großen TV-Sender ABC, NBC und CBS. Bisher hat ihm das nicht geschadet: Im Exklusiv-Interview mit ABC gab Obama trotz unzähliger kritischer Fragen zu Irak und Afghanistan am Montag eine gute Figur ab.