Am Finaltag der Fußball-EM sind Stacy und Cathrin glücklich. Wie viele Mädchen in den USA spielen sie leidenschaftlich gern Fußball. Doch das große Turnier haben die beiden Highschool-Schülerinnen gar nicht im Fernsehen verfolgt. Sie sind glücklich wegen der fünf nicht mehr ganz so jungen Musiker auf der Bühne des McCarren Pool Parks in Brooklyn.

"Wir haben unser Taschengeld zusammengelegt und sind extra wegen The Hold Steady aus Upstate New York angereist", sagt die eine. Auf die Frage, was denn so besonders an diesen rockenden Onkeln da oben sei, antwortet die andere: "It´s about our lives and it´s honest." Stacy und Cathrin schätzen die Aufrichtigkeit, mit der The Hold Steady über die Gemütszustände junger Amerikaner sinnieren. Und so geht es vielen anderen Fans.

Im Jahr 2006 wurde die Band mit ihrem dritten Album Boys And Girls In America national bekannt. Der Sänger und Liedschreiber Craig Finn hatte sich den Titel von Jack Kerouac ausgeliehen, er ist ebenfalls ein begnadeter Geschichtenerzähler. Die amerikanischen Kritiker überschütteten die Musiker mit Lob. International wurden The Hold Steady wenig beachtet.

Gleiches gilt für das soeben erschienene Album Stay Positive. Wieder ist erdiger Rock zwischen Bruce Springsteen und Hüsker Düs Hardcore zu hören. Wieder klingt die Musik, als hätte sich der Stadionrock der siebziger Jahre doch noch mit dem Punk versöhnt. Wieder watet Craig Finn knietief durch Jugenddramen, singt von Partys auf Wassertürmen und dem anschließenden Kater, der Sehnsucht nach der großen Stadt und der Ernüchterung, wenn man einmal dort angelangt ist. Wieder applaudiert das Konzertpublikum, und es tanzen jene Kids, denen der Mainstream-Rock von Nickelback oder Dave Matthews zu flach und lebensfern ist.