Tour de France Stoppt die Räder!
Die Frankreich-Rundfahrt hat nach dem dritten Dopingfall in diesem Jahr das letzte Vertrauen verloren. Viele Fahrer und Verantwortliche haben offenbar nichts gelernt. Zeit für eine Pause! Ein Kommentar

© JOEL SAGET/AFP/Getty Images
Alle gedopt? Die Zweifel fahren immer mit bei der Tour
Mein Kollege Adrian Bauer hat meinen größten Respekt. Ein kleines bisschen bewundere ich ihn sogar: Er glaubt immer noch an den Radsport, die diesjährige Tour sei eine „Tour de France der Erneuerung“, sagt er. Er versichert sogar, bei vollem Bewusstsein zu sein.
Ich glaube, dass das nicht stimmen kann. Die Tour de France hat sich in diesem Sommer nicht erneuert. Sie hat das letzte noch übrige Vertrauen verloren. Der Dopingfall des Bergkönigs Riccardo Ricco war eine abzusehende Konsequenz: 2008 gab es keinen Neuanfang.
Auch nicht in der Berichterstattung. All die unschönen Wortspiele sollen die Leser heute wieder belustigen – wenn sie nur die Titelzeilen „Tour de Farce“, „Spritztour“ oder „Ausgetourt“ nicht längst aus dem vergangenen Sommer kennen würden.
Es ist schwierig angesichts des wiederkehrenden absurden Bildes dieser Sportart, sich nicht zu wiederholen und nicht zynisch zu werden. Ich will es trotzdem versuchen. Drei Gründe, weshalb der Radsport seinen letzten Kredit verspielt hat.
1. Statt eines von Politik, Fans und von den Veranstaltern selbst geforderten Neuanfangs gab es in diesem Jahr alte Streitigkeiten und Kompetenzgerangel: Die Zusammenarbeit des Tour-Veranstalters (ASO) mit dem Weltverband des Radsports (UCI) war schon vor der diesjährigen Tour beendet, eskalierte sogar in einem offenen Streit. Der UCI habe die Namen von mehreren Fahrern, die bei Doping-Tests auffällig waren, vorliegen, hieß es. Diese Liste stellte der Weltverband dem Veranstalter aber genauso wenig wie die neu eingeführten Blutpässe zur Verfügung. Während der Tour beschlossen die Teams sogar, sich vollends vom Weltverband zu lösen. An den ProTour-Rennen der UCI wollen sie alle nicht mehr teilnehmen, an der Tour de France, dem Giro d´Italia und der Spanien-Rundfahrt schon. Dass es dort keine neutrale Institution gibt, die für die Dopingbekämpfung zuständig ist, scheint nicht zu stören.
2. Die Fahrer selbst haben das Unrecht nicht begriffen. Mit dem Bergkönig Riccardo Ricco wurde gestern ein 24-Jähriger überführt. Ein Beleg dafür, dass auch die Generation nach Armstrong, Riis und Pantani auf unerlaubte Mittel zurückgreift. Ricco hat mit einer neuen Art von Epo gedopt, von der er glaubte, dass sie nicht nachzuweisen sei. Experten schätzen, dass 30 bis 40 Prozent der Fahrer Ähnliches glauben.
3. Im Gegensatz zu den Fahrern haben die Zuschauer dazugelernt. Es ist eine psychologische Natürlichkeit, die der Tour zum Verhängnis wird: Wer einmal lügt, hat einmal gelogen. Wer zweimal lügt, lügt immer, so sagte es meine Mutter immer. Die Tour hat ihre Fans x-mal betrogen. Die Zuschauer schauen nicht mehr hin. ARD und ZDF können ja diesmal gern bis zum bitteren Ende berichten – es schalten sowieso nur noch Wenige ein.
- Datum 22.12.2008 - 10:46 Uhr
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Ich schaue mir die Tour seit 2006 nicht mehr an. Als in der Tagesschau der Antritt von Ricco am Berg zu sehen war, war mir klar, dass sich nichts geändert hat. Das sah nicht nur nach Doping aus, das war es auch.
Man sollte dieses Jahr abbrechen und mit radikal neuen Regeln einen Neubeginn im Jahre 2010 planen.
Der Radsport hat also Ihrer werten Meinung nach das letzte Vertrauen verspielt? Wieso eigentlich? Zeigen die letzten Tage denn nicht genau das Gegenteil? Es wird scharf kontrolliert und hart durchgegriffen. Kompetenzgerangel hin oder her. Was im Anti-Doping-Kampf doch zählt ist einzig allein das Ergebnis. Der Artikel ist aber auch in einem weiteren Punkt sehr interessant: Ricco wurde überführt und dies sehen sie als Beleg dafür, dass AUCH die Generation nach Rijs, Pantani und AMRSTRONG nichts begriffen hat. Ich bin wirklich kein Fan von Armstrong, aber ich wüsste gern, wann Herr Armstrong denn des Dopings überführt wurde. Ich meine gerade bei einem Blatt, wie der Zeit darf man doch erwarten, dass rechtsstaatliche Grundsätze, wie die Unschuldsvermutung noch hochgehalten werden, ganz gleich, wie man zu den „nebulösen“ Siegen des Herrn Armstrong steht. Zeigt sich hierin nicht vielmehr eine eher undifferenzierte Ansicht des Verfassers?
Lance Armstrong wurde nach seinem Karriereende 2005 Doping nachgewisen. Die französische Zeitung L'Equipe hatte eingefrorende Urinproben des Amerikaners mit neuen Untersuchungsmethoden prüfen lassen. Heraus kam ein positiver Befund auf EPO-Doping. Hier noch ein Interview zu diesem Thema: http://www.zeit.de/2005/3...
Lance Armstrong wurde nach seinem Karriereende 2005 Doping nachgewisen. Die französische Zeitung L'Equipe hatte eingefrorende Urinproben des Amerikaners mit neuen Untersuchungsmethoden prüfen lassen. Heraus kam ein positiver Befund auf EPO-Doping. Hier noch ein Interview zu diesem Thema: http://www.zeit.de/2005/3...
gestern schaltete ich bei der Zieleinfahrt die Glotze ein.Na sowas, menschenleere Straßenränder, erst direkt vorm Ziel waren Zuschauer entlang der Fahrt aufgereiht. Das muss doch deprimierend sein für die Fahrer, stundenlang ohne Zuschauer und Applaus zu strampeln.
Wahrscheinlich haben Sie den falschen Sender eingeschaltet.
Bei der diesjährigen Tour sind mindestens genausoviele Zuschauer am Straßenrand zu finden wie in den Jahren zuvor.
oder die Sendung Kanal fatal. Also die Kirche im Dorf stehen lassen. Das Spektakel, mehr ist die Tour nicht mehr, wenig Sport, viel Medizin und noch mehr Kohle. Trotzdem feiern die Franzosen und mit Ihnen jede Menge Touristen. Die Tour mit ihren Schwenks auf die Landschaft eine geniale Eigenwerbung für Frankreich. Schade daß einige, mehr oder wenige unter die Räder kamen, gedopt natürlich.Aber die Volksfeste um die Tour ausfallen lassen, wäre für die Franzosen so ungefähr wie das Oktoberfest, wegen des Alkoholpegels, die Veranstaltung einfrieren zu wollen.Ich bin kein Freund von Gedopten, die durch die Landschaft per Rad, Moped, Motorrad oder Auto unterwegs sind, auch nicht mit Alkohol am Steuer. Es sind keine Kavaliersdelikte mehr. Das sind die Zuschauer besser dran. Sie sind am Standort und feiern weniger den Radsport, mehr sich selbst.Solcherart Sport-Erlebnisse in Deutschland jeden Samstag neu, dann wenn die Bundesliga wieder rollt. Prost Mahlzeit.debrasseur
Wahrscheinlich haben Sie den falschen Sender eingeschaltet.
Bei der diesjährigen Tour sind mindestens genausoviele Zuschauer am Straßenrand zu finden wie in den Jahren zuvor.
oder die Sendung Kanal fatal. Also die Kirche im Dorf stehen lassen. Das Spektakel, mehr ist die Tour nicht mehr, wenig Sport, viel Medizin und noch mehr Kohle. Trotzdem feiern die Franzosen und mit Ihnen jede Menge Touristen. Die Tour mit ihren Schwenks auf die Landschaft eine geniale Eigenwerbung für Frankreich. Schade daß einige, mehr oder wenige unter die Räder kamen, gedopt natürlich.Aber die Volksfeste um die Tour ausfallen lassen, wäre für die Franzosen so ungefähr wie das Oktoberfest, wegen des Alkoholpegels, die Veranstaltung einfrieren zu wollen.Ich bin kein Freund von Gedopten, die durch die Landschaft per Rad, Moped, Motorrad oder Auto unterwegs sind, auch nicht mit Alkohol am Steuer. Es sind keine Kavaliersdelikte mehr. Das sind die Zuschauer besser dran. Sie sind am Standort und feiern weniger den Radsport, mehr sich selbst.Solcherart Sport-Erlebnisse in Deutschland jeden Samstag neu, dann wenn die Bundesliga wieder rollt. Prost Mahlzeit.debrasseur
"Man sollte ... mit radikal neuen Regeln." Welchen neuen Regeln? Gleich Doping zulassen, oder Dopingtests erst gar nicht durchführen?Das Problem ist doch, dass den Dopingsündern so gut wie nichts passiert, 2-3 Jahre keinen Sport und dann dürfen sie wieder mitmachen. Normalerweise sollten solche Betrüger ein lebenslanges Beschäftigungverbot im Sport bekommen und dazu noch eine empfindliche Geld- und Gefängnisstrafe. Solange die Auswirkungen für ertappte Betrüger im erträglichen Rahmen liegen wird es immer wieder versucht werden.Es wird sich immer wieder über die Radsportler empört. Als Frau Sachenbacher im letzten Jahr mal einen erhöhten Hämokrit-Wert hatte, war das natürlich nur ein versehen. Ich könnte mir vorstellen, dass bei einem ähnlichen Testprogramm mit Blutpass etc. in mancher Sportart die Doper reihenweise auffliegen würden.
Es ist nicht die Tour, die versagt. Es sind die Fahrer. Und hätte die Tour der France in diesem Jahr nicht stattgefunden und wäre nicht so gut kontrolliert worden, würde Riccardo Ricco noch zehn Jahre mit seinem tollen Hämatokritwert angeben. Er wurde überführt, weil die Räder nicht gestoppt wurden.Zum ersten Mal seit Jahren sind die Dopingfahnder der -sündern voraus. Das neue Präparat CERA hat eine viel zu lange Halbwertszeit, um als Dopingmittel effektiv einsetzbar zu sein. Natürlich wird man nicht jeden Fahrer im Peleton erwischen. Aber man erwischt ein paar wichtige und die anderen lernen (hoffentlich) daraus.Ich möchte dem Autor vorschlagen sein Argumentationskonstrukt auf den allgemeinen Straßenverkehr anzuwenden. Die Regeln werden im Allgemeinen doch recht gut befolgt (manchmal auch bis zur Grenze ausgereizt). Aber das System funktioniert, obwohl bei Weitem nicht alle Verkehrsünder sofort bestraft werden. Stellen Sie sich den Aufschrei vor, wenn JEDE Geschwindigkeitsübertretung, JEDES Falschparken und JEDES zu-dicht-Auffahren sofort mit Bußgeld und Fahrverbot belegt würde. Auf jeden Fall stünden alle Räder still.Das Leid des Radsports ist die Qualität und die Quantiät der Dopingkontrollen. In allen anderen Sportarten wird deutlich weniger kontrolliert (z.B. Damentennis, Alpinski, Biathlon, Motorsport, Leichtathletik, Fußball..................................). Man bedenke, nur 60 der 200 Fuentes-Kunden waren Radfahrer. Warum drischt niemand auf die spanische Regierung oder spanische Sportorganisationen ein, obwohl es hier um mehr Dopingsünder geht, als überhaupt Fahrer an der Tour de France teilnehmen.
Viele Magneten, deren Namen durch manipulierte Siege, eben gewissermaßen durch Doping erbracht, sich satte Werbeverträge geben ließen, wohlgemerkt für den Ausgleich des Schindens in einer Tour der Leiden.Denken Sie mal bitte nach. Wie kann es sein, daß die Gagen der Spieler im Fußball (den Unterschied zum Fußballer) für das Geradeauslaufen sich um die doppelte Ablösesumme und das Handgeld steigern. Jetzt stellen Sie sich vor, der Gute kann auch flanken oder Eck- und Freistöße plaziert aufs Tor bringen, eine weitere Steigerung gleich um 400 %. Manche werden dann schon mit einem Tor vereinsinterner Torschützenkönig, bedingt durch die Rotation bei der Auswechslung ein Erfolg. Doppelte Quote. Und man mag es nicht glauben, es gibt sie die guten Spieler mit ihren Werbeverträge für die gute Sache Fußball. Nachrechnen muß niemand, es ist kein geliehenes Geld, es bleibt die Gage für jeden Show. Beim Rennfahrer auf dem Rad, gelten andere Kriterien. Kennen Sie die?Fußball, die schönste Nebensache der Welt.debrasseur
Viele Magneten, deren Namen durch manipulierte Siege, eben gewissermaßen durch Doping erbracht, sich satte Werbeverträge geben ließen, wohlgemerkt für den Ausgleich des Schindens in einer Tour der Leiden.Denken Sie mal bitte nach. Wie kann es sein, daß die Gagen der Spieler im Fußball (den Unterschied zum Fußballer) für das Geradeauslaufen sich um die doppelte Ablösesumme und das Handgeld steigern. Jetzt stellen Sie sich vor, der Gute kann auch flanken oder Eck- und Freistöße plaziert aufs Tor bringen, eine weitere Steigerung gleich um 400 %. Manche werden dann schon mit einem Tor vereinsinterner Torschützenkönig, bedingt durch die Rotation bei der Auswechslung ein Erfolg. Doppelte Quote. Und man mag es nicht glauben, es gibt sie die guten Spieler mit ihren Werbeverträge für die gute Sache Fußball. Nachrechnen muß niemand, es ist kein geliehenes Geld, es bleibt die Gage für jeden Show. Beim Rennfahrer auf dem Rad, gelten andere Kriterien. Kennen Sie die?Fußball, die schönste Nebensache der Welt.debrasseur
Lance Armstrong wurde nach seinem Karriereende 2005 Doping nachgewisen. Die französische Zeitung L'Equipe hatte eingefrorende Urinproben des Amerikaners mit neuen Untersuchungsmethoden prüfen lassen. Heraus kam ein positiver Befund auf EPO-Doping. Hier noch ein Interview zu diesem Thema: http://www.zeit.de/2005/3...
Das wird natürlich trotz aller nun "starken" Kontrollen nicht der letze Fall bleiben und Kommentator Nr.2 "Jean Kurz": Sie vergessen, dass die Analyse von Doping und die Beweisführung den Mitteln des Doping immer nachhängt. Stichwort "Erst das Doping(-mittel) dann die Analyse".Ich sehe aber auch eine Verantwortung der öffentl.-rechtlichen Sender ihren zahlenden Zuschauern gegenüber! Viel zu lange wurde schöngeredet und versucht das Star-Image aufrechtzuerhalten,warum so ausufernde Übertragungen und Berichte für einenSport, der sich nicht erneuert (kann er das überhaupt? Wir wollen ja Sieger sehen!) und uns sportl. Helden produziert, die keine sind.Dann lasst uns doch mal mehr und andere Sportarten sehen (Stichwort: Vielfältigkeit) z.B. Segeln, Surfen usw.Im Übrigen sollte man die Erfahrungen auch ruhig mal auf die kommende Olympiade übertragen, denn dort wo nicht nur finanzielle sondern auch ideologische Anreize bestehen (Medallienspiegel) wird Doping wieder der Motor der Helden sein!
Herr Dobbert,<?xml:namespace prefix =" o" ns =" "urn:schemas-microsoft-com:office:office"" />
sie haben mein tief empfundenes Mitleid.
Warum?
Ich gehe davon aus, Sie sind Sportreporter. Falls nicht, wäre es schön, wenn Sie sich Ihrem angestammten Ressort widmen, denn Schuster bleib bei Deinen Leisten.
Sofern Sie jedoch Sportreporter sind, möchte ich mein Ihnen gegenüber empfundenes Mitleid erläutern.
Sie wollen, dass die Räder still stehen sollen.
Olympia passt auch nicht in Ihr Weltbild. Ja worüber wollen Sie dann zukünftig noch berichten?
Wenn Sie den Radsport nicht mögen, bitte, Sie sind ein freier Mensch.
Aber Olympia auch nicht, hier sind doch alle ertragbringenden Sportarten vereint.
Sie leben von Werbeeinnahmen und die kommen durch Auflage. Sport bringt Auflage. Also beziehen Sie Ihr Honorar durch den Sport.
Wenn Sie den professionellen Sport abschaffen wollen, ist somit der bisher sicher einträgliche Beruf eines Sportreporters gleich zu setzen, mit dem eines Arbeiters in der bereits dahingegangenen Kohleindustrie.
Und einen Kohlepfennig wird es für Ihre Branche kaum geben!
sollten wir wohl auch die Todesstrafe wiedereinführen und Hinrichtungen öffentlich übertragen - es könnte ja Quote verlorengehen...
sollten wir wohl auch die Todesstrafe wiedereinführen und Hinrichtungen öffentlich übertragen - es könnte ja Quote verlorengehen...
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