Wer würde diesem älteren Herren nicht vertrauen? Seit gut zehn Jahren plaudert Hademar Bankhofer im ARD-Morgenmagazin und auf regionalen Privatsendern charmant über Ernährung und Gesundheit. Joghurt gegen Sonnenbrand, Brokkoli gegen Leberschäden: Der 67-jährige Österreicher gibt Tipps, die niemandem weh tun.
Doch auf die Ratschläge des vermeintlichen Experten muss das Fernsehpublikum künftig wohl verzichten. Der WDR hat die Zusammenarbeit mit Bankhofer wegen des Anscheins auf "Schleichwerbung für Produkte aus dem Gesundheitsbereich" eingestellt, wie es in einer Erklärung heißt.

Vergangenen Montag hatten Blogger der anonym betriebenen Seiten Boocompany  und Stationäre Aufnahme einen Zusammenschnitt von Bankhofers Auftritten auf YouTube publiziert. Dort ist unter anderem zu sehen, wie der Kräuter-Guru die Vorzüge der Klostermelisse lobt. Eine solche Pflanze existiert jedoch nicht – der Name ist ein eingetragenes Produkt der Firma Klosterfrau, ebenso wie die von Bankhofer häufig genannte "Königs-Artischocke". Donnerstag gab Bankhofer dem WDR gegenüber zu, von der Firma Klosterfrau für seine Dienste bezahlt zu werden. Einen Tag zuvor hatte er seinem Arbeitgeber noch schriftlich versichert, "mit keiner Firma, die mit dem Thema Gesundheit, Nahrungsergänzungen und Arzneimittel zu tun hat, einen Werbe- und PR-Vertrag" zu besitzen. Die Firma Klosterfrau allerdings bestätigte die Beratertätigkeit, und Bankhofer zog nach.

Der Fall erinnert an die Schleichwerbe-Affäre der Moderatorin Andrea Kiewel. Kiewel war 2007 von ihren Arbeitgebern ZDF und MDR entlassen worden, weil sie in einer Fernseh-Talkshow die Organisation "Weight Watchers" mehrfach lobend erwähnt hatte. Wie sich herausstellte, erhielt sie von Weight Watchers dafür 30.000 Euro.

Inzwischen werden weitere Zweifel an Bankhofer laut. Er erhielt seinen Professoren-Titel vom österreichischen Wissenschaftsministerium und studierte niemals Medizin. In der Süddeutschen Zeitung vom Freitag kritisiert der Wissenschaftler Gerd Antes vom Universitätsklinikum Freiburg einige Ratschläge des Medizingurus als "geradezu gefährlich", zum Beispiel die Empfehlung, grünen Tee zur Krebs-Prophylaxe zu verwenden. Antes, Direktor des deutschen Cochrane-Zentrums, an dem Studien zur Wirksamkeit von Therapien erstellt werden, hatte sich bereits 2006 in einem Brief an die ARD über Bankhofers Auftritte beschwert.

Der Betroffene selbst sieht sich einer Rufmord-Kampagne ausgesetzt. "Da will mich jemand abschießen", erklärte er stern.de, "Die suchen ja wie nach einer Nadel im Heuhaufen, um mich fertig zu machen." Der Gesundheitspublizist erwägt nun, gegen die Betreiber der anonymen Blogs gerichtlich vorzugehen.

Die Enthüllungen werden in der Blogosphäre mit Wohlwollen quittiert: Noch zu Beginn der Woche hatte der SPIEGEL die Wirkungslosigkeit deutscher Blogs bemängelt und damit heftige Diskussionen ausgelöst. "Das mit der Wirkungslosigkeit würde Bankhofer heute vermutlich nicht unterschreiben", gibt A-Blogger Stefan Niggemeier merklich zufrieden zu Protokoll.