Krasser konnte der Gegensatz in der vergangenen Woche kaum sein: Hier der staatsmännisch dreinschauende, jugendlich-dynamische Präsidentschaftskandidat Barack Obama, dem fremde Völker und Premiers zu Füßen liegen und dem auf seiner kleinen Welterkundungstour fast alles zu gelingen schien. Dort sein griesgrämiger, alt und grau wirkender republikanischer Konkurrent John McCain, dem ein Sturm den Wahlkampfauftritt auf einer Bohrinsel vermasselte und dem auch sonst fast alles danebengeriet.

Doch Amerikas Wähler lassen sich davon wenig beeindrucken. Trotz Obama-Euphorie, Bush-Verdruss und Wirtschaftsfrust liegt der schwarze Demokrat weniger als 100 Tage vor der Wahl nur knapp vor seinem Widersacher.

Warum ist das noch immer so? Weil, kurz gesagt, die Vorbehalte gegen den Afroamerikaner weiterhin stark sind. Er konnte sie trotz ungezählter Reden, trotz seiner Reisen in die Provinz und hinaus in die Welt bislang nicht ausräumen.

"It’s the personality, stupid", sagen die republikanischen Wahlkampfstrategen. Obama, dieser Novize, dieses unbekannte Wesen, sei vielen Amerikanern halt immer noch ein großes Rätsel. Und damit möglichst viele weiter mit ihm fremdeln, werden die Gegner bis zum Wahltag seine Persönlichkeit und weniger sein Programm attackieren.

Obamas facettenreiches Wesen, seine besondere Biografie, das Neue und Ungewöhnliche machen seinen großen Reiz, seinen Charme aus. Sie offenbaren aber zugleich seine Verletzlichkeit. Denn es könnte durchaus geschehen, dass etliche Wähler dem fremd Gebliebenen in letzter Sekunde ihre Stimme verweigern.

Wenn der Sohn einer Weißen und eines Kenianers im Ausland verkündet, sein Land sei nicht perfekt; wenn er sich den Deutschen als Weltbürger vorstellt und den jubelnden Massen erzählt, er sähe dank seiner Hautfarbe ein wenig anders aus als jene Amerikaner, die vor ihm in Berlin gesprochen hätten; wenn eine Gruppe Afrikaner dazu begeistert kreischt und trällert, dann ist ihm zwar die Zuneigung der Welt gewiss.

Viele Amerikaner aber, insbesondere die kleinen weißen Leute in den unendlichen Weiten des Mittleren Westens und rund um die krisengeschüttelten Industriemetropolen, befremdet dieses Bekenntnis. Sie können sich in Obama und seiner anderen Art nicht wiederfinden. Vor allem weiße Männer fragen: Ist er wirklich einer von uns, ein wahrer Amerikaner?