"World Candidate" schrie es am Freitag in großen Lettern von der Internet-Zeitung Huffington Post . Am Tag nach Obamas Berlin-Rede zeigte die Website eine Collage aus Titelseiten internationaler Tageszeitungen, unter anderem der deutschen Welt , der italienischen Il Piccolo , der polnische Gazeta und des britischen Guardian . Sie alle hatten mit seinem Auftritt aufgemacht – die Huffington Post bündelte die Berichterstattung zur Illustrierung ihrer Einschätzung von Barack Obama als dem "Kandidaten der Welt".

In der Welt der Online-Nachrichten und Kommentare dominierte in der vergangenen Woche das Thema, das auch in den "alten" Medien am präsentesten war: die Europa-Reise des Kandidaten, der in Berlin als zukünftiger amerikanischer Präsident erwartet worden war, sich selbst aber nur als "stolzer amerikanischer Bürger und Erdenbürger" vorstellen mochte.
Zwei grundverschiedene Wahrnehmungen von Barack Obama gibt es, vereinfacht gesagt, in der Blogosphäre – und Anhänger beider Seiten fanden in Obamas Weltreise Argumente für ihre Position.

Die einen kaufen dem Kandidaten sein Versprechen des Wandels ab. Diese Internet-Kommentatoren fühlten sich darin bestätigt, dass nach Jahren des fatalen Unilaterismus ihres ungeliebten Präsidenten George W. Bush jetzt ein Kandidat antritt, der von den alten Verbündeten bejubelt wird.

Die anderen sehen in Obama nicht mehr als einen unqualifizierten Hochstapler mit großem Ego. Sie lästerten, dass der Kandidat die echten Probleme Amerikas ignoriere, um ein bisschen Weltpolitik zu spielen.

Die Huffington Post ist klar dem Lager der Obama-Fans zuzurechnen. Roy Sekoff, der leitende Redakteur, hatte in einem Interview mit Bloggern von Citizentube erklärt, Teil der Selbstverständnisses der Internet-Zeitung sei die Produktion von "branded news", zu Deutsch etwa: "Nachrichten mit Markenkern" – Nachrichten also, die auf Grund ihres Inhalts und ihrer Tonalität auch dann als typisch Huffington Post erkennbar sind, wenn kein Firmenlogo daneben steht.

"Erklärt mir, warum es falsch ist, dass Obama bei unseren Verbündeten beliebt ist", forderte Chefredakteurin Arianna Huffington , die mit ihrem Geld, Namen und Adressbuch für den Erfolg der Website bürgt, in einem Kommentar. Und kritisierte Journalisten der etablierten US-Medien dafür, der "Europaphobie" des McCain-Stabs  erlegen zu seien. Nach deren Sichtweise sei der Durchschnitts-Amerikaner "wie eine unsichere Partnerin, die beim bloßen Gedanken daran, dass jemand anderes ihren Kerl attraktiv finden könnte, panisch wird", schreibt Huffington. Dass Obama in Europa geliebt werde, sei eine Stärke, kein Manko.