Obama-Besuch Yes, we can hope!

In Berlin verkündete Obama eine Botschaft, die den Europäern gefällt. Doch um US-Präsident zu werden, muss er die Wähler jenseits des Atlantiks überzeugen. Ein Kommentar

Die Party ist vorbei, der Superstar abgereist. Die Berliner haben ihren Gast gefeiert wie einen Messias, der sie aus den bleiernen Bush-Jahren in eine bessere Zukunft führen soll. Doch sobald die Deutschen ihren Obama-Rausch ausgeschlafen haben, sollten sie ganz nüchtern Bilanz ziehen.

Wofür steht der Präsidentschaftskandidat? Wirkliche Klarheit darüber gibt es nicht. Obama ist wendig. Er passt seine Reden der jeweiligen Situation und der Stimmungslage in der Heimat an. Er weiß genau, vor welchem Publikum er welche Töne anschlagen muss, und natürlich spricht er in Berlin anders als in Oklahoma City. Dennoch hat sich das außenpolitische Profil Obamas schon ein wenig gezeigt. Auch ein wenig irdischer ist er durch seinen Besuch geworden. Obama war in Berlin kein Politiker zum Anfassen, aber immerhin hat er sich als Politiker präsentiert.

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Erstens ist Barack Obama ein beeindruckender Redner. Auch eine gigantische Kulisse aus 200.000 jubelnden Anhängern zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor bringt ihn nicht aus der Ruhe. Obama redet frei, dreißig Minuten lang. Er schlägt einen weiten Bogen von der Geschichte der geteilten Stadt über den Irakkrieg bis zum Klimawandel. Der alte Frontstadt-Mythos, den die Amerikaner lieben, trägt ihn durch seine Rede, das neue Berlin und die Berliner Republik kennt er wenig.  

Zweitens hat Barack Obama eine klare Botschaft verkündet. Er will die Mauer zwischen Europa und den USA einreißen und eine neue Partnerschaft begründen. Schließlich könne man den Terrorismus, die Armut und den Klimawandel nur gemeinsam überwinden, sagt er. Obama setzt auf ein starkes Europa und auf die Kooperation mit Russland. Eine ziemlich europäische Rede hat er gehalten, die sich in Rhetorik und Inhalt angenehm von dem Amtsinhaber Bush abgesetzt hat.

Bequem allerdings würde eine Präsidentschaft Barack Obamas trotzdem nicht. Im Gegenteil. Denn drittens hat er auch seine Erwartungen klar formuliert, vor allem mit Blick auf den Irak und Afghanistan. In beiden Ländern erwartet er ein stärkeres deutsches Engagement. Für Afghanistan bedeutet dies: Ein Präsident Obama würde mehr deutsche Soldaten im Land fordern, um die Lasten und auch die Opfer des Krieges gerechter zu verteilen. Und Deutschland wird sich, anders als bei dem Republikaner Bush, dieser Forderung eines demokratischen Präsidenten kaum entziehen können, dafür ist Obamas Angebot einer transatlantischen Partnerschaft viel zu verlockend. Deutschland würde also tiefer in einen im eigenen Land unpopulären Krieg hineingezogen, der militärisch nicht zu gewinnen ist.

In Berlin hat Obama mit einem Vorurteil aufgeräumt, das in Deutschland weitverbreitet ist. Denn auch wenn der Kandidat in seinen Reden häufig wie ein Prediger klingt, ist er kein Heilsbringer. Auch ein Präsident Obama hat wenig zu verschenken. Wenn es darauf ankommt, wird er knallhart amerikanische Interessen vertreten. Diese allerdings haben sich gewandelt, nachdem George Bush die Führungsmacht der westlichen Welt politisch isoliert und militärisch gleich in zwei Kriegen an den Rand des Scheiterns geführt hat.

Alle, die Barack Obama an der Berliner Siegessäule zugejubelt haben, sollten eines nicht vergessen: Auch wenn er auf seiner Auslandsreise und mit der Berliner Rede an außenpolitischer Statur gewonnen hat, wird die amerikanische Präsidentschaftswahl nicht in Berlin und auch nicht in Paris oder London entschieden, sondern in Ohio, Pennsylvania und Wisconsin. Gelaufen ist das Rennen zwischen Barack Obama und John McCain noch lange nicht. Das konservative und christlich-fundamentalistische Amerika ist längst noch nicht geschlagen. Am 4. November wird gewählt. Solange können die Europäer und die Deutschen nur sagen: Yes, we can hope.

 
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