Deutschlandbesuch Was erlaubt sich dieser Herr Obama?

Ein US-Präsidentschaftskandidat kommt nach Berlin – und alle stehen stramm. Von demokratischem Selbstbewusstsein zeugt das nicht gerade. Ein Zwischenruf

Ballons mit Obamas Schriftzug schweben schon an der Siegessäule, aber vorher warten Gespräche mit Kanzlerin Merkel und Außenminister Steinmeier

Ballons mit Obamas Schriftzug schweben schon an der Siegessäule, aber vorher warten Gespräche mit Kanzlerin Merkel und Außenminister Steinmeier

Sogar einige Straßenlaternen vor der Siegessäule mussten daran glauben. Sie standen in der Sichtachse zum Brandenburger Tor und wurden in diesen Tagen abmontiert. Nichts, aber auch gar nichts soll die schönen Fernsehbilder stören, die am Abend von der deutschen Hauptstadt aus über den großen Teich flimmern werden. Barack Obama inszeniert seinen Wahlkampfauftritt in Berlin mit Perfektion.

Ein Möchtegern-Präsident kommt für nur 24 Stunden nach Berlin. Er pfeift – schon stehen alle stramm und die Stadt ergibt sich der Obama-Manie. Die sonst eher träge Berliner Verwaltung liest ihm jeden Wunsch von den Lippen ab. Innerhalb von Stunden wurden alle Genehmigungen für seine große Kundgebung erteilt. Normalerweise müsste ein Veranstalter darauf lange warten - wenn er sie überhaupt bekäme.

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Kurzfristig wurde eine der wichtigsten Verkehrsachsen der Stadt gesperrt. Selbst der sonst übliche Aufschrei unter den nörgeligen Berlinern wegen des drohenden Verkehrschaos blieb aus.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit antichambriert bis zur Selbstverleugnung, damit auch er dem amerikanischen Hoffnungsträger die Hand schütteln darf. Und Kanzlerin Merkel, die sich erlaubt hat, zu fragen, ob denn das Brandenburger Tor wirklich zur Wahlkampfkulisse verkommen soll, gilt als Spielverderberin.

Selbstverständlich ist die deutsche Hauptstadt eine gastfreundliche und weltoffene Metropole. Da ist es gut, wenn alle Gäste - nicht nur Staatsgäste - bevorzugt und höflich behandelt werden. Zumal wenn es sich um eine wichtige und so charismatische Person handelt.

Doch müssen sich Berlin und die Berliner deshalb alles gefallen lassen? Sie sollen Obama zujubeln. Sie sollen an der Siegessäule die Kulisse bilden, wenn er am Abend über die transatlantischen Beziehungen redet. Aber ansonsten sollen sie den Mund halten. Ihre Meinung ist nicht gefragt, auch Transparente dürfen die bestellten Claqueure zur großen Obama-Show nicht mitbringen. Kritische Töne und Zwischenrufe könnten bei den Wählern in den USA ja schlecht ankommen und die schöne Inszenierung stören.

Leser-Kommentare
  1. 1) dass ich angesichts der Alternative McCain wünsche, dass Obama gewinnt2) ich weiß, was im amerikanischen Wahlkampf aus einem ungünstigen Photo - einem Plakat mit Obama Go Home - gemacht werden würde.3) die meisten Leute mögen Obama und finden Berlusconi zum Kotzen

    • brux
    • 24.07.2008 um 11:54 Uhr

    Die Deutschen hat man eben entweder im Genick oder am Gesäss.
     
    Ich weiss, dass Churchill bei diesem Bonmot von Hals und Füssen sprach, aber die obige Variante ist nicht nur wegen der Alliteration schöner.

  2. Ein Kandidat, der sich aufführt als ob er schon gewählt wäre, gepaart mit überbordendem Messianismus: Kündigt sich da eine neue Pest an, die die Welt genesen machen will? Irgendwie mag man den Parolen vom großen Wandel nicht ganz glauben, eher finde ich die Gesamtinszenierung ziemlich erschreckend von Herrn Obama.

  3. 4. Ha, ha

    Danke.Sagen Sie lieber nichts, in Berlin werden mitunter Hollywooddarsteller von einem Oberbürgermeister mit der Hand begrüßt. Möge Berlins Stern noch lange glimmen.

    • MeIkor
    • 24.07.2008 um 12:20 Uhr

    Genau das, was man ihm erlaubt. Warum erlaubt man es ihm? Weil man sich einen US Präsidenten wünscht, der nach Vernunftskriterien Entscheidungen trifft und nicht nach seinen göttlich inspirierten Prinzipien. Und warum darf sich das kein Berlusconi erlauben? Weil sich die wenigsten einen zwielichtigen Medienmogul als Staatsoberhaupt wünschen. Alles zusammen genommen, scheint das Berlin Spektakel auf soliden demokratischenBeinen zu stehen.<br>Bitte was soll denn so schlimm daran sein, wenn sich Massen einmal von einem Politiker begeistern lassen anstatt Mrs Hilton oder Tokio Hotel auf zu lauern?Vergessen wir bitte nicht das der Grundstein Obamas Popularität darin besteht, entgegen dem damaligen US Zeitgeist gegen den Irakkrieg zu protestieren: ebenso wie die europäischen Massen, die es ihm zum Teil heute noch danken.

  4. ist doch schön, ein wenig brot und spiele. herr mccain hält derweil den ball flach und wartet mit der zündung einer diffamierungsbombe bis kurz vor den wahlen. wenn nicht vorher noch irgendein dummer fehler im iran begangen wird oder herr obama über den haufen geschossen oder weggesprengt wird. sollte das in berlin passieren hätte die stadt auch einen weiteren historischen moment, autoren tolle themen und der oberbürgermeister über kurz oder lang weitere schauspielerhände zu schütteln.

    • Barto
    • 24.07.2008 um 13:02 Uhr

    ..ist doch, dass so viele Menschen bereit sind, dieses Medienevent zu unterstützen. Ob das an Obamas charismatischer Person liegt oder daran, dass er sich als strahlenden Gegenpol zur (außerhalb und auch innerhalb Amerikas) unpopulären, unsinnigen und teilweise ungerechten Politik Bush´s darstellt, sei mal dahin gestellt. Aber das Signal, das an die Wähler in Amerika geht ist doch, dass (zumindest Teile) der Deutschen sich einen anderen Politikstil Amerikas wünschen. Und darum bin ich froh, dass Obama sich der Unterstützung durch den Medientag in Berlin bedient. Und dass das Ganze bis ins kleinste Detail durchgeplant ist, finde ich, verfolgt man die Berichterstattung amerikanischer Medien und der generellen Wahlkampfstrategie, den Gegner mit Schmutz zu bewerfen, richtig. Denn wie im ersten Kommentar beschrieben, werden Signale in den Medien schneller umgedichtet, als man gucken kann und das ist dann irreparabel.

  5. Woran sollen in Amerika die Berliner Obama-Bilder anknüpfen, und in welchem Kontext steht das zu den aktuellen NahOst-Aktivitäten der USA?Berlin symbolisiert nichts geringeres als den Sieg am Ende eines WeltKrieges, der zwar auch ein Sieg der Russen, Franzosen und Engländer war ... .Wenn sich Obama also darauf bezieht, fragt sich nun: Was soll das noch werden ?Wenn man nebenbei bedenkt, dass auch er der Liebling derselben Medien ist wie W.Bush, und künstlich über Gebühr hochgejubelt wird, sogar obwohl er erst einmal nur Kandidat ist, dann ist das Ganze ==> eine sehr ungesunde Sache.Man könnte vielleicht auch fragen: Wovon soll Obama ablenken? Lange nichts mehr von Bush's UnWohlTaten gehört ...Ist diese Obama-Fixiertheit denn auch Sicht der Amerikaner ? Oder würden es nicht viele dort lieber mit Ron Paul halten, oder einem anderen ? Wieviel % VorSprung hat Osama denn überhaupt ? Weniger als 5 % ? Vermutlich. Vielleicht hat er aber auch gar keinen Vorsprung, sondern dies wird nur von den gekauften Instituten so "ermittelt", und man versucht, seinen Erfolg herbeizureden ...

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