Olympische Spiele Karaoke oder zum Frisör?
Das olympische Dorf ist eröffnet. Und die chinesischen Gastgeber haben bei der Planung an alles gedacht: Es gibt eine Feuerwehrstation, Gebetsräume und eine Karaoke-Bar
Das olympische Dorf in Peking hatte sich einen schlechten Termin für seine Eröffnung ausgesucht. Am Sonntag hing ein feuchter, grauer, dreckiger Nebel über dem Olympiagelände im Pekinger Norden. Gefördert vom heißen, feuchten und windstillen Wetter und trotz aller Fabrikschließungen und Fahrverbote hält der Smog die Olympiastadt weiter fest im Griff. Wer in Peking auf der Beichen-Weststraße steht, schaut nur rund 500 Meter bis zum Eingang des olympischen Dorfs, theoretisch. Am Eröffnungstag war die riesige Sportler-Herberge durch den Dunst überhaupt nicht zu erkennen. Aber so konnten sich die Athleten auf die klimatischen Bedingungen einstimmen, die sie auch während der Spiele vom 8. bis zum 24. August erwarten könnten.
Für die Festgemeinschaft war der Smog nichts Neues. Sie bestand aus chinesischen hochrangigen Politikern und chinesischen Athleten - ausländische Gäste befanden sich nicht darunter. Bei der Eröffnungszeremonie des 66.000 Hektar großen Geländes überreichte der Chef des Pekinger Olympia-Organisationskomitees Liu Qi der Bürgermeisterin des olympischen Dorfs, Chen Zhili, symbolisch einen goldenen Schlüssel. „Wir fordern die Athleten aus aller Welt auf, nach Peking zu kommen“, sagte Chen Zhili, „wir werden versuchen, die Bedürfnisse der Menschen mit verschiedenen kulturellen und religiösen Hintergründen zu befriedigen.“
Als erstes Team zogen einige Hundert Athleten des Olympiagastgebers China symbolisch in das olympische Dorf ein, darunter der Basketballstar Yao Ming und der Hürdenläufer Liu Xiang. Die Chinesen trugen rote Jacken, gelbe Hemden, weiße Hosen und bunte Krawatten und erinnerten in diesem Retro-Outfit an Olympiamannschaften aus den frühen siebziger Jahren. Ihnen folgten einige Stunden später Mitglieder der Olympiateams aus Polen und Kuba. Insgesamt werden 16.000 Athleten und Betreuer in den nächsten Wochen in der bis zu neunstöckigen Apartment-Anlage wohnen. Dort erwartet sie ein Restaurant, das neben der „Friedens- und Anti-Kriegs-Mauer“ gelegen ist und bis zu 4000 Athleten gleichzeitig kulinarisch versorgen kann.
Beim Freizeitangebot können die Dorfbewohner zwischen Karaoke, Chinesisch-Kurs, kulturellen chinesischen Darbietungen, zahlreichen Sportmöglichkeiten und einem Internetcafé wählen. Auch Shops, Frisör, Bank, Post, Feuerwehrstation, Klinik und Andachtsstätten für fünf Religionen befinden sich auf dem Gelände. Nach den Paralympischen Spielen im September werden die Wohnungen auf dem boomenden Pekinger Immobilienmarkt verkauft. Durch die Nähe zum neuen olympischen Park sollen die Preise bereits auf bis zu 640.000 Euro pro Wohnung gestiegen sein.
„Ins olympische Dorf zu gehen, lässt mich den Puls der Spiele fühlen“, sagte der chinesische Gewichtheber-Trainer Chen Wenbin, „es wird den Athleten neuen Antrieb geben.“ Wer weiß, zumindest müssen Chen Wenbins Sportler und viele andere Athleten, die am Eröffnungstag ihre Quartiere „testen“ durften, noch eine Weile vom ersten Eindruck zehren. Weil ihre Betreuer Wohnungen und Infrastruktur im Dorf vorbereiten müssen, zogen die chinesische Athleten nach der Eröffnungsfeier wieder aus.
- Datum 13.08.2008 - 21:15 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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PS: Nord von Beijing ist Mongolei...
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