Thilo Sarrazin Der ewige Provokateur

Hartz-IV-Empfängern empfiehlt er schmale Kost, Energiepreis-Opfern einen dicken Pullover: Berlins Finanzsenator eckt gerne an. Und hat Erfolg damit

Thilo Sarrazin hat wieder einmal zugeschlagen. Noch schwitzen die Berliner bei tropischen Temperaturen, aber den sozialdemokratischen Finanzsenator treibt schon der nächste Winter um. Da mögen andere, allen voran der linke Koalitionspartner und die Gewerkschaften, angesichts der hohen Energiepreise schon vor „Kältetoten“ warnen und staatlich subventionierte Energie-Sozialtarife für Arme fordern – der rot-rote Sparkommissar weiß einen ganz anderen Weg. Er rät seinen Mitbürgern stattdessen, politisch völlig inkorrekt, zum Griff ans Thermostatventil. „Mit einem dicken Pullover“ könne man auch bei 15 oder 16 Grad Zimmertemperatur „vernünftig leben“, verkündete er in einem Zeitungsinterview.

Dicke Schlagzeilen und böse bis zustimmende Kommentare waren ihm wieder einmal gewiss. Das Sommerloch hat ein weiteres Thema – und Berlin einen Aufregeranlass mehr.

Anzeige

Der SPD-Politiker kann es nicht lassen. Kaum erblickt Sarrazin ein Mikrofon, schon reizt es ihn, eine weitere seiner kleinen, bösen Sottisen in die Welt zu setzen. Mal lästert er über die Beamten, denn die „laufen bleich und übel riechend herum, weil die Arbeitsbelastung so hoch ist.“ Mal stellte er nüchtern fest, „nirgendwo sieht man so viele Menschen, die öffentlich in Trainingsanzügen rumschlurfen wie in Berlin“.

Den Empfängern von Arbeitslosengeld II schließlich hat er vor ein paar Wochen in einem „Hartz-IV-Speiseplan“ aufgelistet, wie sie sich von den vorgesehenen 4,25 Euro am Tag gesund ernähren können, Nachtisch inklusive.

Den Menschen vorrechnen, wie sie von dem leben können, was der Staat ihnen zugesteht – das gehört sich für einen Politiker natürlich nicht. Das sei „zynisch“ und „menschenverachtend“, schallte es ihm sofort entgegen. Die Linke war immerhin so konsequent, als Retourkutsche eine Erhöhung der Regelsätze zu fordern. Die Berliner SPD samt Bürgermeister Klaus Wowereit hingegen grummelte nur zornig und nannte die Aktion „überflüssig“.

Protest und Unwillen in den eigenen Reihen allerdings scheint den Senator erst so richtig herauszufordern. Denn kaum war die Aufregung um den Hartz-IV-Speiseplan abgeklungen, legte Sarrazin nach und bekannte, er würde auch für einen Mindestlohn von fünf Euro arbeiten gehen – obwohl seine Partei eine solche Bezahlung für menschenunwürdig hält.

Leser-Kommentare
  1. "Aber was ist an Thilo Sarrazin schon normal, was ist an ihm Politiker?
    Nicht viel. Manager war er, ebenfalls ein streitbarer, bevor er in die
    Politik wechselte."So, so, Manager also:Studium, Mitarbeiter der Friedrich-Ebert-Stiftung, ab 1975 im Öffentlichen Dienst des Bundes (Referatsleiter, Referent, Büroleiter), 1990 Treuhand, 1991 Staatssekretär, 1997 TLG (bundeseigenes Unternehmen) 2000/2001 DB Netz AG, danach Minister.Stimmt, der Mann hat mit Politik eigentlich gar nichts zu tun...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es ist aber auch zum Mäusemelken. Jedesmal verhaut's einem die Formatierung.Die Angaben finden sich übrigens auf Wikipedia. Ich vergaß die Quelle.

    Sie schreiben:
     
    Stimmt, der Mann hat mit Politik eigentlich gar nichts zu tun...
     
    Stimmt nicht, Herr Sarrazin hat sehr etwas mit Politik zu tun.
     
    Zu Ihrer Schlussfolgerung oben kann man eigentlich nur kommen,  wenn man Politik als eine Sache der Apparatschiks und nicht als eine öffentliche Sache (res publica) bertrachtet.
     
     

    Es ist aber auch zum Mäusemelken. Jedesmal verhaut's einem die Formatierung.Die Angaben finden sich übrigens auf Wikipedia. Ich vergaß die Quelle.

    Sie schreiben:
     
    Stimmt, der Mann hat mit Politik eigentlich gar nichts zu tun...
     
    Stimmt nicht, Herr Sarrazin hat sehr etwas mit Politik zu tun.
     
    Zu Ihrer Schlussfolgerung oben kann man eigentlich nur kommen,  wenn man Politik als eine Sache der Apparatschiks und nicht als eine öffentliche Sache (res publica) bertrachtet.
     
     

  2. Es ist aber auch zum Mäusemelken. Jedesmal verhaut's einem die Formatierung.Die Angaben finden sich übrigens auf Wikipedia. Ich vergaß die Quelle.

  3. Sie schreiben:
     
    Stimmt, der Mann hat mit Politik eigentlich gar nichts zu tun...
     
    Stimmt nicht, Herr Sarrazin hat sehr etwas mit Politik zu tun.
     
    Zu Ihrer Schlussfolgerung oben kann man eigentlich nur kommen,  wenn man Politik als eine Sache der Apparatschiks und nicht als eine öffentliche Sache (res publica) bertrachtet.
     
     

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Schon mal was von Ironie gehört? Wohl eher nicht...

    Schon mal was von Ironie gehört? Wohl eher nicht...

  4. Redaktion
    • greven
    • 30.07.2008 um 16:21 Uhr

    Sie haben recht. Ist im Text geändert. Die Redaktion

  5. Eigentlich äußere ich mich zu Bemerkungen solcher Leuchtgestalten der Politik nur sehr ungern. Aber wenn derartige Äußerungen dieser unzivilisierten und unkultivierten Person ein Maßstab für Erfolg sind, dann sind es die Artikel der Bild-Zeitung auch. Genau auf diesem Niveau scheint er sich ja sowieso gern zu bewegen. Geholfen ist damit natrlich niemanden außer dieser Person, deren Ruhepöstchen bei Bertelsmann schon lange gesichert sein dürfte. Für den Autor - eine aufwendigere Recherche hätte unter anderem folgendes ergeben; - Der Selbstversuch zur gesunden Ernährung basierte auf Billigstprodukten (die mit der seitenlangen Zutatenliste) aus dem Discounter (ich empfehle dem Autor einen Selbstversuch nur unter ärztlicher Begleitung). - Gern kann der Autor auch einmal nur ein kleines Jahr für 5,-Euro arbeiten gehen, aber bitte ohne doppelten Boden. - Bei 15°C zu leben ist im Norwegenurlaub mit geeistem Kaviar bestimmt ein schönes Erlebnis. Für das Kleinkind oder die Oma mit Gicht wohl weniger. Zudem ist ein Großteil der Bauten in denen betreffende wohnen schlicht nicht hierfür ausgelegt, sondern für brummende Heizungen. Der Autor kann sich hier gern fachlich über Wärmebrücken, Einzelraumheizung, billige Kunststoffenster und ähnliches erkundigen. - Hätte der Autor zudem noch die Zeit gefunden die Schulden etwas zu betrachten, wäre ihm aufgefallen, neben großspuriger Lebensweise entstanden diese zu einem erheblichen Teil aus (milde ausgedrückt) halblegalen Finanztransaktionen. Besagte Person macht nichts anderes, als die Konten der Finanzjongleure mit dem feuchtem Kindergarten um die Ecke wieder aufzufüllen. Aber - solange unsere schöne Hauptstadt nicht nur arm und multikulti ist, sondern auch noch alle paar Wochen die nächste tolle Fanmeile ausgerufen ist sind solche Personen einfach lustig und klasse, oder?

    • QUOTE
    • 30.07.2008 um 16:28 Uhr

    ...Und hat Erfolg damit."Aber nur, solange er eine gepanzerte Limousine und staatlichen Personenschutz hat.Wenn das nicht wäre, würde der "Erfolg" seiner dämlichen Sprüche anders aussehen.(entfernt. Bitte sehen Sie von persönlichen Angriffen ab. Die Redaktion/jk)

  6. Dann doch lieber Anglizismen ...Und ja, die Korinthe gehört mir.

  7. "Denn das wirklich Gemeine an seinen Sprüchen ist, dass sie zwar mit Vorliebe linke Lebenslügen aufs Korn nehmen, aber dabei doch oft auch einen richtigen Punkt treffen."Wenn Sie mal einen Punkt nennen könnten in denen das "(entfernt. Bitte verzichten Sie auf Angriffe dieser Art. Die Redaktion/jk) Sarrazin" auch nur einmal getroffen hat, wäre ich dankbar..Er schießt immer über das Ziel heraus.Das Konzept ist doch klar, oder...?Neuland

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service