Katrin Schmidt brauchte ziemlich lange, bis sie dahinterkam, warum sie nur gegen Vorkasse im Internet einkaufen durfte. Als sie es endlich erfahren hatte, war sie so schockiert, dass sie ihren Nachnamen ändern ließ: Die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, kurz Schufa, hielt sie für eine Kreditkartenbetrügerin.

Dank des neuen Bundesdatenschutzgesetzes , dessen Entwurf das Kabinett am Mittwoch auf den Weg brachte, könnte sie künftig schneller und leichter an solche Information gelangen. Ändern aber würde sich an ihrer negativen Bewertung durch die Schufa und den daraus entstehenden Nachteilen dennoch nichts. Im Gegenteil.

Katrin Schmidt hieß bis vor einiger Zeit wirklich so und das war schon ihr ganzes Problem. Es gab eine Frau gleichen Namens und gleichen Geburtsdatums, die irgendetwas getan haben muss, das zu einer "Einmeldung Kreditkarte" bei der Schufa führte - zu dem Hinweis also, dass dieser Person in Gelddingen nicht zu trauen ist.

In den Datenbanken des Kreditbüros wurden die beiden Schmidts wie auch immer zu einer und konnten erst nach vielen Briefen und Telefonaten wieder getrennt werden. Über Jahre hinweg besaß unsere Katrin Schmidt das miese "Scoring" einer anderen. Ihr Name war nichts wert.

Genau das ist das Problem. Das nun überarbeitete Datenschutzgesetz gibt den Bewerteten – immerhin 65 Millionen Deutschen – mehr Rechte, etwas über die eigene Bewertung zu erfahren. Die nutzen ihnen aber nur etwas, wenn sie sie auch wahrnehmen. Wer nichts von seinem schlechten Ruf ahnt, wird nie dahinterkommen, warum er ihn hat.

Eine Informationspflicht über solche finanziellen Beurteilungen gibt es nicht. Geschweige denn einen Schutz vor Scoring oder eine Regelung, die dazu verwendeten Daten immer wieder auf Korrektheit zu prüfen.

Auch die neu eingeführte Anweisung, dass Betroffene über die Meldung negativer Dinge an die Schufa informiert werden müssen, hätte Katrin Schmidt nicht geholfen. Gilt diese doch nur bei "nicht rechtskräftig festgestellten Forderungen", also beispielsweise offenen Rechnungen, die man für unbegründet hält und deswegen nicht bezahlt. Ein nachgewiesener Kreditkartenbetrug aber ist rechtskräftig und würde weiter stillschweigend gemeldet.