Der Pop-Art-Papst
Er fertigte Werbegrafiken und arbeitete als Illustrator. Er produzierte Filme und erklärte Campbell-Suppendosen zu Kunst. In seiner New Yoker Wohn- und Arbeitsstätte, der sogenannten Factory, tummelte sich in den sechziger Jahren die Gegenkultur. Andy Warhol war unter allen Pop-Art-Künstlern der schillerndste. Sein Einfluss reicht bis in die Gegenwart. Aufgewachsen in Pittsburgh, übersiedelte er Ende der vierziger Jahre nach New York. Hier lebte er zunächst von Gelegenheitsjobs, bevor er als Werbegrafiker und Künstler Fuß fasste. Vor allem seine im Siebdruck-Verfahren hergestellten Porträts von Hollywoodstars und anderen Prominenten, aber auch von Selbstmördern und Verbrechern sind Ikonen. Als Vorlagen dienten ihm Presse- und Polaroidfotos. Die Serienproduktion seiner Arbeiten lenkte den Blick vom Motiv zur Machart. Warhol analysierte mit seinen Drucken den american way of life – und war selbst ein Teil davon. Kommerz, Sensationsgier und Trivialkultur überführte er in Kunst.
- Datum 05.09.2012 - 14:19 Uhr
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Er hat nichts an, der Kaiser, aber alle staunen laut: "Oh!" und "Ah!" Wenn ein Bild ca. 70 Millionen Dollar kostet, muss es gut sein. Man muss dran glauben. Man muss dekorativ denken! Ach, was! Man muss einfach nur bimbesgläbig sein. Zum Trost ist der Artikelschreiber Markus Zinsmaier ein Connaisseur. Den Revolver nennt er "Pistole". Ach, du grüne Neune!
Er wurde - mit wachsender Bekanntheit - das Gegenteil von dem, was er ursprünglich war. Er begann seine Karriere als sog. Gebrauchsgraphiker. D.h., er entwarf Layouts für Konsumartikel etc. Als er es geschafft hatte und ohne diese "zweckdienliche" Arbeit existieren konnte, benutzte er genau diese Konsumartikel für seine freien (künstlerischen) Arbeiten. Furore machten u.a. seine Brillo-Kartons! In seinen Umsetzungen seiner späteren Arbeiten halfen ihm die Kenntnisse des Sieb- und Buchdrucks, der Lithografie und des Bleisatzes sehr. Er entwickelte die Fertigkeit, eine fast schon überholte Technik so einzusetzen, dass das Resultat nicht nur den Charme der damals populär gewordenen Pop-Art besaß (Warhol war nicht ihr "Erfinder", aber er prägte sie nachhaltig mit). Die Arbeiten wirkten geradezu so, als sei eine zum Teil defizitäre Technik (Siebdruck) die Voraussetzung für seine künstlerischen Umsetzungen. Er erklärte die Unvollkommenheit zum Bestandteil seiner Kunstwerke. Diesen genialen Trick benutzte er auch für seine berühmten Magazine (z.B. "Interview") und für seine Kurz- und Spielfilme. Ihm gelang, was in den späten 60er und frühen 70er Jahren nur wenigen Künstlern möglich war: Er arbeitete mit der Stilistik der "Pornographie" (die er selbst nie so bezeichnete), ohne dass diese Filmsequenzen je zensiert wurden. Sein Filmheld war Joe Dallessandro. Das meiste, was dieser Selbstdarsteller / Schauspieler in den Filmen trug, war der Ausdruck einer gewissen Gleichgültigkeit. Andy Warhol erhöhte den "Blaumann" zum Gala-Anzug, um sich sodann ironisch von diesem Blaumann zu distanzieren, indem er sich für Einladungen besonders chic und festlich ausstaffierte. Warhols 8-Stunden-Film "Empire-State-Building" zeigt eigentlich nur das Gebäude selbst. Was man vordergründig nicht sieht, ist die Vergänglichkeit der Zeit. Etwas, was Warhol aus seiner Zeit als "Gebrauchsgraphiker" kannte: Die dort entwickelten Entwürfe wurden ja nur temporär eingesetzt. Wurde ein Produkt weiter entwickelt oder gar erneuert, so wurde auch die Verpackung relauncht oder gar neu inszeniert. Was in der Verpackung drin war, musste dem Graphiker egal sein - was sich im Gebäude des Empire-State-Buildings während der 8 Stunden abspielte, konnte der Künstler nicht abfilmen. Aber der Zuschauer, da er die Welt der lohnabhängigen Arbeit in der Regel selbst kannte, konnte sich dieses denken. Warhol war ein plakativer Künstler. Indem er Ikonen, wie z.B. Marylin Monroe, posthum zu neuem Ruhm verhalf, wurde er selbst zu einer Ikone der Bildenden Kunst.
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