Umweltschutz Ökologische Konkursverschleppung

Die Wahrheit ist selten schmerzfrei zu haben. Dies gilt auch für den Umgang der modernen Industriegesellschaften mit ihren natürlichen Lebensgrundlagen, der im Wesentlichen auf Ignoranz der Fakten beruht. Mit dieser Ignoranz geht es nun zu Ende

Extensive Ölbohrungen, mehr Kohle, neue AKWs? Ex-Außenminister Joschka Fischer hält das für keine zukunftsweisenden Lösungen

Extensive Ölbohrungen, mehr Kohle, neue AKWs? Ex-Außenminister Joschka Fischer hält das für keine zukunftsweisenden Lösungen

Explodierende Energie-, Rohstoff- und Lebensmittelpreise und die globale Klimaerwärmung sind nicht mehr nur Thema in konservativ-kulturkritischen Zirkeln oder in einer eher subkulturellen Ökoszene, sondern sind als schmerzhafte Realität in der breiten Mitte von Wirtschaft und Gesellschaft angekommen. Und diese Mitte reagiert schockiert und zunehmend wütend, obwohl diese Entwicklung seit vielen Jahren, ja Jahrzehnten absehbar war.

Die westlichen Industriegesellschaften hatten lange Zeit erfolgreich ignoriert, dass sie lediglich eine Minderheit von etwa 20 Prozent der Weltbevölkerung darstellten, zugleich aber global 80 Prozent an verfügbarer Energie, Rohstoffen und Wohlstand für sich beanspruchten. Zugleich produzierten sie 80 Prozent der schädlichen Umweltbelastungen.

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Die westliche Konsumgesellschaft mit ihrem egalitären Verteilungsanspruch namens Sozialstaat war daher bei Lichte besehen ein elitäres Minderheitenmodell. Die für den Westen so bequeme globale Verteilung von Arm und Reich wird gegenwärtig Geschichte.

Milliarden von Menschen haben sich zum Ziel gesetzt, um jeden Preis das westliche Modell zu kopieren, und plötzlich wird die Wahrheit, dass das Ökosystem Erde und seine Ressourcen begrenzt sind, sehr konkret. Die faktische „Demokratisierung,“ die globale Verallgemeinerung des westlichen Erfolgsmodells verkehrt strukturell und damit für immer die globale Nachfrage und führt so zu spürbaren Preisexplosionen.

Diese dramatische globale Revolution wird nun die Stunde der ökologischen und ökonomischen Vernunft einläuten, in der – endlich! – die ökologische Wahrheit in den ökonomischen Preisen sichtbar und damit weltweit die Industriegesellschaften zum Umsteuern zwingen wird.

Die Subventionen auf Kosten der Umwelt werden abgebaut. Gleichzeitig werden Effizienz beim Energie- und Ressourcenverbrauch, sowie Vermeidung von Abfällen und Emissionen die beiden neuen Grundsätze der globalen Wirtschaft werden. All dies wird nicht nur aus Vernunft oder edlem Willen geschehen, sondern weil alles andere schlicht unbezahlbar wird.

Leser-Kommentare
  1. Da ist der ZEIT-Beitrag von Volker Hauff/Klaus Töpfer zum "Mondlandeprogramm für das Weltklima" viel konkreter und differenzierter:http://www.zeit.de/online/2008/31/apollo-energieprogramm?page=all

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    Ich finde den Hauff-Töpfer-Beitrag ebenfalls konkreter als Fischers Beitrag. Allerdings vermute ich, dass Fischer deren Artikel ebenso gut findet wie Sie. Ich glaube, er meint genau solche Leute wie Hauff (SPD) und Töpfer (CDU), wenn er fordert, mit "jenem Spektrum" Bündnisse zu schließen, "das die Radikalität der Herausforderung erkannt hat und
    seine Zukunft in deren ökologischer Beantwortung sieht."

    Ich finde den Hauff-Töpfer-Beitrag ebenfalls konkreter als Fischers Beitrag. Allerdings vermute ich, dass Fischer deren Artikel ebenso gut findet wie Sie. Ich glaube, er meint genau solche Leute wie Hauff (SPD) und Töpfer (CDU), wenn er fordert, mit "jenem Spektrum" Bündnisse zu schließen, "das die Radikalität der Herausforderung erkannt hat und
    seine Zukunft in deren ökologischer Beantwortung sieht."

  2. Die Ölmultis fahren Rekordgewinne ein! Das System rechnet sich für deren Eigentümer also bestens. Und statt die Reichen zu besteuern, borgen die westlichen Regierung von ihnen, und bezahlen für dieses Privileg auch noch Zinsen.Es wird Alles weitergehen wie gehabt._______________________________________________________
    Die Interessen der ZEIT:
    http://de.wikipedia.org/w...
    Was derzeit wirklich passiert:
    http://www.pelastop.de/20...

  3. Joschka Fischer wirft uns "Konkursverschleppung" vor. Eine bittere Pille, die uns dieser erfahrene Arzt verabreicht! Lassen wir sie uns auf der Zunge zergehen! "Ökologische Wahrheit" in den Preisen an der Tankstelle - so gewinnen Sie keine Wählerstimmen für ihre Partei dazu, Herr Fischer, denn das Auto gehört gerade in unserem vergreisenden, altersschwach werdenden Volk immer mehr zur Menschenwürde. Vor diesem unpopulistischen Artikel habe ich Respekt.

  4. Böse 20% der Weltbevölkerung verbrauchen 80% der Energie. Mhhh, vielleicht produzieren diese 20% auch 80% oder mehr an Produkten?!
     
    Wie mir gerade zu Ohren gekommen ist, soll in England ein Mechanismus namens "Dampfmaschine" erfunden worden sein. Ich glaube die Engländer verbrauchen 90% der Weltkohleproduktion an Kohle. Skandal! 

  5. Seit einiger Zeit tobt in den deutschen Medien und an den Stammtischen wieder der Streit um die Atomkraft. Nun bezieht Fischer Stellung, und zwar gegen die Atomkraft und für die Kohlekraft als Übergangstechnologie. Das ist interssant! Doch inwiefern unterscheidet sich Fischer, der seiner Partei zu neuen Kompromissen mit den fortschrittlichen Kräften der Gesellschaft rät, von der Beschlusslage der Grünen? Beschlusslage der Grünen ist die Abschaltung der Atomkraftwerke bis 2022, insofern scheint Konsens mit Fischer zu bestehen. Beschlusslage der Grünen ist zugleich, bis zur Marktreife CO2-freier-Kohlkraftwerke keine weiteren Kohlekraftwerke zu bauen, alte Kohlekraftwerde allerdings weiterlaufen zu lassen. Fischers Empfehlung, auch er schreibt von CO2-freien Kohlekraftwerken, hört sich ganz genauso an. Der einzige Unterschied scheint mir zu sein, dass Fischer diese Position anders verkauft als seine Partei. Während von den Grünen gegenwärtig vor allem dann in den Medien die Rede ist, wenn es um die Verhinderung eines neuen Kohlekraftwerks geht, legt Fischer den Akzent darauf, ganz offensiv für CO2-freie Kohlekraftwerke zu sein.Ich meine, Fischer stärkt seinen Grünen durch seine Positionierung den Rücken und weist sie zugleich darauf hin, dass sie gut beraten sind, ihre Position anders darzustellen selbstbewusst darauf hinweisen, dass sie nicht per se gegen Kohlekraft sind. Das ist sicher ein sehr guter Rat, denn wenn sich in den Köpfen der Menschen festsetzt, dass die Grünen "für den radikalen Ausstieg aus Kohle und Atom zugleich sind", dann gute Nacht... 

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    die m.A.n. zentrale Aussage Fischers:"Ein Rückzug auf sich selbst und eine Verweigerung notwendiger
    Kompromisse – etwa in der Frage „Kohle versus Atom als
    Übergangstechnologie“ zugunsten der Kohle – werden absehbar fatale
    Folgen in der Sach- und Machtfrage haben. Diese entscheidende
    Konfrontation wird die grüne Seite national und global nur gewinnen
    können, wenn sie neue Bündnisse eingeht, nämlich mit jenem Spektrum in
    Wirtschaft und Forschung, das die Radikalität der Herausforderung
    erkannt hat und seine Zukunft in deren ökologischer Beantwortung sieht. Ideologische Barrieren von gestern und heute werden dabei nur
    hinderlich sein. (!!!)
    Was zählt, sind die inhaltlichen Gemeinsamkeiten und
    die Mehrheitsfähigkeit: erneuerbare Energien, CO2-freie
    Kohletechnologie, Effizienz und Sparsamkeit, Wahrheit in den Preisen,
    Regulierungen und Strukturen, die all dies befördern."
    Geht es nur mir so, oder sieht noch jemand darin eine (leichte?) Abkehr von einer Grundüberzeugung? Oder anders gefragt: wo lest Ihr denn raus, dass Fischer noch am Atomausstieg festhalten will? Vielleicht bereitet er ja im Hintergrund den Boden für schwarz-grün, aber es wäre für mich eine mittlere Katastrophe, wenn die Grünen nach dem Pazifismus auch noch Ihre Anti-Atom-Haltung entsorgen würden...Wenn Du etwas wissen willst, frag keinen Gelehrten, sondern einen Erfahrenen!

    die m.A.n. zentrale Aussage Fischers:"Ein Rückzug auf sich selbst und eine Verweigerung notwendiger
    Kompromisse – etwa in der Frage „Kohle versus Atom als
    Übergangstechnologie“ zugunsten der Kohle – werden absehbar fatale
    Folgen in der Sach- und Machtfrage haben. Diese entscheidende
    Konfrontation wird die grüne Seite national und global nur gewinnen
    können, wenn sie neue Bündnisse eingeht, nämlich mit jenem Spektrum in
    Wirtschaft und Forschung, das die Radikalität der Herausforderung
    erkannt hat und seine Zukunft in deren ökologischer Beantwortung sieht. Ideologische Barrieren von gestern und heute werden dabei nur
    hinderlich sein. (!!!)
    Was zählt, sind die inhaltlichen Gemeinsamkeiten und
    die Mehrheitsfähigkeit: erneuerbare Energien, CO2-freie
    Kohletechnologie, Effizienz und Sparsamkeit, Wahrheit in den Preisen,
    Regulierungen und Strukturen, die all dies befördern."
    Geht es nur mir so, oder sieht noch jemand darin eine (leichte?) Abkehr von einer Grundüberzeugung? Oder anders gefragt: wo lest Ihr denn raus, dass Fischer noch am Atomausstieg festhalten will? Vielleicht bereitet er ja im Hintergrund den Boden für schwarz-grün, aber es wäre für mich eine mittlere Katastrophe, wenn die Grünen nach dem Pazifismus auch noch Ihre Anti-Atom-Haltung entsorgen würden...Wenn Du etwas wissen willst, frag keinen Gelehrten, sondern einen Erfahrenen!

  6. Ich gebe Ihnen Recht, Herr Fischer. Mehrbohren, nukleares Retrofit, Biosprit statt Nahrung, das alles sind jedoch auch insofern kriminelle Maßnahmen, die den globalen Konkurs nicht nur verzögern sondern denselben beschleunigen. Per se wäre das ja hilfreich so es den Weg ebnen würde für Innovation und Vernunft; wenn aber die Beschleunigung die Probleme sich überschlagen läßt, die globale Masse der Bevölkerung keine Chance hat, sich den Veränderungen reibungsfrei anzupassen dann wird aus purer Verschleppung Mord und Totschlag. Ich sage sagenhafte Inflationswellen voraus, kranke Banken und Etats, Zusammenbruch der Kaufkräfte, bürgerkriegsähnliche Zustände in allen Wirtschaftsräumen, ein Auseinanderfallen derselben in Parzellen gegenseitigen Misstrauens, den Rückfall in die Kleinstaaterei.Nichts bleibt wie es ist, es wandelt sich und uns. Nur schade, daß das alles nichts mit Vernunft und Größe zu tun hat. Versagen und Scheitern wird es richten, ob rot grün oder schwarz und alle "Weisheit" ohne Nutz.Christian.A.Wittke

  7. ist nicht Plotte, sondern Skandal. Seit 30 Jahren wissen wir ohne vernünftigen Zweifel, was bei einer auf Ausplünderung planetarer Ressourcen auf uns zukommt. Nu isses da...Ein Wirtschaftssystem, das auf fortschreitendem Wachstum beruht, kann nun mal à la longue auf einem endlich grossen Planeten nicht funktionieren: Sind unsere grossartigen Wirtschaftsführer derartige Mathematik-Analfabeten, dass ihnen nicht klar ist, dass sowohl Oberfläche als auch Volumen einer (annähernd) kugelförmigen Erde endlich sind? Ist das so schwer?? Oder ist es die Gier, die sich nicht beherrschen lässt??? Ich preferiere 3) und empfehle, die Befallenen in psychiatrischen Anstalten zu internieren, damit sie keinen Schaden mehr anrichten können. Denn egal wie heiss der Planet wird, und egal, wie teuer Nahrungsmittel und Energie werden: Der Kapitalismus wird nicht kollabieren wie der Stalinismus, denen sind Menschenleben so gleichgültig wie der Junta in Burma. Ich will Ihnen zeigen, warum: Zwischen 1989 und 2006 starb im Schnitt alle 4 Sekunden ein Kind an Hunger, seit 2007 hat sich diese Frequenz auf 3 Sekunden verkürzt - die internationale Spekulantenmafia hat Lebensmittel als Spekulationsobjekte entdeckt. Das heisst für jeden, der Kopfrechnen kann, 20 statt 15 verhungerte Kinder per Minute, das sind 10.512.000 Kinder pro Jahr statt 7.884.000, das sind 2.648.000 Kimder mehr auf Grund von Spekulation. Und wir sollen glauben, die Islamisten seinen irre. Die Kapitalisten sind so völlig entmenscht, die werden den ganzen verdammten Planeten in den Orkus fahren, wenn es einen Profit verspricht. Wer nichts tut gegen die Ackermänner, der kann sich die Solarzellen auf dem Dach gleich schenken. sie werden nicht helfen.Andererseits: Die Generation der jetzt 40-60jährigen Europäer hat genug Technik entwickelt, mit der unser Lebenskomfort klimaneutral erzeugt werden kann, an der Technik wird's sicher nicht scheitern, es scheitert an denen, die nicht Platz machen werden, egal was geschieht.  A la bastille, messieursdames!Alles, was gesagt werden kann, kann klar gesagt werden -
    Ludwig Wittgenstein

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    • drelux
    • 05.08.2008 um 23:54 Uhr

    Der Neuigkeitswert der Kolumne ist zwar nicht sehr hoch, aber ein Skandal ist er deshalb nicht. Als skandalös empfinde ich allenfalls, dass konservative Politiker diese Erkenntnis, dass die natürlichen Ressourcen endlich sind und dass wir diesen Planeten nicht in alle Ewigkeit ausplündern können, einfach ignoriert und geleugnet haben und teilweise immer noch leugnen. Selbst manche promovierte Physikerin hat diesen Sachverhalt noch nicht verinnerlicht.Sie machen es sich allerdings zu einfach, wenn Sie nur die „grossartigen Wirtschaftsführer“ für unser Dilemma verantwortlich machen, die Politiker sind auch nicht ganz unbeteiligt. Und die Bevölkerung hat diese in freier und geheimer Wahl bestimmt.  Ihr Vergleich, dass dem Kapitalismus Menschenleben so gleichgültig wie der Junta in Burma sind, ist unzutreffend. Ich will ihre Zahlen in Bezug auf die Kindersterblichkeit nicht anzweifeln, aber glauben Sie wirklich, dass bei sozialistischer Wirtschaftsweise weniger Kinder stürben? Die Spekulantenmafia mag Einfluss auf die Verteilung der Lebensmittel haben, ihr Einfluss auf die Welternte insgesamt ist sicherlich sehr begrenzt. Hier spielen ganz andere Faktoren eine Rolle. Als besonders bedenklich empfinde ich z.B., dass wertvolles Ackerland zur Erzeugung von „Biosprit“ missbraucht wird. Sie haben ja durchaus zutreffen festgestellt, dass „ein Wirtschaftssystem, das auf fortschreitendem Wachstum beruht, nun mal à la longue auf einem endlich grossen Planeten nicht funktionieren kann“. Daraus folgt doch unmittelbar, dass auch die Bevölkerung nicht unbegrenzt wachsen kann. Vielleicht hatte Malthus mit seiner Theorie von der Bevölkerungsfalle ja nicht in allen Punkten Unrecht.Ihr Glaube, dass "die Generation der jetzt 40-60jährigen Europäer genug Technik entwickelt hat, mit der unser Lebenskomfort klimaneutral erzeugt werden kann“ erscheint mir naiv. Die derzeitige Technik ist auf Kohle, Öl, Gas und Uran aufgebaut. Und diese Ressourcen sind begrenzt. Wir haben noch keine ausgereifte und kostengünstige Solartechnologie und beherrschen wahrscheinlich auch in den kommenden Jahrzehnten noch nicht die Kernfusion, wobei für mich die Frage nach der Wirtschaftlichkeit dieser zuletzt genannten Technologie noch nicht beantwortet ist. Noch scheitert es an der Technik und nicht „an denen, die nicht Platz machen werden, egal was geschieht“.

    • drelux
    • 05.08.2008 um 23:54 Uhr

    Der Neuigkeitswert der Kolumne ist zwar nicht sehr hoch, aber ein Skandal ist er deshalb nicht. Als skandalös empfinde ich allenfalls, dass konservative Politiker diese Erkenntnis, dass die natürlichen Ressourcen endlich sind und dass wir diesen Planeten nicht in alle Ewigkeit ausplündern können, einfach ignoriert und geleugnet haben und teilweise immer noch leugnen. Selbst manche promovierte Physikerin hat diesen Sachverhalt noch nicht verinnerlicht.Sie machen es sich allerdings zu einfach, wenn Sie nur die „grossartigen Wirtschaftsführer“ für unser Dilemma verantwortlich machen, die Politiker sind auch nicht ganz unbeteiligt. Und die Bevölkerung hat diese in freier und geheimer Wahl bestimmt.  Ihr Vergleich, dass dem Kapitalismus Menschenleben so gleichgültig wie der Junta in Burma sind, ist unzutreffend. Ich will ihre Zahlen in Bezug auf die Kindersterblichkeit nicht anzweifeln, aber glauben Sie wirklich, dass bei sozialistischer Wirtschaftsweise weniger Kinder stürben? Die Spekulantenmafia mag Einfluss auf die Verteilung der Lebensmittel haben, ihr Einfluss auf die Welternte insgesamt ist sicherlich sehr begrenzt. Hier spielen ganz andere Faktoren eine Rolle. Als besonders bedenklich empfinde ich z.B., dass wertvolles Ackerland zur Erzeugung von „Biosprit“ missbraucht wird. Sie haben ja durchaus zutreffen festgestellt, dass „ein Wirtschaftssystem, das auf fortschreitendem Wachstum beruht, nun mal à la longue auf einem endlich grossen Planeten nicht funktionieren kann“. Daraus folgt doch unmittelbar, dass auch die Bevölkerung nicht unbegrenzt wachsen kann. Vielleicht hatte Malthus mit seiner Theorie von der Bevölkerungsfalle ja nicht in allen Punkten Unrecht.Ihr Glaube, dass "die Generation der jetzt 40-60jährigen Europäer genug Technik entwickelt hat, mit der unser Lebenskomfort klimaneutral erzeugt werden kann“ erscheint mir naiv. Die derzeitige Technik ist auf Kohle, Öl, Gas und Uran aufgebaut. Und diese Ressourcen sind begrenzt. Wir haben noch keine ausgereifte und kostengünstige Solartechnologie und beherrschen wahrscheinlich auch in den kommenden Jahrzehnten noch nicht die Kernfusion, wobei für mich die Frage nach der Wirtschaftlichkeit dieser zuletzt genannten Technologie noch nicht beantwortet ist. Noch scheitert es an der Technik und nicht „an denen, die nicht Platz machen werden, egal was geschieht“.

  8. Das Scheitern der WTO Verhandlungen wurde von den Ideologen des freien Marktes beklagt. Diese verbreiten ja immer die Meinung, die Entwicklungsländer bräuchten nur die richtigen Reformen durchführen und schon könnten sie aufsteigen, zumindest in die Liga der Schwellenländer. Leider vergessen sie zu sagen was Fischer hier feststellt. Die (Energie-)Ressourcen die dafür notwendig wären, gibt es bei weitem nicht. Zum Beispiel die Welterdölproduktion, knapp 40% des Weltenrgieproduktion und kaum mehr steigerbar, reicht, wenn man den Pro-Kopf-Verbrauch der Europäer nimmt, gerade für 2.5 Milliarden Menschen. Womit sollen also die restlichen 4 Milliarden ihren Aufstieg schaffen? Bei Gas und Kohle schauts übrigens nicht anders aus. Freier Handel wird hier ganz gewiss keine Abhilfe schaffen, denn der bevorzugt die Stärkeren, die dafür ungebremst zuviel verbrauchen können. Aber was schreibe ich von den Armen dieser Welt. Jetzt erreicht die Ressourcenproblematik schon uns, die erste Welt.Nicht nur bei der Verteilungsfrage liegt der westliche Lebensstil weitab von Nachhaltigkeit, sprich mehr Gerechtigkeit. Schon der bis jetzt im Vergleich ungezügelte Verbauch von rund 25% der Weltbevölkerung mit westlichem Lebensstil reicht aus, das Klima und Biotope dieser Welt  beträchtlich zu beschädigen.Die große Frage wird sein, ob unser kapitalistisches Wirtschaftssystem eine Transformation zu einem ökologisch nachhaltigen und vielleicht auch gerechteren System im Sinne von Herman Daly's Steady State Economy ermöglichen könnte?. Nicht so leicht. Ich glaube der Kapitalismus mit seinem Wachstumszwang ist eher Teil des Problems. Oder wie es ein norwegischer Ölmanager ausdrückte:Der Sozialismus sowjetischer Prägung mußte verschwinden, weil er die ökonomische Wahrheit ignorierte. Der Kapitalismus wird verschwinden, weil er die ökologische Wahrheit nicht akzeptieren kann.

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