Internet-Enzyklopädie Angriff auf Wikipedia
Vor ein paar Tagen ist Googles neues Wissensportal Knol online gegangen. Anders als bei Wikipedia wird die Autorenschaft des Einzelnen dort groß geschrieben. Ein Gespräch mit dem Produktmanager Cedric Dupont
ZEIT ONLINE: Google betreibt die weltweit erfolgreichste Suchmaschine, baut seinen Satellitendienst Google Maps massiv aus und eröffnet nun auch noch ein Internet-Lexikon. Wollen Sie mit Google Knol nun auch noch ein "Monopol des Wissens" schaffen?
Cedric Dupont: Wir wollen Wissen nicht kontrollieren oder dominieren. Die "Knols" ("Wissenseinheiten") gehören uns ja nicht. Man findet heute sehr viel im Internet, aber es gibt noch jede Menge mehr Informationen in den Köpfen der Menschen. Wir möchten den Usern ein Werkzeug geben, mit dem sie Zugang dazu erhalten und gleichzeitig ihr eigenes Wissen anderen Menschen vermitteln können.
ZEIT ONLINE: Kann jeder einen Artikel auf Google Knol verfassen oder kontrollieren Sie, was auf die Seite kommt?
Dupont: Die Kontrolle liegt ausschließlich in den Händen des Autors, er veröffentlicht schließlich unter seinem eigenen Namen. Natürlich haben wir Vorschriften und Regeln, die ausfällige oder missbräuchliche Beiträge verbieten.
ZEIT ONLINE: Anders als bei der Wikipedia kann ein Autor selbst bestimmen, ob sein Artikel "verbessert" wird.
Dupont: Es gibt drei Möglichkeiten: Entweder lässt man gar keine Kommentare zu. Oder man öffnet seinen Artikel komplett für jedermann - wie bei der Wikipedia. Dann gibt es die sogenannte moderierte Zusammenarbeit. Das bedeutet: Jeder kann deinen Knol kommentieren. Aber nicht jeder Kommentar wird nach außen hin sichtbar. Erst dann, wenn man sich einloggt und ihn zulässt. Der Autor hat dadurch zwei Vorteile: Er profitiert vom Wissen der Menschen auf der ganzen Welt und behält gleichzeitig die Kontrolle über seine Inhalte. Das ist der Unterschied zu einer reinen Wiki-Umgebung, wo "die letzte Stimme gewinnt" und alles, was man schreibt, sofort veröffentlicht wird.
- Datum 04.04.2009 - 12:12 Uhr
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