MissbrauchSex unter Geschwistern

Der Inzest als romantische Liebe kommt nur selten vor. Missbrauchsbeziehungen zwischen Bruder und Schwester sind jedoch wahrscheinlich viel häufiger als angenommen von 

Brüderchen nahm sein Schwesterchen an der Hand und sprach: "Seit die Mutter tot ist, haben wir keine gute Stunde mehr. Die harten Brotkrusten, die übrig bleiben, sind unsere Speise. Komm, wir wollen miteinander in die weite Welt gehen."

Beziehungen zwischen Geschwistern stellen wir uns rein und unschuldig vor wie hier im Märchen. Leider ist es nicht immer so.

Es gibt auch einvernehmliche Inzestbeziehungen zwischen Geschwistern – doch sie sind sehr selten. Viel häufiger missbraucht der ältere Bruder die kleine Schwester. Der amerikanische Experte David Finkelhor schätzt, dass Geschwisterinzest die häufigste Missbrauchsform noch vor dem Missbrauch der Tochter durch den Vater ist. Im amerikanischen Raum sind Finkelhors Einschätzungen durch quantitative Untersuchungen belegt. In Deutschland weiß man wenig über die Fakten. Die Polizeiliche Kriminalstatistik, in der alle Straftatbestände jährlich erhoben werden, unterscheidet nicht zwischen Missbrauch durch Verwandte und Missbrauch durch Bekannte oder Fremde.

Der Inzestparagraf des deutschen Strafgesetzbuches wiederum bezieht sich auf einvernehmliche Beziehungen und zwar nur zwischen Erwachsenen. Alle Missbrauchsfälle, eben auch die inzestuösen Missbrauchsverhältnisse, werden statistisch als Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung behandelt. Jutta Elz von der Kriminologischen Forschungsstelle des Bundes erklärt: "Letztendlich verdeckt die Statistik die Inzestfälle." Davon abgesehen werden kleine Mädchen ihren Bruder selten anzeigen.

In Deutschland gibt es weder quantitative noch qualitative Untersuchungen zum Phänomen des Geschwisterinzests. Die Sozialpädagogin Esther Klees, die für ihre Dissertation dreizehn Täter im Alter von 14 bis 19 Jahren interviewt hat, sagt: "Dabei berichten Beratungsstellen und psychiatrische Kliniken von immer mehr Fällen".

Klees befragte Jugendliche, die in Nordrhein-Westfalen ambulant oder in einer Klinik therapeutisch behandelt werden. Die Täter haben teilweise bereits mit zehn Jahren angefangen, ihre Opfer zu missbrauchen. Die erheblich jüngeren Opfer verstanden meist nicht, was mit ihnen geschieht.

Leserkommentare
  1. Da tut sich ja ein ganz neuer Markt auf für das Psycho-Gewerbe!
    Zehnjährige werden als Täter bezeichnet (Ist das rechtlich überhaupt zu halten oder wird damit der Tatbestand der Diffamierung erfüllt?) und die allzeit zitierbaren "amerikanischen Spezialisten" stehen zur Verfügung - wobei man sich schon fragen sollte, wie einer auf diesem Gebiet zum "Spezialisten" werden kann.
    Was soll das nur? Blasen die Damen Feministinnen nun zum Kampf gegen die Männlichkeit schon bei Viertklässlern? Müssen Männer sich nunmehr nicht nur selbst gegen solche Leute zur Wehr setzen, sondern auch schon ihre kleinen Jungen gegen sie schützen? Das ist doch bescheuert.

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    Wovor denn schützen? Doch nicht etwa davor, dass ihnen rechtzeitig beigebracht werden soll, dass ihre kleinen Geschwister keine sklavische Verfügungsmasse sind! Dass sie das lernen, gebietet die Menschlichkeit. 

    Ist es Ihrer Meinung nach bereits kämpferischer Feminismus, wenn man halbwüchsigen Jungen nicht das Recht zugestehen will, ihre kleinen Schwestern (und zuweilen Brüder) zu vergewaltigen?Der Artikel besagt, dass sexuelle Handlungen unter Geschwistern selten einvernehmlich sei, und ich glaube das. Niemand plädiert hier dafür, dass Viertklässler in Ketten vor Gericht geschleift werden sollten wie seinerzeit in den USA der schweizerisch-amerikanische Junge Raoul Wüthrich, dem vorgeworfen wurde, er habe seine Schwester unsittlich berührt. In Deutschland gilt ein unter vierzehnjähriger Junge als schuldunfähig.Rechtlich ist er also kein Täter bzw. Vergewaltiger. Sachlich schon. Vierzehn Jahre sind eine mehr oder weniger willkürliche Altersgrenze für die Strafmündigkeit, und mir kann niemand weismachen, dass nicht auch ein normal entwickelter Zehnjähriger den Unterschied zwischen Recht und Unrecht kennt.Es mag sein, dass ihm nicht bewusst ist, was er seiner Schwester mit den sexuellen Missbrauch antut - in diesem Falle ist es erst Recht höchte Zeit, ihn ins Bild zu setzen. Sonst wird womöglich ein richtiger ausgewachsener Vergewaltiger aus ihm.Wer den Kampf gegen sexuelle Gewalt schon für kämpferischen Feminismus hält, muss sich fragen lassen, ob er es mit der Rücksicht auf die sexuelle Selbstbestimmung vielleicht selbst nicht so genau nimmt...

    • Messala
    • 01. August 2008 11:50 Uhr

    Wo immer Missstände auf der Welt entdeckt werden, kann dies nur auf eine Überreaktion von Feministinnen zurückzuführen sein. :)
    Klar! Sicher! Sehe ich auch so. Andere Erklärung fällt mir auch nicht ein. Schützet die Welt vor Feministinnen! Sie haben schon so viel Unheil entdeckt. Das wird allmählich unerträglich! :-)
    Grüße Messala
     

    • Rahab
    • 31. Juli 2008 15:24 Uhr

    und nicht immer gleich die opfer-position einnehmen! wenn ich den artikel richtig verstanden habe, geht es nicht um die produktion neuer täterInnen sondern um eine erklärung dafür, wie und wo sexuelle gewalt entsteht und/oder weitergegeben wird. - und was das soll? sensibilisierung soll das! und die eine oder andere introspektion beflügeln.

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    Da hamse aber was falsch verstanden, tut mir leid, wenn ich mich missverständlich ausgedrückt habe.
    Aber auch Sie sollten in den Artikel noch einmal reinlesen: Es geht sehr wohl um die "... Produktion neuer Täter ..." ich darf mal aus dem Text in dort gegebener Reihenfolge zitieren?
    "... Geschwisterinzest die häufigste Missbrauchsform ..." (eine Schätzung)
    "... durch Untersuchungen belegt ..." (dann wäre es aber keine Schätzung)
    "... werden kleine Mädchen ihren Bruder selten anzeigen ..."
    "... berichten Beratungsstellen und psychiatrische Kliniken von immer mehr Fällen ..."
    "... Täter haben teilweise bereits mit zehn Jahren angefangen, ihre Opfer zu missbrauchen ..."
    "... Geschwisterinzest beginnt langsam und ist zunächst kaum zu erkennen ..."
    "Die frühe Diagnose ist auch für die Gesellschaft wichtig."
    "Wenn es tatsächlich möglich ist, schon in der Jugend therapeutisch anzusetzen, könnten spätere Straftaten verhindert werden."
     
    Nach dem Fixieren dieser strukturgebenden Sätze habe ich meinen Beitrag geschrieben. Was soll man denn, wenn man das so glaubt, mit den Jungen machen? Unabhängig von Erziehung (die im Artikel garnicht erwähnt wird) sind Jungen, die kleine Schwestern haben spätestens ab dem Alter von zehn Jahren potentielle Missbraucher und Vergewaltiger. Eltern , die das anders sehen haben Unrecht, denn es "... beginnt langsam und ist zunächst kaum zu erkennen ..." Jedoch, "Die frühe Diagnose ist auch für die Gesellschaft wichtig".
    Und hier kommen die wütenden Fürsorglichen ins Spiel und erhalten ihre selbstgegebene Aufgabe, nämlich Hingucken, Aufdecken, Entlarven, manchmal gegen alle Fakten und jede Vernuft. Sie werden sehen ...
     
    Zum Verfasser des Beitrages Nr. 3: Dass Sie Opfer sind, tut mir wirklich sehr leid und ich verstehe auch, dass sie da erheblich parteiisch sind. Aber glauben Sie mir, Unschuldige, die zu Tätern erklärt werden sollen, sind ebenfalls Opfer. Insofern muss ich meine Jungen, zu deren Erziehung selbstverständlich die strikte Achtung vorm anderen Geschlecht und die Akzeptanz eines jeden sexuellen Selbstbestimmungsrechtes gehört, schützen. Ich denke, wir stehen, auch wenn Sie das erst einmal anders sehen, auf der selben Seite.

  2. Männer müssen ihre kleinen Söhne gegen Feministinnen schützen?  Wie lesen Sie das nur aus dem Artikel heraus?
    Und was machen die bösen Feministinnen mit den kleinen Söhnen - machen sie ihnen ihr gutes Recht streitig?
    Eigentlich sollte man auf  Kommentare von Ihresgleichen gar nicht eingehen.
    Das Thema ist indes zu wichtig, um Ihre Sottisen unwidersprochen zu lassen.
    Ich kenne mich da aus, höchstpersönlich. So etwas zerstört ein ganzes Menschenleben.

  3. Wovor denn schützen? Doch nicht etwa davor, dass ihnen rechtzeitig beigebracht werden soll, dass ihre kleinen Geschwister keine sklavische Verfügungsmasse sind! Dass sie das lernen, gebietet die Menschlichkeit. 

    Antwort auf "Na hallo!"
  4. Obwohl ich Inzest gesellschaftlich für eine sehr bedenkliche Angelegenheit halte, finde ich dessen tendenzielle Gleichsetzung mit Vergewaltigung und Missbrauch in diesem Artikel vollkommen unsachlich. Ebenso die Rückführung entsprechender Verhaltensweisen auf "Pornorap". Dabei handelt es sich bestenfalls um ein Symtom. Und dass Handypornos einfach zu Gebrauchsanweisungen werden, unterstellt Menschen grundsätzlich eine Unmündigkeit, die ich selbst bei Minderjährigen für vollkommen unangebracht halte. Vielleicht hätte bei dem Artikel statt die psychologische Behandlung als Ausweg anzupreisen, mehr auf die Pflicht der/zur Gemeinschaft hingewiesen werden sollen.~~ parco horare numeris ~~

  5. Ist es Ihrer Meinung nach bereits kämpferischer Feminismus, wenn man halbwüchsigen Jungen nicht das Recht zugestehen will, ihre kleinen Schwestern (und zuweilen Brüder) zu vergewaltigen?Der Artikel besagt, dass sexuelle Handlungen unter Geschwistern selten einvernehmlich sei, und ich glaube das. Niemand plädiert hier dafür, dass Viertklässler in Ketten vor Gericht geschleift werden sollten wie seinerzeit in den USA der schweizerisch-amerikanische Junge Raoul Wüthrich, dem vorgeworfen wurde, er habe seine Schwester unsittlich berührt. In Deutschland gilt ein unter vierzehnjähriger Junge als schuldunfähig.Rechtlich ist er also kein Täter bzw. Vergewaltiger. Sachlich schon. Vierzehn Jahre sind eine mehr oder weniger willkürliche Altersgrenze für die Strafmündigkeit, und mir kann niemand weismachen, dass nicht auch ein normal entwickelter Zehnjähriger den Unterschied zwischen Recht und Unrecht kennt.Es mag sein, dass ihm nicht bewusst ist, was er seiner Schwester mit den sexuellen Missbrauch antut - in diesem Falle ist es erst Recht höchte Zeit, ihn ins Bild zu setzen. Sonst wird womöglich ein richtiger ausgewachsener Vergewaltiger aus ihm.Wer den Kampf gegen sexuelle Gewalt schon für kämpferischen Feminismus hält, muss sich fragen lassen, ob er es mit der Rücksicht auf die sexuelle Selbstbestimmung vielleicht selbst nicht so genau nimmt...

    Antwort auf "Na hallo!"
  6. Man sollte sich von dieser knalligen Überschrift, die sich offenbar ins falsche Hamburger Verlagshaus verirrt hat, nicht darüber hinwegtäuschen lassen, daß die empirische Grundlage für die hier ausgebreiteten Schreckensszenarien denkbar dürftig ist. Es gilt als unbestritten, daß der sexuelle Mißbrauch innerhalb der Familie erheblich häufiger ist als durch Fremde. Darüber hinaus geraten wir hier aber allzu schnell ins berüchtigte Dickicht der Dunkelziffer, mit der viel beschworen und rechtfertigt und wenig begründet wird. Warum wird der juristisch als sexueller Kindesmißbrauch zu wertende Geschwisterinzest unter diesen Voraussetzungen immerhin als Hauptform des familiären Mißbrauchs anhand von nebulösen "Schätzungen" Finkelhors diagnostiziert, wenn diese Schätzungen empirisch quantitativ belegt sein sollen?Über dieses merkwürdige Begründungskonstrukt hinaus findet nur die Dissertation von Frau Klees Erwähnung, in der die allenfalls marginale Zahl von 25 Mißbrauchsfällen, begangen von 13 Tätern in einer nicht unbeträchtlichen Altersspanne, dokumentiert wird. Man ahnt es schon und die Autorin schreibt auch explizit: "In Deutschland gibt es weder quantitative noch qualitative Untersuchungen zum Phänomen des Geschwisterinzests."Das hält die Autorin aber nicht davon ab, zu konstatieren, in Deutschland wisse "man wenig über die Fakten". Man sollte hierbei nicht übersehen, daß die Fakten hier keine Fakten sind, sondern Vermutungen, und eine dünne Grundlage, um daraus Hauptformen von Mißbrauch ableiten zu wollen. Darüber hinaus bleibt's denn auch vage, die üblichen Stereotypen vom frauenverachtenden Gangster-Rapper und von zu frühem Pornokonsum müssen herhalten und unter "mehr Aufklärung" versteht man wohl auch wieder die heute sehr beliebte Polarisation der Sexualität in pornographische Überzeichnung und Inkriminierung.Es ist ein herausragendes Kennzeichen einer repressiven Sexualmoral, wenn die gutgemeinte Moralisierung mehr auf die heimlich erregte Entrüstung abzuzielen scheint als auf die Vermittlung wirklich relevanter neuer Fakten.

    • zetti
    • 01. August 2008 9:18 Uhr

    Daß es inzestiösen Sex gibt ist ja wohl nichts neues und dürfte vermutlich eher der Regelfall als die Ausnahme sein, jenachdem wie eng die Grenzen für "Sex" gesetzt wird. Triebkraft dürfte hier immer die Neugier auf den eigenen Körper und dem abweichenden  von Bruder/Schwester sein. Wenn die Eltern frühzeitig diese Neugier stillen, sich Zeit nehmen und "Aufklären"  wird es vermutlich zu keinen/weniger Missbrauchshandlungen kommen. Nur was ist die Realität? Die Kinder werden in eine total sexistische Welt hineingeboren, umgeben von werbetechnischen Geschichtchen, die alle erklären wie toll Sex ist und gutes Aussehen reicht zur Lösung aller Probleme. Diese Scheinwelt prasselt tagtäglich auf Menschen ein, die selbst als Erwachsene Probleme haben hier Grenzen zu ziehen. Und diese Menschen (Eltern) sollen den Kindern Respekt vor Ihrer eigen und der Sexualität Ihres Gegenübers (Bruder/Schwester/Freund/Freundin/Gatte) vermitteln?  Die von Ihren eigenen Eltern alleingelassen wurden mit dem erwachsen werden und der unverkrampften Neugier auf alles Neue und dem Erwachen von Trieben in der Pupertät? Die keine Antworten haben, weil Ihre Fragen auch nie beantwortet wurden?Natürlich werden pornografische Filme als Gebrauchsanweisung und Anleitung wahrgenommen wenn es der einzige Weg ist, etwas über die Beziehung Mann/Frau und Sex im Allgemeinen zu erfahren. Ich kann mich noch an meinen ersten Porno erinnern, war damals ca. 14 Jahre alt, weitgehen aufgeklärt und abgesehen von früheren Doktorspielen total unerfahren. Natürlich waren für mich die "technischen Daten" wichtig: Wie ist die männliche Konkurenz gebaut, wie funktioniert das ganze, wie verhält sich er, wie Sie? Was kommt an? Wie muß ich mich verhalten, damit meine Freundin beim 1.Mal mit mir zufrieden ist und der Meinung ist, daß ich bereits unerhöhrt erfahren bin auf diesem Gebiet?Wen ich keine Elternteile habe, die mir Antworten geben suche ich Sie halt dort wo es mir möglich ist. Bei Bruder/Schwester ist es am einfachsten.Um dies zu verhindern, braucht es eben eine gute Erziehung (für die es leider keinen Lehrgang gibt) und ein Umfeld (Hort,Kindergarten,Schule) die sich dieses Themas als das annimmt, was es für die Kinder ist: das wichtigste und spannenste Thema in ihrer Entwicklung zum Erwachsenen. Zetti

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Missbrauch | Geschwister | Nordrhein-Westfalen | Sachsen
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