Awe Kooda Bilaxpak Kuuxshish, besser bekannt als Barack Obama, hat nach wie vor Probleme bei der Aussprache seines neuen Namens. Wenn er Wahlkampf bei den Indianern macht, nennt er sich selbst deswegen lieber "Barack Black Eagle", nach dem Nachnamen seines Adoptivvaters aus dem Stamm der Crow in Montana. Gleichwohl verspricht er dann stets, seinem neuen Namen, der übersetzt "Einer, der allen Menschen im Land hilft" bedeutet, alle Ehre zu machen.

Barack Obama ist der einzige Präsidentschaftskandidat, der je offiziell von einem Indianerstamm adoptiert wurde. Diverse andere Würdenträger und Politiker, unter anderem Montanas Senator Jon Tester und Gouverneur Brian Schweitzer, gehören allerdings auch zur "Crow Nation". Benachbarte Stämme wähnen politische Motive: "Wir nehmen unsere Tradition sehr viel ernster. Die Crow adoptieren Leute in Null komma Nichts", kritisiert Clara Caufield von den "Nördlichen Cheyenne" in Montana.

Zwischen ein und vier Prozent aller Amerikaner sind Indianer - je nachdem, wie eng Stammeszugehörigkeit definiert wird. Etwa 90 Prozent von ihnen wählen traditionell die Demokraten. Sofern sie überhaupt zur Wahl gehen, denn Indianer gelten als die am schlechtesten repräsentierte Minderheit in den USA. Nur etwa 20 Prozent füllen alle vier Jahre einen Stimmzettel aus. Viele wissen gar nicht, wo und wie man sich für die Wahlen registrieren lassen kann.

Jahrzehntelange Isolation auf einsam gelegenen Reservaten hat bei Indianern nicht unbedingt das Vertrauen gestärkt, dass ihre Stimme einen Unterschied machen könnte. Und Kandidaten hatten bisher wenig Grund, sich um diese vergessene Wählergruppe zu bemühen. Das hat sich dieses Jahr schlagartig geändert: Sowohl Hillary Clinton als auch Barack Obama sprachen während des langen Vorwahlkampfes verstärkt Indianer an - die Aussicht auf eine Gesundheitsreform oder einen Minderheiten-Vertreter im höchsten Amt machte beide bei diesen außergewöhnlich populär.

Doch auch John McCain gilt als Freund der Indianer. Schließlich hat sich ein Großteil der 15 in seinem Heimatstaat Arizona lebenden Stämme für ihn ausgesprochen, er fungierte zweimal als wohl gelittener Vorsitzender des Senatsausschusses für indianische Angelegenheiten und macht nicht zuletzt Punkte als Militärheld. "Wie auch immer die Wahl ausgeht, Indianer können eigentlich nur an Einfluss gewinnen", kommentierte J.R. Cook, ein Cherokee und Direktor der Minderheiten-Journalistenorganisation UNITY, beim Jahrestreffen am vergangenen Wochenende.

Da Minderheiten beim erwarteten Kopf-an-Kopf-Rennen im November das Zünglein an der Waage sein könnten, sind diese Wählergruppen plötzlich in aller Munde. Nicht nur Schwarze, Lateinamerikaner und Frauen zeigen sich politisch motiviert wie nie zuvor - auch die Beteiligung der Indianer an den Vorwahlen brach laut Laura Harris, Vorsitzende der indianischen Gruppe innerhalb der Demokratischen Partei in New Mexico, Rekorde. Obamas Kampagne hatte in einigen Reservaten Busse zu den manchmal bis zu 100 Kilometer entfernten Wahlbüros organisiert - eine Taktik, die sich offenbar auszahlte.