Olympische Spiele „Es geht um Sport, nicht um Politik“

Ein Gespräch mit DOSB-Generaldirektor Michael Vesper über freie Meinungsäußerung von Sportlern, über Chinas Zensur und die internen Sprachregelungen des IOC

Michael Vesper: ehemaliger Grünenpolitiker und heutiger Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes

Michael Vesper: ehemaliger Grünenpolitiker und heutiger Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes

Michael Vesper gehört zu den Gründungsmitgliedern der Partei Die Grünen. Von 1995 bis 2005 war er Bauminister und stellvertretender Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Seit 2006 ist der Soziologe Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB). Im Frühjahr sprach er sich trotz der blutigen Ausschreitungen in Tibet gegen einen Boykott der Olympischen Spiele aus. Dafür wurde er von seinen eigenen Parteifreunden scharf kritisiert.

ZEIT ONLINE: Herr Vesper, haben Sie heute schon im Internet gesurft?

Michael Vesper: Noch bin ich in Deutschland. Da greife ich jeden Tag auf das Internet zu.

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ZEIT ONLINE: Es ist ein gutes Gefühl, alle Seiten aufrufen zu können.

Vesper: Richtig. Es gibt aber auch in Deutschland wie in jedem Land der Welt Seiten, die gesperrt sind.

ZEIT ONLINE: In China sind weitaus mehr als bestimmte pornografische oder rechtsradikale Inhalte gesperrt. Was halten Sie von der Zensur?

Vesper: Gleich nachdem sie bekannt wurde, habe ich gesagt, dass ich es für ein Eigentor halten würde, wenn die chinesischen Organisatoren den Zugang zur Deutschen Welle oder Amnesty International schließen würden. Ich begrüße, dass da Bewegung reingekommen ist und viele dieser Seiten zugänglich sind.

ZEIT ONLINE: Einige tibetische Seiten sind und werden wahrscheinlich weiterhin gesperrt sein.

Vesper: Bedauerlich. In der chinesischen Logik verstößt es gegen Gesetze, mit dem Slogan „Free Tibet“ dessen Unabhängigkeit zu fordern. Diese Forderung erhebt übrigens der Dalai Lama nicht. Die chinesische Führung täte gut daran, das Internet weiter zu öffnen und auch Meinungen zuzulassen, die sie ablehnt.

ZEIT ONLINE: Fanden Sie es gut, dass die olympische Fackel durch das Land der Tibeter getragen wurde?

Vesper: Ich fand die ganze Inszenierung nicht gut. Die Fackel ist im Zuge dieses Laufes von einem Symbol für die gute olympische Idee zu einem staatlichen Hoheitszeichen der Volksrepublik China geworden. Daraus wird das IOC Konsequenzen ziehen.

ZEIT ONLINE: Was für Konsequenzen?

Vesper: Eine Konsequenz könnte sein, dass der Fackellauf auf die Ursprungsidee zurückgeführt wird, nämlich die Fackel von Olympia zum jeweiligen Austragungsort zu leiten. Ich gehe davon aus, dass die Fackel in Zukunft nicht mehr durch die ganze Welt getragen wird.

Leser-Kommentare
    • yato
    • 03.08.2008 um 13:06 Uhr

    Olympia und das IOC benötigen eine Reform. Es genügt nicht dem Geld
    alles unterzuordnen und ansonsten den Kopf in den Sand zu stecken, wie
    es das heutige IOC in geradezu krimineller Weise macht. Für viele Sportfunktionäre und IOC Mitglieder geht es nicht um Olympia und was Olympia für die Welt bedeutet, und die griechische Herkunft von Olympia einfordert, sondern um ein Produkt, das zur puren Profitmaximierung ausgeschlachtet werden kann. Für das heutige Kommunikationszeitalter ist die
    chinesische Farce dieser Olympischen Spiele ein ähnliches Fiasko wie
    Berlin 1936. Damals wurden die Spiele für ein Jahrzehnt ausgesetzt und
    dies wäre heute ebenfalls angebracht.

    Wenn Olympia sich einer Diktatur unterwirft, dann ist Olympia am
    ENDE. Diktatur und Spiel sind Gegensätze, da die Seele jeden Spiels die
    Freiheit ist.
    Wenn die internationale Presse sich der chinesischen Zensur
    unterwirft, dann hat die freie Presse vor den Augen der Welt ihr
    Gesicht verloren.
    Es sieht momentan genau danach aus: Nicht Olympia verändert China,
    sondern China führt die Medien, das "Auge der Welt" am Nasenring vor.
    Eine ungeheuere Schande für die freie Berichterstattung, wenn sich die
    Medien diese Diktatur gefallen lassen.
    Die freie Presse der Welt müsste jetzt gemeinsam China ein Ultimatum
    stellen: Entweder keine Zensur und freies Web (zumindest für die Presse
    selbst) oder kollektive Abreise.
    Wenn China nicht bereit ist durch diese Spiele einen Schritt nach
    vorne zu gehen, dann sollte sich die westliche Welt außerdem fragen, ob
    es denn OK ist, wenn jedes 2. Elektrogerät hier bei uns aus China
    stammt. Wer sich von Diktatoren abhängig macht, untergräbt seine eigene
    Freiheit! Dies wird zur Zeit sehr deutlich sichtbar!
    DAS OLYMPISCHE FEUER GEHÖRT NICHT IN DIE HAND VON DIKTATOREN!

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    Jedoch schon jetzt stammt jedes zweite Elektrogerät aus China und vor Olympia war China auch schon eine Diktatur. Mit dem Kauf Made in China ob von deutschen Produzenten oder anderen unterstützt man diese Diktatur. Olympia macht es vielleicht nur deutlich was man alles hier verkauft hat oder noch verkaufen will. Es wird Zeit Indien zu unterstützen und nicht so eine Diktatur wie China.

    Jedoch schon jetzt stammt jedes zweite Elektrogerät aus China und vor Olympia war China auch schon eine Diktatur. Mit dem Kauf Made in China ob von deutschen Produzenten oder anderen unterstützt man diese Diktatur. Olympia macht es vielleicht nur deutlich was man alles hier verkauft hat oder noch verkaufen will. Es wird Zeit Indien zu unterstützen und nicht so eine Diktatur wie China.

  1. Jedoch schon jetzt stammt jedes zweite Elektrogerät aus China und vor Olympia war China auch schon eine Diktatur. Mit dem Kauf Made in China ob von deutschen Produzenten oder anderen unterstützt man diese Diktatur. Olympia macht es vielleicht nur deutlich was man alles hier verkauft hat oder noch verkaufen will. Es wird Zeit Indien zu unterstützen und nicht so eine Diktatur wie China.

  2. Ich finde es vollkomen richtig, lieber eine Demokratie durch Importe zu unterstützen, als eine Diktatur. Ich denke aber auch, dass die VRChina irgendwann implodieren wird, wie die UdSSR. Hoffentlich knallt es nicht zu laut.
     

  3. wenn es "um Sport und nicht um Politik" geht, dann könnte die nächste Olympiade auch in Pjönjang, Karthum oder Rangoon stattfinden. Ganz so einfach ist die Sache nicht. Bleibt zu wünschen, dass Sie hier nicht Ihre persönliche Meinung vertretetn, sondern die Ihres Arbeitgebers.
     
     

  4. Die Sportler dieser Welt können nun zeigen, wessen Spiele hier dauernd von einem Anspruch zum anderen gezerrt werden. Sie werden in einem freidlichen Wettbewerb die Besten finden und anerkennen. Sie werden neue Kontakte über alle möglichen künstlichen  Grenzen finden und neue wertvolle Freundschaften schließen. Der Theaterdonner der Selbstherrlichkeiten wird bald verhallt sein.

  5. ... kann so einfach sein. In Deutschland hängen viele Olympische Sportarten am Tropf das Staates.Wenn es den Politikern wirklich ernst ist mit der Meinungsfreiheit und dem Verrate and Olympia & Demokratie durch das IOC, dann sollte nach Peking sofort gehandelt werden:1.) Der DOSB als einer der reichsten Verbände des IOC muß sich für eine Erneuerung einsetzen2.) Thomas Bach, einer der bis vor kurzem noch die Spiele als offen verkauft hat, muß aus allen seinen Ämtern entfernt werden. Mit seinem Verhalten hat er die Olypische Idee beschädigt und dem Ansehen Deutschlands geschadet.3.) Die Vergabe der Winnterspiele an Rußland muß nochmals überprüft werden, insbesondere vor dem Hintergrund der freien Pressearbeit. Hier müssen offenen, freie Regeln festgelegt werden als Konsequenzen aus dem China-Desaster. Der DOSB kann sich - mit enem neuen Vertreter - dafür einsetzen.Wenn man die Olympische Idee vor den Tod retten will, muß man nach Peking handeln. Das korrupte IOC ist zur Selbstreinigung unfähig - die Anstöße müssen von außen kommen.'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)

  6. Olympia ist längst gestorben. Die Spiele sind Geld, Geld, Geld, Geld, Geld, Geld, Geld, Geld, Geld, Geld GeldAlles andere ist eine etwas nostalgische Lüge.

  7. Meine Zensoren hier (in China) schicken unliebsame Seitenaufrufe seit einigen Tagen nicht mehr ins Nichts, sondern auf eine nette Link- und Suchseite. Dort sind u.a. jede Menge urheberrechtlich bedenkliche chinesische Seiten aufgelistet. Einer solchen "Raubseite" verdanke ich meine musikalische Entdeckung dieses Sommers: Camille Miller und ihre neue CD 'Somewhere Near The Thuth'. Die Chinesen klauen oftmals gute Sachen und man erfährt unkompliziert, was es so alles gibt. Thanks Censorship!

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