Olympia IOC trägt Mitschuld an chinesischer Zensur

China kontrolliert das Internet, auch für ausländische Journalisten und Sportler. Längst hätte das IOC einschreiten müssen, stattdessen nickt es alles ab. Ein Kommentar

Chinas Soldaten bewachen das Olympia-Stadion

Nun ist es offiziell: Chinas Internet wird auch während der Olympischen Spiele zensiert. Die angereisten Sportler, Journalisten und Funktionäre werden nur das lesen dürfen, was Chinas Zensoren ihnen zugestehen. Wer versucht, die Webseite der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, bestimmte ausländische Medien- oder Tibetseiten zu öffnen, bekommt eine Fehlermeldung zu sehen. Dieser Zugang sei „ausreichend“, erklärte ein Sprecher.

Pekings Vorgehen ist nicht nur ein Bruch des Versprechens, dass Journalisten und Teilnehmer der Spiele „freien Zugang“ zu Informationen und zum Internet haben würden. Peking stößt auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die Weltgemeinschaft vor den Kopf. Ursprünglich hatte die Hoffnung bestanden, dass während der Spiele in ganz China oder zumindest in Peking das Internet geöffnet werde. Nun erlauben die Organisationen nicht einmal im Pressezentrum und an den Sportstätten den freien Informationsfluss.

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Wirklich überraschend ist das nicht. Pekings Führer haben in den vergangenen Monaten klargemacht, dass sich durch Olympia nichts an ihrem starren System ändern wird. Die Unterdrückung nahm sogar zu: Bürgerrechtler, Anwälte und Aktivisten wurden verhaftet oder zwangsweise in andere Provinzen verfrachtet. In Tibet ließ Peking die Unruhen mit Militärgewalt niederschlagen und erklärte dann – um keine Zeugen zu haben – das Hochland zum Sperrgebiet für Journalisten.

Das IOC hätte schon lange einschreiten müssen, um diesen Kontroll- und Überwachungswahn zu stoppen. IOC-Präsident Jacques Rogge und seine Funktionäre hätten deutlich machen müssen, dass die Ausrichtung des weltgrößten Sportereignisses zu Werten wie Freiheit und Gerechtigkeit verpflichtet.

Stattdessen wählte das IOC den bequemen Weg der „stillen Diplomatie“ und nickte alles ab. Auch bei der Zensur des Internets knickte es ein. Seit Moskau 1980 hat die Welt keine so unfreien Spiele erlebt wie nun in Peking. Die Schuld daran trägt auch das IOC.

 
Leser-Kommentare
  1. Die Internet-Zensur ist kein einzelnes Phänomen nur in China, sie ist auch in Deutschland gängig: Die schädlichen Inhalte wie Nazis, Konderporno usw. werden kontroliert und ausgefiltet. Wenn man nicht politisch in diesem Zusammenhang motiviert ist, braucht die Zensur nicht zu fürchten. Eines ist klar, man muss mit chinesischer Musik tanzen, wenn man in China ist.

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    und wer sich für überhaupt nichts interessiert, dem sind dann auch die Stasi-Spitzel auf der Straße und in den Kneipen egal.Wer für sich die Wahrheit reklamiert, behält eben die Deutungshoheit.Zynisch - aber wahr.'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)

    • Anonym
    • 01.08.2008 um 8:18 Uhr

    daß die VR China, eine Diktatur der KP Chinas, auf dem Wege in eine kapitalistische Demokratur ist. Die Zügel der Macht werden von denen, die sie ausüben, nicht aus den Händen gegeben.debrasseur

    und wer sich für überhaupt nichts interessiert, dem sind dann auch die Stasi-Spitzel auf der Straße und in den Kneipen egal.Wer für sich die Wahrheit reklamiert, behält eben die Deutungshoheit.Zynisch - aber wahr.'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)

    • Anonym
    • 01.08.2008 um 8:18 Uhr

    daß die VR China, eine Diktatur der KP Chinas, auf dem Wege in eine kapitalistische Demokratur ist. Die Zügel der Macht werden von denen, die sie ausüben, nicht aus den Händen gegeben.debrasseur

  2. Einen Unterschied zwischen einer Kinderpornoseite und der AI-Seite soll es geben, hab ich mal gehört.Davon abgesehen - der Grundgedanke zumindest in der Antike war nebst der verehrung der (jeweiligen) Götter auch immer, dass sich die griechen dort friedlich treffen - es wurden dafür sogar kriege ausgesetzt und sich aufs Blut hassende Parteien haben den Zuschauern und den Spielern der jeweils anderen Seite einen sicheren Durchgang durchs eigene Gebiet gewährt.Diese Spiele sollen der Freiheit und Verbrüderung dienen und dazu gehört auch die anerkennung des rechts auf Informationen und Meinungsäußerung der Menschen, speziell hier der Sportler und Zuschauer.Ich persönlich schaue keine Olympischen Spiele, die unter solchen Bedingungen stattfinden - es ist einfach kein Olympia mehr, mag es noch so oft draufstehen, mag es noch so oft erzählt werden - Olympia ist auch ein Geist, eine Verpflichtung, die aus einem gewöhnlichen sportlichen Großereignis etwas mehr machen, etwas, dass den Unterschied zu eben hin zu Olympischen Spielen ausmacht.Da dies nicht gewollt, nicht gegeben ist, so mag es stattfinden, aber es findet nicht für mich statt und ich werde meinen Alltrag machen, wie ich ihn immer mache und es einfach ausblenden. Es wird sein, als wenn es nicht existiere.

  3. "Peking stößt auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die Weltgemeinschaft vor den Kopf." Und dafür war es höchste Zeit, denn scheinbar hat ja die Fackelfarce noch nicht genügend Augen geöffnet. Zu glauben, man könnte das "bisschen" Menschenrechtsverachtung unter den Teppich olympiascher Heiterkeit kehren (oder mit bunten Sponsorenbannern irgendwo aus dem Stadion halten), ist halt verkehrt gedacht. Ehrlich wäre es gewesen, die Spiele gar nicht erst nach China zu geben. 

  4. nachvollziehen kann, frage ich mich auch, wozu um Gottes Willen braucht man Zugang zu AI-Website, um über die Spiele berichten zu können?

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    die Spiele sind ein kulturelles Ereignis - gibt ja auch ein kulturelles Beiprogramm.Und da Tibet bekanntlich ja auch zu China gehört, sollte man ja auch darüber berichten.Und da Folter, Stasi-Methoden, Zensur und Unterdrückung der Religionsfreiheit zur chinesichen Folklore gehört, brauch man auch die internationalen Tibet-Seiten und die Seiten von AI.Soweit verstanden?'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)

    die Spiele sind ein kulturelles Ereignis - gibt ja auch ein kulturelles Beiprogramm.Und da Tibet bekanntlich ja auch zu China gehört, sollte man ja auch darüber berichten.Und da Folter, Stasi-Methoden, Zensur und Unterdrückung der Religionsfreiheit zur chinesichen Folklore gehört, brauch man auch die internationalen Tibet-Seiten und die Seiten von AI.Soweit verstanden?'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)

    • Zack34
    • 31.07.2008 um 10:03 Uhr

    Zuerst mal ein paar Fakten:in allen Beiträgen zur chinesischen Internet-Zensur im int. Pressezentrum, die ich bisher gesehen oder gehört habe, beschwerten sich die (Sport-?) Journallisten z.Bsp. darüber, dass Seiten von Amnesty Int. usw. nicht zu erreichen sind, da offenbar auf der Filterliste der dortigen Server. Dies wurde von Reaktionen begleitet wie etwa "so kann man nicht arbeiten" (sic!)..Daher bewußt zugespitzt:Wozu braucht ein Sportreporteur / Berichterstatter von den Olympischen Spielen (übliche Themen bisher: z.Bsp. Olympia-Dorf, Spielstätte und sportl. Wettbewerb in Athletik, Segeln, Basketball, ...) unbedingt die Informationen ausgerechnet von der AI-Homepage für seine Berichterstattung ?Oder ist (diese) Olympia keine Sportsache mehr?  8).Mir drängt sich der Eindruck auf, dass hier einiges gezielt aufgebauscht wird, denn:- wir sind im Sommerloch, - "gegen eine Diktatur" egal auf welcher Grundlage und mit was für einem gediegenen   (Halb-)Wissen zu sein ist inzw. fast schon "cool", siehe die ganzen Tibet-Fahnen,- natürlich sind wir "alle für Menschenrechte" usw.."Zynisch"?  Find´ich auch.Zack34.ps. Auch ich finde es nicht gut, was die Chinesen diesbezüglich machen, aber dass mir nun die AI-Webseite bzgl. Olympia unter "ohne kann man nicht arbeiten" verkauft wird, empfinde ich als Zumutung.

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      oder Jammern auf hohem Niveau?Tauschen Sie sich doch mal mit den Insassen diverser Arbeitslager in China aus.'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)

      oder Jammern auf hohem Niveau?Tauschen Sie sich doch mal mit den Insassen diverser Arbeitslager in China aus.'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)

    • TyRell
    • 31.07.2008 um 10:25 Uhr

    Abseits der politischen Debatte: Es gibt eine relativ einfache Möglichkeit, diese Zensur zu umgehen. Sie wurde sogar in der Anfangsphase zur Umgehung des chinesischen "Golden Shields" entwickelt, bis sie zum generellen Anonymen surfen von der Mehrheit genutzt wurde. Die Funktionsweise ist das gängige Prinzip der anonymen Proxy-Server. Vorab würde ich auch allen Reportern raten, sich bei dem CCC zu melden. Die werden mit Sicherheit sehr gern behilflich sein, um die chinesische Mauer technisch zu überwinden.Tor DownloadInstallation & AnleitungMich interessiert eigentlich überhaupt nicht, was in den Stadien vor sich geht, sondern vielmehr, was jenseits der Stadien so passiert. Das sind wahrscheinlich die eigentlichen Bilder, die die Welt von der Berichterstattung aus China erwartet.

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    Sogar keine Berechtigung auf Client, oder nicht?

    Sogar keine Berechtigung auf Client, oder nicht?

  5. In China darf man über alles reden, aber bloß nicht über Politik. Die Politik ist ein Tabu nicht nur für Chinesen, auch für Auländer.

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    • Isaidy
    • 31.07.2008 um 11:02 Uhr

    aber Politik beinhaltet in China nun einmal die gesamten Olympischen Spiele, die die Regierung zu ihrer persönlichen Parteiversammlung erklärt hat. Wenn kritischer Jounalismus bezüglich des Ablaufs und der Athlethen nicht mehr möglich ist, bzw. "harmonisiert" (sprich: zensiert) wird, was nützen uns dann die Aussagen, die wir zu den Wettkämpfen bekommen? Feststeht, das China seit nunmehr 7 Jahren hart an der Komplettorganisation dieses Spektakels arbeitet, um alles - wirklich ALLES - bis ins Detail chinagetreu auszurichten. Dopingvorfälle, für die Wettkämpfe missbrauchte Athleten, die unter unvorstellbaren Bedingungen gedrillt wurden, um ihrem Vaterland Ehre zu bringen - kein Thema, Sportlernamen, von denen man noch nie gehört hat und wahrscheinlich danach auch nie wieder hören wird, werden verheizt, weil sie einzig dem Ziel dienen, den goldenen Drachen medienwirksam aufzupuschen und Gold heimzubringen. Wen interessiert ein derartig stilisierter "Wettkampf", wer kann sich wirklich noch Glauben machen, hier fände eine überwiegend faire, weltvereinende, sportliche Veranstaltung statt? Ich halte es wie einer meiner Vorkommentatoren, für mich finden diese Spiele nicht statt. Sie werden in einer Art und Weise für eine Selbstdarstellung missbraucht und "harmonisiert", die diametral zu allem steht, worfür diese Kämpfe ursprünglich standen.

    Das ist doch gar nicht das Problem!Auch daß in China gefoltert, bespitzelt, unterdrückt und zensiert wird, streitet doch niemand ab.Die Nachricht erhält ihren Wert doch nicht durch die Tatsache, daß China sich wie ein Polizeistaat verhält - das ist keine Neuigkeit.Der Nachrichtenwert ist darin begründet, daß das IOC sich gründlich blamiert hat, seine Machtlosigkeit eingestehen muß und nun wie ein Haufen Dilletanten aussieht.Zur Erinnerung: IOC-Vize Bach behauptete noch vor kurzem in einem ZEIT-Interview: 'Dies sind keine chinesischen Spiele'.Diese Aussage hat sich nun sehr schnell als Lüge entlarvt. Und Bach ist seither auch nicht mehr aufgetaucht!'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)

    • Isaidy
    • 31.07.2008 um 11:02 Uhr

    aber Politik beinhaltet in China nun einmal die gesamten Olympischen Spiele, die die Regierung zu ihrer persönlichen Parteiversammlung erklärt hat. Wenn kritischer Jounalismus bezüglich des Ablaufs und der Athlethen nicht mehr möglich ist, bzw. "harmonisiert" (sprich: zensiert) wird, was nützen uns dann die Aussagen, die wir zu den Wettkämpfen bekommen? Feststeht, das China seit nunmehr 7 Jahren hart an der Komplettorganisation dieses Spektakels arbeitet, um alles - wirklich ALLES - bis ins Detail chinagetreu auszurichten. Dopingvorfälle, für die Wettkämpfe missbrauchte Athleten, die unter unvorstellbaren Bedingungen gedrillt wurden, um ihrem Vaterland Ehre zu bringen - kein Thema, Sportlernamen, von denen man noch nie gehört hat und wahrscheinlich danach auch nie wieder hören wird, werden verheizt, weil sie einzig dem Ziel dienen, den goldenen Drachen medienwirksam aufzupuschen und Gold heimzubringen. Wen interessiert ein derartig stilisierter "Wettkampf", wer kann sich wirklich noch Glauben machen, hier fände eine überwiegend faire, weltvereinende, sportliche Veranstaltung statt? Ich halte es wie einer meiner Vorkommentatoren, für mich finden diese Spiele nicht statt. Sie werden in einer Art und Weise für eine Selbstdarstellung missbraucht und "harmonisiert", die diametral zu allem steht, worfür diese Kämpfe ursprünglich standen.

    Das ist doch gar nicht das Problem!Auch daß in China gefoltert, bespitzelt, unterdrückt und zensiert wird, streitet doch niemand ab.Die Nachricht erhält ihren Wert doch nicht durch die Tatsache, daß China sich wie ein Polizeistaat verhält - das ist keine Neuigkeit.Der Nachrichtenwert ist darin begründet, daß das IOC sich gründlich blamiert hat, seine Machtlosigkeit eingestehen muß und nun wie ein Haufen Dilletanten aussieht.Zur Erinnerung: IOC-Vize Bach behauptete noch vor kurzem in einem ZEIT-Interview: 'Dies sind keine chinesischen Spiele'.Diese Aussage hat sich nun sehr schnell als Lüge entlarvt. Und Bach ist seither auch nicht mehr aufgetaucht!'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)

  6. Sogar keine Berechtigung auf Client, oder nicht?

    Antwort auf "Tor und CCC"
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    • TyRell
    • 31.07.2008 um 10:51 Uhr

    Das wäre doch irgendwie super sinnlos oder? Dann könnte jeder einen Log aus den besuchten Seiten erstellen. Es ist vielmehr ein dezentrales Netzwerk, in dem jeder Client ein Proxy und jeder Proxy ein Client ist. Unter den Verteiler-Setup kann man das einstellen. Tor funktioniert ohnehin sehr simpel und einfach mit dem FireFox (wer heute noch mit dem IE surft, hat etwas falsch gemacht in seinem Leben). Einfach den Installationsanleitungen folgen und es funktioniert wie von selbst. Falls es welche gibt, die FoxyProxy als Addon im FF installiert haben, bitte unbedingt vorher deinstallieren!

    • TyRell
    • 31.07.2008 um 10:51 Uhr

    Das wäre doch irgendwie super sinnlos oder? Dann könnte jeder einen Log aus den besuchten Seiten erstellen. Es ist vielmehr ein dezentrales Netzwerk, in dem jeder Client ein Proxy und jeder Proxy ein Client ist. Unter den Verteiler-Setup kann man das einstellen. Tor funktioniert ohnehin sehr simpel und einfach mit dem FireFox (wer heute noch mit dem IE surft, hat etwas falsch gemacht in seinem Leben). Einfach den Installationsanleitungen folgen und es funktioniert wie von selbst. Falls es welche gibt, die FoxyProxy als Addon im FF installiert haben, bitte unbedingt vorher deinstallieren!

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