Olympische Spiele Peking-Korrespondent ausgewechselt

Der Journalist Dieter Hennig wird nicht mehr für den Sport-Informationsdienst berichten. Seine Meldungen waren zuletzt auffällig chinafreundlich

Der Sendeturm in Peking. Der Sport-Informationsdienst wechselt jetzt seinen Korrespondenten in der Stadt wegen dessen umstrittenen Berichten aus.

Der Sendeturm in Peking. Der Sport-Informationsdienst wechselt jetzt seinen Korrespondenten in der Stadt wegen dessen umstrittenen Berichten aus.

"Mit jedem Schritt, den sich das Feuer dem Schauplatz der Spiele nähert, wird es das Tibet-Problem weiter ins Bewusstsein rücken." Das schrieb Dieter Hennig, einer von drei Redaktionsleitern des Sport-Informationsdienstes (sid), im März dieses Jahres. Er warnte davor, den Fackellauf zu stören: Die Tibet-Aktivisten schadeten damit nur ihrem Anliegen. Fünf Monate später meldet das Magazin Sportjournalist, dass Hennig als einer von fünf Journalisten eingeladen sei, die Fackel selbst ein Stückchen zu tragen.

Das steht seit dem vergangenen Freitag auf dem Weblog des Medienjournalisten Stefan Niggemeier. Der Blogger wunderte sich außerdem über die aktuellen Berichte Hennigs für die Sportnachrichten-Agentur. "Olympia-Gastgeber China hebt Internet-Zensur auf", schrieb sid aus Peking, obwohl die Einschränkungen für Journalisten nur gelockert worden waren. Erst später folgte die Korrektur: "Wir haben uns irrtümlich am privilegierten Internetzugang unserer Agentur und nicht an dem für akkreditierte Journalisten im zentralen Arbeitsraum vorhandenen Netzwerk orientiert und deshalb fälschlich einige Internetseiten als verfügbar gemeldet, deren Besuch tatsächlich weiter unterbunden wird."

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Die Agentur schickte neue Texte – die Niggemeier in einem zweiten Eintrag prompt "die Peking-Enten des sid" nannte. Nach einer Pressekonferenz meldeten andere Nachrichtenagenturen, das IOC sei im Umgang mit China naiv gewesen. Statt eines unzensierten gebe es nur "größtmöglichen" Zugang für die Journalisten. Sid fand nach der Konferenz dagegen am wichtigsten, dass IOC-Präsident Jacques Rogge Chinas Zugeständnisse beim Internet-Zugang als "beispiellos für dieses Land" gewürdigt habe.

Allzu chinafreundliche Texte, dann die Falschmeldung – jetzt hat die Sportnachrichten-Agentur die Konsequenzen gezogen. "Dieter Hennig wird nicht mehr aus Peking berichten", sagte sid-Geschäftsführer Michael Cremer ZEIT ONLINE. Es sei eine schwere Entscheidung gewesen, da der 64-jährige Hennig nach den Spielen ohnehin in den Ruhestand gehe. "Aber es war ein notwendiger Schritt, um unsere Glaubwürdigkeit zu bewahren", so Cremer.

Dennoch wies der sid-Chef den Eindruck von sich, Hennig dürfe das olympische Feuer "zur Belohnung" tragen. "Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Olympia-Berichterstattung von sid und dem Fackellauf von Dieter Hennig. Er wird, wenn er denn laufen will, die Fackel als Privatmann tragen."

 
Leser-Kommentare
  1. Na, wenn das keine Strafmaßnahme für einen Journalisten ist, der nicht so berichtet, wie man es von ihm erwartet - wo bleibt der Aufschrei in den "freien Medien"?

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    oh ja- das ist eine höchst notwendige 'Strafmaßnahme' für einen die Tatsachen verdrehenden, regimefreundlichen, sogenannten Journalisten...Der geforderte 'Aufschrei' findet sich in sachlicher Form in eben diesem Artikel- wer lesen kann ist klar im Vorteil- und ist an sich auch keinen polemischen Aufschrei wert, da so etwas wie derart offensichtliche Falschmeldungen in der freien westlichen Presse keinen Bestand haben darf!Darüber hinaus ist es zwar das Problem des Privatmannes, wenn er sich als Fackelläufer zur Marionette dieses abscheulichen Regimes machen will; ein schaler Nachgeschmack ob dessen früherer Profession bleibt zwar, ist aber im Grunde eine weitere Beschämung dieses potemkinschenschen Olympia-Theaters.

    • Surya
    • 04.08.2008 um 22:50 Uhr

    Wer als journalist Falschmeldungen verbreitet, hat seinen Job nicht richtig gemacht!Da gibt es eine Menge Beispiele von 'Entenverbreitung', die zu
    Entlassung geführt haben. Eine richtige Entenverbreitung führt nicht zu Entlassung.

    oh ja- das ist eine höchst notwendige 'Strafmaßnahme' für einen die Tatsachen verdrehenden, regimefreundlichen, sogenannten Journalisten...Der geforderte 'Aufschrei' findet sich in sachlicher Form in eben diesem Artikel- wer lesen kann ist klar im Vorteil- und ist an sich auch keinen polemischen Aufschrei wert, da so etwas wie derart offensichtliche Falschmeldungen in der freien westlichen Presse keinen Bestand haben darf!Darüber hinaus ist es zwar das Problem des Privatmannes, wenn er sich als Fackelläufer zur Marionette dieses abscheulichen Regimes machen will; ein schaler Nachgeschmack ob dessen früherer Profession bleibt zwar, ist aber im Grunde eine weitere Beschämung dieses potemkinschenschen Olympia-Theaters.

    • Surya
    • 04.08.2008 um 22:50 Uhr

    Wer als journalist Falschmeldungen verbreitet, hat seinen Job nicht richtig gemacht!Da gibt es eine Menge Beispiele von 'Entenverbreitung', die zu
    Entlassung geführt haben. Eine richtige Entenverbreitung führt nicht zu Entlassung.

  2. "Mit jedem Schritt, den sich das Feuer dem Schauplatz der Spiele nähert, wird es das Tibet-Problem weiter ins Bewusstsein rücken."
    Wieso ist es falsch? Wann war letze Bericht ueber Tibet in ARD und ZDF?Man redet derzeit viel mehr ueber Sportler und Madalien.
    Es gibt Zensur durch Wegstreichen des Wort, jezt kommt der Besser:
    Zensur durch feuern des Journalist.
     
    sieht fern, schreibe

    • Surya
    • 04.08.2008 um 20:42 Uhr

    Zensur!Nur die Propangandisten dürfen berichten.

  3. oh ja- das ist eine höchst notwendige 'Strafmaßnahme' für einen die Tatsachen verdrehenden, regimefreundlichen, sogenannten Journalisten...Der geforderte 'Aufschrei' findet sich in sachlicher Form in eben diesem Artikel- wer lesen kann ist klar im Vorteil- und ist an sich auch keinen polemischen Aufschrei wert, da so etwas wie derart offensichtliche Falschmeldungen in der freien westlichen Presse keinen Bestand haben darf!Darüber hinaus ist es zwar das Problem des Privatmannes, wenn er sich als Fackelläufer zur Marionette dieses abscheulichen Regimes machen will; ein schaler Nachgeschmack ob dessen früherer Profession bleibt zwar, ist aber im Grunde eine weitere Beschämung dieses potemkinschenschen Olympia-Theaters.

    Antwort auf "Na, wenn das keine"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Danke für den Nachhilfeunterricht in Sachen Pressefreiheit!

    steffl22 schrieb: "oh ja- das ist eine höchst notwendige 'Strafmaßnahme' für einen die Tatsachen verdrehenden, regimefreundlichen, sogenannten Journalisten"
    Dieselbe Strafmassnahme verdienen jene sogen. Journalisten, die zur zeit der Tibet-Unruhe die Tatsachen verdrehten und falsche Meldungen im Westen verbreiteten. Sonst ist der Ruf der westlichen Medien einer objektiven Berichterstattung und ihrer Glaubwürdigkeit nicht gerecht.
    Ausserdem interessiert mich sehr, was der Betroffene zu seinem Auswurf äussert.

    Danke für den Nachhilfeunterricht in Sachen Pressefreiheit!

    steffl22 schrieb: "oh ja- das ist eine höchst notwendige 'Strafmaßnahme' für einen die Tatsachen verdrehenden, regimefreundlichen, sogenannten Journalisten"
    Dieselbe Strafmassnahme verdienen jene sogen. Journalisten, die zur zeit der Tibet-Unruhe die Tatsachen verdrehten und falsche Meldungen im Westen verbreiteten. Sonst ist der Ruf der westlichen Medien einer objektiven Berichterstattung und ihrer Glaubwürdigkeit nicht gerecht.
    Ausserdem interessiert mich sehr, was der Betroffene zu seinem Auswurf äussert.

  4. Wer als journalist Falschmeldungen verbreitet, hat seinen Job nicht richtig gemacht!Da gibt es eine Menge Beispiele von 'Entenverbreitung', die zu Entlassung geführt haben, wie z.B. gefakte Promi-Interviews oder Anbiederungen bei gedopten Radprofis.'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)

    • Surya
    • 04.08.2008 um 22:50 Uhr

    Wer als journalist Falschmeldungen verbreitet, hat seinen Job nicht richtig gemacht!Da gibt es eine Menge Beispiele von 'Entenverbreitung', die zu
    Entlassung geführt haben. Eine richtige Entenverbreitung führt nicht zu Entlassung.

    Antwort auf "Na, wenn das keine"
  5. Danke für den Nachhilfeunterricht in Sachen Pressefreiheit!

  6. steffl22 schrieb: "oh ja- das ist eine höchst notwendige 'Strafmaßnahme' für einen die Tatsachen verdrehenden, regimefreundlichen, sogenannten Journalisten"
    Dieselbe Strafmassnahme verdienen jene sogen. Journalisten, die zur zeit der Tibet-Unruhe die Tatsachen verdrehten und falsche Meldungen im Westen verbreiteten. Sonst ist der Ruf der westlichen Medien einer objektiven Berichterstattung und ihrer Glaubwürdigkeit nicht gerecht.
    Ausserdem interessiert mich sehr, was der Betroffene zu seinem Auswurf äussert.

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    Das ist auch meine Meinung. Vielleicht findet der/die direkt angeprochene sich zu einer Antwort bereit.Irgendwo in einem Forum habe ich auch mal gelesen, dass die Pressefreiheit die Freiheit zur Unwahrheit einschließt, weil die Pressefreiheit so ein hohes Gut ist.Das trifft hier wohl nicht mehr zu?

    Das ist auch meine Meinung. Vielleicht findet der/die direkt angeprochene sich zu einer Antwort bereit.Irgendwo in einem Forum habe ich auch mal gelesen, dass die Pressefreiheit die Freiheit zur Unwahrheit einschließt, weil die Pressefreiheit so ein hohes Gut ist.Das trifft hier wohl nicht mehr zu?

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