Psyche „Computersüchtigen Kindern fehlt die feinfühlige Familie“

Nach der Debatte um „Killerspiele“ rücken aktuelle Studien die Sucht von Kindern und Jugendlichen nach Computerspielen ins Blickfeld. Der Hannoveraner Pädagoge Wolfgang Bergmann erklärt, wo sie herkommt. Ein Gespräch

Kinder wachsen heutzutage mit Computerspielen auf. Eigentlich kein Problem, doch das Spielen kann zur Sucht werden.

Kinder wachsen heutzutage mit Computerspielen auf. Eigentlich kein Problem, doch das Spielen kann zur Sucht werden.

ZEIT ONLINE : Herr Bergmann, Sie haben drei Kinder. Durften die eigentlich das Online-Rollenspiel World of Warcraft spielen?

Wolfgang Bergmann : Ja, natürlich. Mein Sohn hat World of Warcraft gespielt, da war er allerdings 16 oder 17.

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ZEIT ONLINE : Das Spiel wird immer wieder als Beispiel genannt, wenn es um Computersucht geht.

Bergmann : World of Warcraft ist in der Tat überaus geschickt darauf angelegt, dass Kinder und Jugendliche da nicht wieder herauskommen. Die Faszination für sie ist, dass es keinen Anfang und kein Ende gibt. Man ist permanent eingeladen, Aufgaben in einer Spielergruppe zu absolvieren, einer sogenannten Gilde. In dieser Gilde gelten die guten alten Normen, bei denen jeder Familienministerin warm ums Herz wird: Verlässlichkeit, Vertrauen, man lässt die anderen nicht im Stich. Die kleinen und größeren Jungen haben eine unglaubliche Sehnsucht danach. Das geht 24 Stunden am Tag. Also langweilt sich so ein Junge im Matheunterricht und gleichzeitig befindet sich seine Gilde online im Kampf. Natürlich wird der unruhig und will immer wieder in das Spiel hinein. Und was ihm am Tag verboten ist, das spielt er dann in der Nacht.

ZEIT ONLINE : Also haben Kritiker Recht, die das Spiel selbst für den Suchtauslöser halten?

Bergmann : Teilweise. Das Spiel verspricht erstens ein unabsehbares Abenteuer und erfüllt damit eine menschliche Sehnsucht. Wir hatten das Abenteuer früher im Wald, die Kinder suchen es heute im Computerspiel. Zweitens hat es mystische Inhalte, nach denen sich Kinder sehnen. Und es bietet drittens die Herausforderung jenseits der Schwerfälligkeit der Realität. Man macht klick, und der Feind verschwindet. Man macht wieder klick, und es entsteht eine wunderbare Landschaft – ich bin ein bisschen wie ein grandioser kleiner Gott! Will Wright, der Entwickler der Sims-Spiele, hat mir mal gesagt: "Die Kinder spielen den Traum der kleinen Götter vor den Monitoren."

Leser-Kommentare
  1. 1. ...

    "Computersüchtigen" Kindern fehlt nach meiner Meinung eher etwas besonderes im Alltag.. Also damit meine ich zum beispiel Plätze wo sie sich treffen können etc.Soweit ich mir denken kann entsteht in der Großstadt etwas mehr Jugendkriminalität als zum Beispiel in einer Stadt mit vielleicht 30.000 Einwohnern... Denn in diesen kleineren Städten entsteht dann "Computersucht"ich wohne in so einer kleinen Stadt und es gibt zwei Spielplätze auf die Jugendliche gar nicht draufkönnen und ansonsten so ziemlich gar nichts !!!Was sollen denn die Jugendlichen machen?In den Wald gehen? In welchen Wald? Der, der 20km weit entfernt ist und gerade mal 2km² groß? In den? Das ist doch kein Wald : -D ich bitte sie...Und ich weiß, dass es eine menge Städte gibt die so sind wie diese... und das macht mich traurig um ehrlich zu sein.Es gibt hier sehr viele Sportclubs ja... typisch.. aber das ist eben nicht das wonach sich die Jugendlichen sehnen..

  2. Ich hätte nach der "Killerspiel"-Debatte schon nicht mehr gehofft das es in nähere zukunft noch mla ein vernünftigen Bericht über Probleme bei Computerspielen gibt und nun das. Erst war ich fast frh endlich mal jemanden reden zu hören der anscheinend Ahnung hat und dann .......... "Du musst was Radikales suchen – das in deinen Computerspielen, das ist alles nur abgemildert."Ok, dann doch die ab 18 Killerspiele wo das Blut und die Gedärme nur so Spritzenoder ist das nicht Radikal genug ? villeicht auch nur ne schlechte Wortwahl was im Reallife also in Echten Leben wäre wohl besser, und ich hoff mal das es auch so gemeint war. Wer ein echtes Mädchen haben möchte solle infach mal echte Mädchen ansprechen. Dann aber die Anzeichen für Spielsucht:Kinder die mit Eltern diskutieren? nun das hab ich zu Hause auch gemacht hab aber inzwischen gelernt das es wohl die ausnahme ist.Keine Markenklamotten mehr? Villeicht hat das kind auch nur begriffen das der Komertz es nicht besser macht und das es nicht immer das Braucht was die Werbung will. Computer auf den Dachboden?Bei der Behandlung ist das kind nach 1 Jahr wieder in der Sucht zurück. die Eltern sollten sich vor allen mehr um das kind kümmern und verstehen das das Kin die Gefühle wie Kameradschaft / Verläslichkeit / gemeinsames Erleben / gemeinsam etwas Schaffen deshaöb im computerspilene sucht da es sie in der Modernen welt oft nicht kriegt.Aber der Rat würde ja Eltern die Schulfd geben und sie mehr Zeit kosten was in der Gesellschaft ja schlecht ist dasie dan keine Kariere machen können. Kinder brauchen Liebe und zuneugung und keine Eltern die abents noch nen bissel Fersehen und denen es meist reche egal ist was das Kind macht. Wo in der modernen Welt gibt es denn noch Pläze wo Eltern mit ihren Kind gemeinsam was schaffen können und was Erleben? der Vergnügungspark sicherlich nicht da hier zwar was erlebt wird aber das Gefühl des Schaffens nicht da ist. Eine Seifenkisten streke wäre da toll aber welche Stadt hat noch eine die man frei nutzen kann? Wo gibt es noch jugenthäuser wo frei Gespielt werden darf und wo auch mal Spiel länger gespielt werden können, also über 1-2 Jahre hinweg so das man im Rollenspiel auch was errsichen kann oder beim Brettspiel sich eigenen Karten zeichnet? Grad in dem Bereich schaffen es Online Rolenspiele den Kinder etwas zu geben was sie allmälich mit Freunden gemeinsam aufbauen können und dann nach 1-2 Jahren mit ihrer Gilde die sie noch mitgegründet haben endlich in eineer Grossen Herausforderung wofür sie villeicht 4-5 Versuche Brauchen un über 1 Monat zeit ein Monster zu besigen was ihnen dann ein T6 Teil gibt und sie so für all die Mühe Belohnt, aber halt nur 1 Teil für 15 Mann, also muss man das jetzt noch öfters machen damit auch die andere alle was kriegen und damit an dann mit der besseren Ausrüstung villeicht später einmal das Nächst bessere Monster angehen kann. Man sollte nicht zu hochnäsigsein und Onlinbekantschaftenüder Reale Freunde stellen da das Mentschen sind mit denen man auch  Jahrehinweg zusammen an einen Projekt gearbeitet hat und nur gemeinsam nach vielen Problemen zum Zieh gekommen ist. Auch haben da sicherlich auch Mentschliche probleme mit reingespielt das man sich an diese Mentschn anpassen must und erst eine Gruppe bilden die auch zusammen funktioniert. solch eine Beziehung dann einfach zu zerreisen als Erwachsene weil man den Computer komplet wegsperrt ist schon etwas überheblich. Eine Zeitschaltuhr reicht ja auch völlig und wenn man mal als Erwachsesner über seine Schatten Springt und ein TReffen der gantzen Gilde im Realen Leben mitorganisiert mit Grillen und Campen im Sommer wird man schnell merken das die kinder sich schnell auch real Anfreunden und die online Beziehung auch zur realen Beziehung werden kann. Man sollte die Technik nicht verteufeln und sie Wegsperren sonder nutzen, auch weil das Kind so eher verstehen lernt das man ihn helfen will und nicht noch lange Seelische Wunden mit sich rumträgt das es 25 gute Frunde verloren hat weil die Eltern den Rechner weggesperrt haben.

  3. Die Kinder in dem Alter gehören an die frische Luft....und nicht in der Welt von World of Warcraft...so bekommen die keine Freundin ab!

  4. war es die Matchbox- oder Carrerarennbahn, mit der wir uns bei (ausschliesslich) schlechtem Wetter die Zeit vertrieben haben.
    Danach gab es noch eine ganze Menge Hobbys und letztlich spielten wir auf Grund des grünen Umlandes (trotz Großstadt) die „aktuellen Indianerserien“ nach.
    Mein Elternhaus (trotzdem beide in verantwortungsvoller Position Vollzeit gearbeitet haben) hat sehr viel Wert auf ein ausgeglichenes Freizeitleben gelegt.
    Einer „Verblödung vor dem PC“  hätten Sie auch heute nicht „tatenlos“ zugesehen.
    Ob man es nun als „die feinfühlige Familie, welche vielen Kindern heute fehlt“  formuliert, oder schlicht auf  grundlegende elterliche Verantwortung reduziert, ist eigentlich egal.
    In Familien, wo sich die Eltern selbst sinnvoll mit Ihrer (Frei-)ZEIT auseinandersetzen (und diese nicht ebenfalls  nur vor dem PC verbringen) habe ich dies bisher auch nicht feststellen können.  
    Es liegt in der elterlichen Verantwortung, zu verhindern, dass Kinder PC-Spiele oder vergleichbare Internetforen als Realitätsersatz ansteuern.

    • xyto
    • 01.08.2008 um 15:34 Uhr

    Ich bin mit Computerspielen aufgewachsen. Es fing an, als ich ungefähr 7 war, mit dem Nintendo Entertainment System, ging weiter mit SNES, auch Gameboy, Sega Gamegear und schließlich der PC.Die "Gipfelerfahrung" dieser Karriere war dann Ultima Online, ein online Rollenspiel ähnlich wie WOW, nur besser (;)) und etwas älter, das ich für ein paar Monate wirklich exzessiv gespielt habe (also an die 10 h und mehr pro Tag, v.a. in den Ferien habe ich praktisch nichts anderes gemacht).Das war vor ungefähr 5 Jahren und seitdem ist so ziemlich Schluss mit PC-Spielen. Der Grund dafür ist zweierlei: Einerseits weil es mich irgendwann genervt hat sehr viel Zeit in etwas zu investieren und einen Charakter aufzubauen, der dann letztlich erst völlig von irgendwelchen fremden Menschen kontrolliert wird (Egal wie stark der Charakter ist, ein Admin oder Gamemaster oder wer auch immer, kann ihn ohne Probleme löschen und selbst wenn das nicht einfach willkürlich möglich ist, ist man doch noch immer von der Spielefirma als solchen abhängig). Freilich gibt es solche Abhängigkeiten auch im "realen Leben", aber nicht so forciert und extrem - zumindest nicht immer.Der zweite Grund ist einer, der im Interview angesprochen wird und der fast noch wichtiger ist - vielleicht das Wesentliche an der Sache überhaupt:Eine Analogie der man manchmal über den Weg läuft, beschreibt das Leben selbst als eine Art Spiel oder auch Theaterstück - und wenn man das so sehen mag und mit Computerspielen vergleicht, so ist es tausendfach besser, und das liegt nicht nur an der Grafik und den Gerüchen. Es liegt daran, dass es auch ernst sein kann, daran, dass man wirklich etwas gewinnen und auch wirklich etwas verlieren kann.Es stimmt schon, ich kann im Computerspiel irgendwelche Welten erforschen, die mir in echt nie zugänglich sein werden, wie beispielsweise das Star-Wars-Universum.Dennoch ist es völlig gleichgültig, weil es nämlich gar nicht darum geht ob ich in einem Raumschiff durch die Galaxien jage oder irgendwelche Trolle abschlachte. Es geht darum, was wir erfahren und was wir dabei empfinden.Das Leben ist deshalb so genial, weil es eben auch ernst ist, weil es auch wirklich schlimm werden kann, weil wir wirklich sterblich sind, weil es ein Ende hat.Computerspiele sind einfach ein Witz, genau so wie Fernsehen - beides konsumiere ich auch noch hie und da, aber es ist Urlaub, Erhohlung, Zerstreuung, nicht von Bedeutung, ohne Kraft, ohne Leidenschaft, ohne echten Sinn und ohne Wert.Es ist immer das Zweite, immer das Abbild und nicht das Urbild, immer das andere und nicht ich, nicht der, der ich hier konkret bin.Das Problem ist, dass die meisten Kinder heutzutage einfach nicht mehr erfahren, was es bedeutet aus eigener Kraft etwas zu schaffen, etwas zu bewirken, etwas zu erreichen. Es geht nicht um das große Auto oder irgendwelche Egospielchen, es geht darum als Mensch seinen Sinn in diesem Leben zu finden und dann alles dafür zu geben.

  5. ...steht sein unvermeidlicher Untergang kurz bevor.

    • eluutz
    • 01.08.2008 um 17:44 Uhr

    ist vor allem das Gemeinsame. Das meinte wohl auch der Autor, wenn er von fehlendem Zusammensein in der Familie spricht. Man stelle sich das so vor, dass man monatelang mit den gleichen Leuten ein gemeinsames Projekt bearbeitet. In vielen Fällen in einer Umgebung, in der jeder - gewisse Zeit vorausgesetzt - erfolgreich sein kann.
    Dazu kommt in vielen Fällen ein nettes Gespräch in der gemeinsamen Konferenzschaltung (Teamspeak, Ventrilo, etc.). Man redet natürlich über das Spiel, aber auch über reale Erfolge und Miserfolge, Wünsche, Befindlichkeiten, ... Das ist eine verbale Art von Facebook/ McSpace/ ..., nur dass man seinen Gegenüber ebenfalls kennenlernt und meint, ihn besser einschätzen zu können (als in den genannten anonymeneren Medien).
    Die Trennung von vernünftigen Spielen, exzessivem Spielen und Sucht ist dabei gar nicht so einfach. Klar investiert man wahnsinnig viel Zeit in ein relativ sinnfreies Hobby. Klar wird dieses Hobby von fast keinem verstanden, der nicht selbst etwas ähnliches macht. Aber das muss - ähnlich wie Briefmarken sammeln - nicht unbedingt schädlich sein.
    Das Thema Sucht wird im Übrigen auch unter Vielspielern häufig diskutiert. Immer wieder tauchen Umfragen zum Spielverhalten auf, besonders auch solche, die eine Sucht suggerieren. Eine Trennungslinie zu ziehen ist dennoch nicht einfach.
    Insofern hat mich in dem Artikel auch der letzte Abschnitt gestört. Da geht es um das Erkennen einer Sucht und der Reaktion darauf. Ich glaube als Laie, insbesondere auch noch als stark persönlich betroffene Person (Eltern), wird es mir sehr schwer fallen, eine Sucht richtig zu erkennen. Natürlich habe ich die Verpflichtung, meinen Kindern alternative Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten, sollte auch die Entwicklung meiner Kinder immer wieder prüfen.
    Insofern muss das Computerspielen - ähnlich wie das Fehrnsehen -  "im Rahmen" bleiben, das Schulergebnis und das sonstige Erleben nicht gefährden. Eine Abwägnung muss bei den Erziehungsberechtigen bleiben (oder beim volljährigen Jugendlichen von diesem selbst gelernt sein). Wenn wirklich der Verdacht einer Sucht besteht, bleibt nur der Weg zum ausgebildeten Experten.

    • Sheak
    • 01.08.2008 um 18:09 Uhr

    Gutes und auch ideologisch-wertefreies Interview.Zum einen ist dieses neue Medium eine moderne Form des kindlichen "früheren" Spiele, wie Räuber-und-Gandarme oder Indianer. Man muss nichtmehr seine eigene Fantasie benutzen, dieses Medium liefert einem das Visuelle sofort. Ob dies nun gut oder schlecht ist soll mal jeder mit sich vereinbaren.In einem Interview mit einem anderen Psychologen zu dem Thema habe ich mal was interessantes zu diesem Thema gelesen:Manchen Menschen, die in der Realität enttäuscht und gefrustet sind, ziehen sich halt in eben solche Onlinerollenspiele (in diesem Artikel World of Warcraft) zurück, bilden dort aber neue Freundschaften und Bekanntschaften, und nutzen diesem, um wieder Fuss in der Realität zu fassen. Das Medium als Regenerationschance wäre mal interessant.Und um abschließend noch auf den Infokasten zurückzukommen: Von der Studie, die das KFN im Auftrag von Dr. Pfeiffer anfertigt, halte ich absolut nix, ganz im Sinne von Churchil, der schon vor mehr als 60 Jahren sagte: "Traue keiner Studie, die du nicht selbst gefälscht hast."In dem Sinne: so Far so Good

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