Britney Spears, Paris Hilton und Barack Obama - Weltstars mit wenig Substanz. Mit solchen Vergleichen attackiert John McCain seit Kurzem seinen demokratischen Gegenkandidaten. "Unglaublich selbstverliebt" sei es doch, springt ihm einer seiner Berater bei, wenn Obama mit den Massenbildern aus Berlin suggeriere, "dass die Welt auf seine Kandidatur gewartet" habe.

Vom jungenhaft-charmanten, medienfreundlichen, grundehrlichen, jovialen Spaßvogel McCain des Präsidentschaftswahlkampfes 2000 ist spätestens seit der Europa-Reise seines Gegners wenig übrig geblieben. Im Kampf gegen den Strahlemann aus Chicago schlägt der Republikaner neue Töne an.

Der neue McCain ist ein sarkastischer, bissiger " grumpy old man ", wie Ronald Reagans ehemaliger Kampagnen-Manager Ed Rollins bemerkt, erinnernd an den Originaltitel der Filmkomödie Ein verrücktes Paar.  Noch scheinen die Wähler McCain das nicht übel zu nehmen. Jüngste Umfragen bestätigen unverändert ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Obama.

Seit Obamas Reise verschärft sich der Ton zunehmend. Nannte McCain seinen Konkurrenten bisher naiv, wenn es um dessen Gesprächsbereitschaft mit Iran oder seine Abzugspläne aus dem Irak ging, so geißelte der Republikaner Obama jetzt als jemanden, der "absolut keine militärische Erfahrung hat". Die Attacken gipfelten in der Anschuldigung, dass "Obama in Kauf nimmt, einen Krieg zu verlieren, um eine Kampagne zu gewinnen".

Doch erst ein irreführender TV-Spot brachte das Fass zum Überlaufen. Darin wird Obama beschuldigt, einen geplanten Besuch bei verletzten amerikanischen Soldaten im Landstuhler Militärkrankenhaus abgesagt zu haben, weil er keine Fotografen mitbringen durfte. Stattdessen habe er sich die Zeit im Fitnesszentrum vertrieben. US-Medien zitierten am Mittwoch das vernichtende Urteil des Faktenabgleichs der renommierten Annenberg-Stiftung: "Kaum der Wahrheit entsprechend".

Trotz dieses Fehltritts greift McCain weiter an. Er scheint sich die Lehre aus Hillary Clintons Niederlage zu Herzen genommen zu haben. Sie attackierte Obama zu wenig und zu spät, sagt Dan Schnur, Direktor des Politikinstituts an der Universität von Südkalifornien. "Obama wirkt am besten, wenn er aus luftiger Höhe spricht", sagt Schnur. "Clinton hat gezeigt, dass ein Opponent ihn auf die Erde zurückbringen muss."

Doch schon so früh so harte Negativwerbung zu treiben, ist eine riskante Strategie. Ganz besonders, wenn sie aus dem Munde des Kandidaten selbst kommt. "Ich habe damit nicht angefangen", beteuert McCain und zeigt mit dem Finger auf Obama. Eine Untersuchung des Wisconsin Advertising Project kommt jedoch zu dem Schluss, dass mehr als 90 Prozent von Obamas TV-Spots positiv sind - und den gegnerischen Senator aus Arizona noch nicht einmal erwähnen.