Persönliche Angriffe, tiefe Schläge und der gegenseitige Vorwurf, dass abermals "the race card", die "Rassenkarte", gespielt wurde: Barack Obama und John McCain suchen die direkte Konfrontation, wenige Wochen bevor sie Ende August bzw. Anfang September offiziell als Präsidentschaftskandidaten ihrer Parteien bestätigt werden.

Angefangen hat alles mit der Anti-Werbe-Kampagne, die John McCain in der vergangenen Woche gegen Barack Obama startete. "Er ist der größte Promi der Welt", sagt eine Sprecherin in einem Werbeclip , "doch ist er bereit zu führen?" Gezeigt werden Bilder von Barack Obamas internationalen Auftritten – und von Britney Spears und Paris Hilton. John McCain, immerhin der Initiator des halbminütigen Spots, taucht nur in den letzten drei Sekunden auf.

Ein Drittel seines Gesamtbudgets für Fernsehanzeigen verwende McCain auf die "Promi"-Anzeige, schreibt Greg Sargent in Talking Points Memo , einem der wichtigsten Demokraten-nahen Blogs. "Dass ein großer Teil seiner Ausgaben an einen Spot geht, der Obama mit Britney Spears und Paris Hilton vergleicht, ist ziemlich überraschend und wirkt verdammt suggestiv", so Sargent. Offenbar glaube das McCain-Team, dass solche Vergleiche funktionieren – oder habe einfach keine besseren Ideen.

Ebenfalls in Talking Points Memo weist Josh Marshall auf eine weitere Suggestion des Clips hin . Dass der schwarze Obama ausgerechnet in die Nähe von weißen, übersexualisierten Blondinen gerückt werde, erscheint ihm auffällig. Barack Obama, der amerikanische Vorzeigevater, eignet sich wenig für das rassistische Klischee unkontrollierter schwarzer Männlichkeit. Doch die Konstellation aus schwarzem Mann und Blondinen ist verdächtig – und spielt mit den niederen Instinkten weißer Wähler.

Die klarsten Worte fand allerdings kein Blogger – sondern ausgerechnet ein Kommentator in der New York Times . Die Anzeige, sei "gestaltet, um die Feindseligkeit, Angst und Missgunst vieler weißer Amerikaner auszubeuten",  schreibt der Kolumnist Bob Herbert. Diese seien immer noch "von der Idee besessen, dass schwarze Männer über ihren gesellschaftlich zugeteilten Ort hinauswachsen und sich mit weißen Frauen sexuell einlassen".

"Können sie nicht mal irgendwas richtig machen?", fragt auch die konservative Bloggerin Michelle Malkin angesichts von McCains Wahlhelfern . Die Tochter phillipinischer Einwanderer ärgerte sich nicht über die rassistischen Untertöne in der "Promi"-Anzeige. Sondern darüber, dass der Werbespot offenbar für Unmut bei Mitgliedern der Hilton-Familie sorgte, die sich in der Vergangenheit als spendable McCain-Unterstützer gezeigt hatten.