Bundesliga Das Ende einer Wechselposse
Endlich ist es heraus: Rafael van der Vaart wechselt nach langem Hin und Her für 13 Millionen Euro zu Real Madrid. Chronologie eines Transfer-Verwirrspiels
Der 4. August wird als Ende der Ära van der Vaart in die Geschichte des Hamburger SV eingehen. Der niederländische Nationalspieler wird bei Real Madrid einen Fünf-Jahres-Vertrag unterschreiben und drei bis vier Millionen Euro pro Jahr verdienen. Für den Sohn einer spanischen Mutter wird ein Traum wahr: „Wie jeder weiß, wollte ich immer nach Spanien. Ich habe ein starkes Band zu diesem Land“, frohlockte er.
Den ersten Akt des Wechselschauspiels führten Verein und Spielmacher bereits im vergangenen Jahr auf. 2007 hatte der Niederländer die Klubführung gegen sich aufgebracht, weil er vehement einen Wechsel zum FC Valencia forderte. Er posierte in einem Valencia-Trikot und drückte sich vor einem Uefa-Cup-Qualifikationsspiel mit der Begründung, er habe sich eine Rückenverletzung zugezogen, als er seinen einjährigen Sohn auf den Arm nahm. Der HSV ließ sich nicht auf den Arm nehmen, lehnte alle Offerten ab und brummte dem Mittelfeldstar für die Fotos ein Bußgeld von 40.000 Euro auf.
Nach dieser Erfahrung hielt sich van der Vaart in diesem Jahr mit Äußerungen zu Wechselabsichten zurück. Für Angebote von renommierten Vereinen war er zwar offen. In Interviews betonte er aber immer brav, dass er sich vorstellen könne, in Hamburg zu bleiben. Das Verhältnis zum Management war ebenfalls repariert. „Im Gegensatz zum Vorjahr gibt es jetzt die Abstimmung, dass wir ihm keine Steine in den Weg legen würden, wenn ein absoluter Top-Klub ein entsprechendes Angebot unterbreiten würde“, sagte HSV-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer.
Am 10. Juli eröffnete die spanische Zeitung Marca den Spekulationsmarathon zum Wechsel des Holländers zu Real Madrid. Es folgten ein schnelles Dementi (11. Juli, dpa) und Treuebekundungen van der Vaarts (20. Juli, Welt am Sonntag). Ein erstes Angebot von Real über sechs Millionen Euro lehnten die Hamburger als „indiskutabel“ ab (24. Juli, dpa). Bild vermutete, dass die „Schmerzgrenze“ des HSV bei 13 Millionen Euro Ablöse liegen dürfte (26. Juli).
Die Spanier sorgten ihrerseits fleißig für Verwirrung. Real-Trainer Bernd Schuster forderte lautstark die Verpflichtung des Niederländers: „Bringt mir van der Vaart“, soll er den Verhandlungsführern aufgetragen haben (27. Juli, dpa). Reals Präsident bügelte die Forderung öffentlich ab: „Entweder es kommt Cristiano Ronaldo, oder es kommt niemand“, sagte Ramon Calderon der Marca (29. Juli).
Anscheinend hatte Bernd Schuster daraufhin etwas nachdrücklicher für eine Verpflichtung van der Vaarts geworben. Jedenfalls erhöhte Real am nächsten Tag das Angebot für van der Vaart auf zehn Millionen Euro. Auch Calderons Äußerungen klangen plötzlich ganz anders: „Wir hoffen auf eine endgültige Einigung mit dem HSV. Dies ist eine Operation, die keine Schwierigkeiten birgt“, sagte er der Sportzeitung As (30. Juli).
In Hamburg reagierten Spieler und Trainer zunehmend genervt auf das Wechseltheater um ihren Kapitän. „Mich erinnert das alles an eine Sitcom aus dem Fernsehen“, sagte Abwehrspieler Vincent Kompany (1. August, dpa). Trainer Martin Jol zog die Konsequenzen und strich van der Vaart für ein Vorbereitungsturnier in London aus dem Kader. „Er ist momentan mental nicht zu hundert Prozent da. Deshalb kann ich ihn nicht gebrauchen“, sagte Jol (2. August, dpa).
Den dritten Akt und damit die Auflösung der Posse bildet die Einigung der Vereine. In einer mitternächtlichen Telefonkonferenz einigten sich die Präsidenten Calderon und Bernd Hoffmann über die Ablösesumme (4. August, dpa). Rafael van der Vaart soll schon am Mittwoch mit Real zu einer Testspielreise nach Kolumbien aufbrechen.
Der HSV wird die 13 Millionen Euro Ablösesumme vermutlich sofort reinvestieren. Ein argentinischer Außenverteidiger ist im Gespräch, Trainer Martin Jol wünscht sich einen zweiten Top-Stürmer. Den Fans des HSV wird alles recht sein, solange es nicht wieder so lange dauert wie im Fall van der Vaart.
- Datum 26.12.2008 - 20:34 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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