Jetzt hat also Wolfgang Clement gesprochen. Spät kam die Wortmeldung, schließlich diskutiert die Sozialdemokratie mittlerweile seit einer Woche über den drohenden Parteiausschluss des ehemaligen Wirtschaftsministers und Parteivizes.

Clement ist sich eigentlich keiner Schuld bewusst. Er will vor einem halben Jahr keinesfalls zur Nicht-Wahl der hessischen Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti aufgerufen haben, wie ihm seine Gegner vorhalten, die deshalb seinen Ausschluss aus der Partei gefordert haben. Er fühlt sich, wie er auf einer Pressekonferenz in Bonn sagte, völlig missverstanden.

Aber immerhin hat er sich bei seinen Genossen vor Ort dafür entschuldigt, dass sich diese durch ihn mitten im hessischen Landtagswahlkampf "im Stich gelassen" gefühlt haben. Und er hat bedauert, dass er "möglicherweise Emotionen verletzt" habe. Das ist ihm, so wie man ihn kennt, sicher nicht leicht gefallen.

Seine Kritik an der Energiepolitik der hessischen SPD hat er indes erneuert. Clement hat ein klein wenig Buße gezeigt, aber gleichzeitig noch einmal kräftig ausgeteilt. Er hat weitere Reformen im Sinne der Agenda 2010 gefordert und vor jedweder Zusammenarbeit mit den Linken gewarnt.

Clement hat sich also entschuldigt und trotzdem nichts zurückgenommen. Mehr Einlenken war von ihm nicht zu erwarten und vielleicht reicht das, um seinen Parteiausschluss vor der Bundesschiedskommission noch abzuwenden. Aber die Krise der SPD wird Clements späte Wortmeldung nicht beenden, im Gegenteil: Ziemlich wenig spricht dafür, dass in der Partei nun wieder Ruhe einkehrt.

Erstens hat dieser Streit die tiefen Gräben wieder aufgerissen, die in der SPD immer noch zwischen Anhängern und Gegnern der Agenda 2010 bestehen. Viele Antragsteller wollten mit dem Ausschlussverfahren nicht einen Verstoß gegen die Parteistatuten sanktionieren, sondern den Agenda-Politiker abstrafen, und Clement als deren wichtigsten Wortführer und Verfechter. Die umstrittene Wortmeldung bot dafür lediglich einen willkommenen Anlass.

Mit seinem sturen und bockigen Verhalten in den letzten Tagen und Wochen hat es Clement seinen Kritikern allerdings leicht gemacht. Er düpierte selbst diejenigen, die ihm politisch nahe stehen, allen voran die stellvertretenden Parteivorsitzenden Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück, die sich für ihn in die Bresche geworfen haben. Selbst das späte Bedauern ändert nichts daran, dass der linke Parteiflügel durch diese Auseinandersetzung weiter gestärkt wurde. Der wird dies zu nutzen wissen.