Eigentlich hat Klaus Ernst es nicht schlecht getroffen. Er ist heute einer der Vize-Vorsitzenden der Linkspartei. In seiner früheren Partei, der SPD, hatte der bayerische Gewerkschaftler es nie so weit nach oben geschafft.

Doch im Streit um den Ausschluss des früheren Bundeswirtschaftsministers Wolfgang Clement reißen nun alte Wunden wieder auf. Schließlich hat auch Ernst ein Parteiausschlussverfahren hinter sich. Allerdings, findet er, ging in seinem Fall alles etwas schneller.

"Hier wird mit zweierlei Maß gemessen", sagte Ernst ZEIT ONLINE. Er habe seinerseits schließlich nicht dazu aufgerufen, eine andere Partei zu wählen, sondern habe lediglich gefordert, die SPD solle zu ihren sozialdemokratischen Wurzeln zurückkehren. "Ohne Murren und Knurren war ich da draußen".

Allerdings gehörte Ernst im März 2004 zu den Gründungsmitgliedern der Initiative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit, aus der später die WASG hervorging, die sich schließlich mit der PDS zur Linkspartei vereinigte. Sein Ausschluss sei allerdings vor der Gründung einer eigenen Partei erfolgt, sagt Ernst. Die Initiative habe damals zunächst Druck auf die SPD ausüben wollen, ihren inhaltlichen Kurs zu verändern. Die Gründung einer eigenen Partei sei nur "erwogen worden".

Dass es im Fall Clements tatsächlich zu einem Ausschluss kommen wird, wird immer unwahrscheinlicher. Für heute Mittag kündigte Clement eine Erklärung an. Medienberichten zufolge will er dabei nicht seinen Austritt erklären, sondern auf die Partei zugehen.

Der Parteivize und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sowie der frühere Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hätten ihm geraten, dem drohenden Ausschluss mit einer Kompromissformel zu begegnen, berichtete die Neue Rhein/Neue Ruhr Zeitung . Schily ist Clements Anwalt in dem Parteiverfahren.

Die Einlassungen des als Sturkopf bekannten Clements werden nun mit Spannung erwartet. Denn bislang hatte dieser keine Bereitschaft gezeigt, zurückzurudern. Die Aufforderung der gegen ihn vor die Schiedskommission gezogenen Ortsverbände, eine Rüge wegen parteischädigenden Verhaltens zu akzeptieren, hatte er vielmehr mit dem Hinweis beantwortet, er lasse sich nicht diktieren, wann er was zu sagen habe. Auch sei er nicht bereit einzuräumen, dass es ein Fehler gewesen sei, während des hessischen Landtagswahlkampfes dazu aufzurufen, die SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti nicht zu wählen.