Krieg im Kaukasus Wird es noch schlimmer?Seite 2/2
Russland stellte seine Angriffe als Friedensmission dar, um einen «Genozid» am südossetischen Volk zu verhindern. Ähnlich wie die NATO mit ihren Angriffen gegen Serbien 1999 will Moskau nach eigenen Angaben eine humanitäre Katastrophe verhindern. Auch Erinnerungen an den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan 1979 im Dezember wurden wach. Aber viele Experten waren ratlos, warum das berüchtigte Pulverfass Kaukasus ausgerechnet jetzt explodierte.
Die Lage eskalierte zu einem Zeitpunkt, da der oft als Scharfmacher kritisierte russische Regierungschef Wladimir Putin bei den Olympischen Spielen in Peking weilte und der kriegsunerfahrene und junge Kremlchef Dmitri Medwedew im Urlaub war. Zynisch titelte die Boulevardzeitung «Moskowski Komsomolez» auf ihrer ersten Seite «Olympisches Feuer» mit einem formatfüllenden Bild fliegender Raketen. Das Blatt kritisierte auch Medwedews «zögerliche Handlungen».
Nicht der neue Kremlchef, sondern sein Ziehvater Putin eilte nach Wladikawkas, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Nordossetien, um mit Flüchtlingen und Verletzten zu reden. Er nutzte die Bilder, um international vor einer NATO-Mitgliedschaft Georgiens zu warnen: Die Regierung in Tiflis werde nur die NATO-Länder in ihre «blutigen Abenteuer» hineinziehen.
Georgien bat den Westen bereits um Schutz vor den «russischen Eroberern», die Südossetien und Abchasien mit «brutalsten Mitteln» annektieren wollten. Russische Soldaten brachten die südossetische Hauptstadt Zchinwali am Sonntag unter ihre Kontrolle. Aber die Opferzahlen stiegen unaufhaltsam, allein in Zchinwali wurde sie mit 2000 Toten angegeben und mit tausenden Verletzten.
Nicht nur Zchinwali war zerstört, auch 15 georgische Städte, unter ihnen die wichtige Hafenstadt Poti, wurden schwer getroffen. In Gori starben bei russischen Bombenangriffen Dutzende Menschen. Verzweifelt meldete das mit Unterstützung der USA in den vergangenen Jahren stark aufgerüstete Georgien den Abschuss russischer Kampfflugzeuge. Doch schon am Sonntagabend musste Tiflis einräumen, dass Russlands Hundertschaften, Panzer, Raketen und Kampfbomber in Georgien bereits jetzt so stark seien, um selbst einen zehnmal größeren Staat in die Knie zu zwingen. Saakaschwili verabschiedete sich am Sonntag auch von der Hoffnung auf einen schnellen NATO-Beitritt.
Ulf Mauder, dpa
- Datum 15.08.2008 - 18:50 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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