Krieg im Kaukasus : Die Großmacht-Offensive

Russlands Verhältnis zum Westen hat durch den südossetischen Krieg einen weiteren Schlag erhalten. Der Feldzug gegen Saakaschwili gerät zum internationalen Politikum

Der menschenverachtende Kriegszug des georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili, der die südossetische Bevölkerung mit Granatwerfern in sein Staatsgebiet zurückholen wollte, endete in einer militärischen Niederlage. Seitdem widmet sich Tiflis einer neuen Strategie: der Selbstdarstellung als Opfer einer russischen Aggression. Der Plan hat Erfolgsaussichten – dank des Vorgehens der russischen Führung.

Eine russische Seeblockade auf dem Schwarzen Meer vor dem georgischen Hafen Poti, die Truppenmobilisierung in Abchasien, das Versenken mehrerer georgischer Kriegsschiffe und die Bombardements georgischer Städte und Militärflugplätze auch nach Saakaschwilis Verkündung eines einseitigen Waffenstillstands verschieben den Blick der Weltöffentlichkeit auf Russland.

Moskau vermag es anscheinend einmal mehr nicht, seine Großmachts-Reflexe und Revanchegelüste zu beherrschen. Der Schutz der Südosseten und Abchasier vor den georgischen Truppen verwandelt sich in einen Feldzug gegen Saakaschwili und wird zum internationalen Politikum mit hohem russisch-amerikanischem Konfliktpotenzial .

Seit Jahren folgte die Konfrontation südossetischer Milizen und georgischer Militärs demselben Schema: Die eine Seite beschoss die andere mit allem möglichen Kriegsgerät und duckte sich beim Antwortfeuer in ihre Stellungen weg. Hernach wurden die Toten, nicht selten Zivilisten, beklagt.

Doch seit dem 1. August eskalierten die Scharmützel bis zum georgischen Sturm auf Südossetien. Das Ziel dieses Angriffs bleibt unklar. Denn selbst im Fall eines militärischen Sieges riskierte Saakaschwili eine zerstörte Republik und einen südossetischen Partisanenkrieg mit nordkaukasischer Unterstützung, einen russischen Waffengang, den endgültigen Verlust Abchasiens und eine Bedrohung seiner Nato-Beitrittspläne.

Womöglich wollte Saakaschwili, der mit dem Versprechen der Wiederherstellung der georgischen Einheit gewählt wurde, durch einen kleinen, siegreichen Blitzkrieg sein mattes Image aufpolieren. Einiges spricht dafür, dass sein freundschaftliches Verhältnis mit dem US-Präsidenten George Bush zu einem Realitätsverlust und der Annahme geführt hat, die Amerikaner würden massiv zu seinen Gunsten eingreifen und den eingefrorenen Konflikt um Südossetien internationalisiert auftauen.

Das Ergebnis ist katastrophal für alle : Südosseten, Georgier und Russen haben den Krieg mit einem hohen Blutzoll begleichen müssen. Georgien kann alle Hoffnung aufgeben, Südossetien und Abchasien wieder in sein Staatsgebiet einzugliedern. Saakaschwili, der sich so gerne mit der aufstrebenden Demokratie in Georgien brüstete, hat sein Land nicht nur wirtschaftlich, sondern vor allem politisch-moralisch um Jahre zurückgeworfen. Wer Zweifel an der Nato-Tauglichkeit der georgischen Politik hegte, muss sich aufs Schlimmste bestätigt fühlen.

Die sensible Balance der kaukasischen Völker, die einander oft in Abneigung oder gar Blutrache verbunden sind, muss sich neu einpendeln. Russland fürchtet zu Recht eine weitere Destabilisierung des nur oberflächlich befriedeten Nordkaukasus. Doch zugleich hat Moskau die innergeorgischen und armenisch-aserbaidschanischen Konflikte 15 Jahre lang nach Belieben geschürt, um die südkaukasischen Nachbarländer mit ihren Energieressourcen oder strategischen Transportwegen zu schwächen.

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Kommentare

103 Kommentare Seite 1 von 10
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Wer selbst im Glashaus sitzt...

Herr Voswinkel, Sie beschreiben doch selbst das russische Kriegziel: "Georgien kann alle Hoffnung aufgeben, Südossetien und Abchasien wieder in sein Staatsgebiet einzugliedern". Nur hat Russland den Krieg nicht begonnen. Daher ist Ihr ganzes Schwadronieren über ein Russland, "das im 19. und 20. Jahrhundert die Befriedung dieser Region vor allem mit Feuer und Schwert erzwang" nur Propaganda (Verbreitung von Meinung). Aber Vorsicht: Vor 100 Jahren wurde in gleicher Weise Frankreich als "Erbfeind" propagiert! Sind diese Stereotypen wirklich noch zeitgemäß?Ebensogut könnte man die Rolle Israels untersuchen:Jewish Georgian minister: Thanks to Israeli training, we're fending off Russiahttp://haaretz.com/hasen/...Was mich nämlich immer noch beschäftigt ist die Frage: Was war das Ziel des georgischen Überfalls auf Südossetien? Es macht doch nur Sinn, wenn man dieses Gebiet von der 1,5-fachen Größe Luxemburgs im Handstreich nehmen wolle! Und die Experten für moderne Blitzkriege sitzen angeblich in Israel...Vor allem sollte man besonders in Deutschland nie vergessen, wer für die Selbstbestimmung der europäischen Völker eingetreten ist: Der russische Präsident Gorbatschow des Reichs des Bösen "Sowjetunion"! Und es war der Westen, der danach die "Büchse der Pandora" wieder geöffnet hat mit imperialer Großmachtpolitik und kriegerischen Interventionen.http://www.berlinerumscha..._______________________________________________________
Die Interessen der ZEIT:
http://de.wikipedia.org/w...
Was derzeit wirklich passiert:
http://www.pelastop.de/20...

welche Hand diktiert die Feder

Sehr geehrter Herr Voßwinkel, warum verschweigen Sie, daß 1500 USA-Soldaten mannöverbedingt in Georgien waren?
 Warum verschweigen Sie, daß 1000 Militärberater aus Israel in georgien sind?
Warum verschweigen Sie, daß der georgische Staatspräsident die eigene Opposition verprügelt hat?
Warum fragen Sie nicht, ob Nato und USA berechtigt sind z.B. in Tschechien und Polen militärische Abwehranlagen ( die offensichtlich gegen Rußland gerichtet werden sollen) auf zu bauen?
Welches Völkerrechtsverständnis hat die Zeit, wenn sie solche einseitigen Überlegungen druckt?
Deutsche Gewhre sind bei den Georgiern im Einsatz (K36)! Wollen wir an einem dritten Weltkrieg vom Zaun brechen?
Was haben alle Aktionsaufrufe hier im Lande für eine Bedeutung ( z.B. gegen Rechts etc) für einen Sinn, wenn Deutschland an der Seite von Amerika erneut in der Welt zündelt?
Was ist an der ganzen Kriegstreiberei noch ernsthafte Politik?
Geht es um die Menschenrechte oder um Förderrechte?
 
 

ebenso einseitig...

"Sehr geehrter Herr Voßwinkel, warum verschweigen Sie, daß 1500 USA-Soldaten mannöverbedingt in Georgien waren?"Vielleicht, weil esmit den gegenwärtigen Ereignissen nicht so furchtbar viel zu tun hat? Oder wollen Sie behaupten, der Einmarsch in Südossetien sei in Wirklichkeit von verkappten GIs durchgeführt worden? Die USA führen bei vielen verbündeten Staaten Manöver und Ausbildungsgänge durch, so auch in Deutschland. Was soll daran also bitte so absonderlich sein?"Warum verschweigen Sie, daß 1000 Militärberater aus Israel in georgien sind?"Auch hier stellt sich die Frage nach der Relevanz zu den gegenwärtigen Ereignissen. Im Übrigen greifen viele Staaten auf ausländische Militärberater zurück. Auch unter den NATO-Staaten findet auf allen Ebenen ein reger Erfahrungsaustausch statt. Da ich diese Information in den Medien bisher noch an keiner Stelle gefunden habe, wäre ich um eine Quellenangabe dankbar. Ihr Beitrag liest sich in meinen Augen schon arg nach dem üblichen "die USA und Israel sind an allem Schuld"."Warum fragen Sie nicht, ob Nato und USA berechtigt sind z.B. in
Tschechien und Polen militärische Abwehranlagen ( die offensichtlich
gegen Rußland gerichtet werden sollen) auf zu bauen?"
Warum sollten die USA (die geplante Raketenabwehr ist kein Projekt der NATO) in Zusammenarbeit mit Tschechien und / oder Polen nicht berechtigt sein, Abwehranlagen (sic!) zu installieren? Seit wann ist Defensive ein Verbrechen? Der einzige internationale Vertrag zu dem Thema wurde von den USA unter Einhaltung der Vertragsbestimmungen 2002 gekündigt."Deutsche Gewhre sind bei den Georgiern im Einsatz (K36)! Wollen wir an einem dritten Weltkrieg vom Zaun brechen?"Das ist, mit Verlaub gesagt, kompletter Unfug. Zahlreiche Staaten setzen im Polizei- und Militärdienst deutsche Waffen ein. Genau so gut könnte man den Russen Kriegstreiberei vorwerfen, weil die abchasischen und südossetischen Separatisten (beide selbsternannten "Republiken" sind international nicht anerkannt) russische Waffen einsetzen. Georgien ist NATO-Partner (nicht Mitglied!) und hatte damit die Möglichkeit, ganz legal Waffen aus deutscher Produktion zu erwerben - wie es übrigens auch Italien, die Niederlande, die Schweiz, Spanien und viele mehr getan haben. Man kann wohl getrost annehmen, dass die Georgier ihren Angriff auch mit den alten AK-47 oder AK-74 aus der Sovietära vom Zaun gebrochen hätten. Eine deutsche Miturheberschaft an diesem Krieg zu konstruieren, ist also m. E. nach völlig lächerlich.

Die Tapete kokelt schon...

Der Krieg in Georgien hat uns deutlich vor Augen geführt, wie der "Achso-friedfertige" Westen seine Werte aus den Augen verloren hat. EU und USA zündeln wie Dilletanten überall auf der Welt herum und benehmen sich wie neugierige Kinder, die sehen wollen, wann den endlich die Tapete in Ihrem Zimmer Feuer fängt, wieviele Streichhölzer Sie dafür brauchen.
Und Russland benimmt sich natürlich wie erwartet: Wie ein wütender Bär, dem man aus versehen auf den Schwanz getreten ist, schlägt es wild um sich und zerstört das letzte bisschen Vertrauen in den Sachverstand der russischen Regieurung.
War es zu Zeiten des Kalten Kriegs wenigstens noch so, das zumindest eine Seite in Zeiten höchster (Weltkriegs)Gefahr (Berlin-Krise, Kuba-Krise, Afghanistan-Krise, u.s.w.) zumindest einen kühlen Kopf bewahrt hat, sieht es jetzt doch sehr danach aus, das Hardliner Putin und Wildwest-Cowboy Bush sich die Stirn bieten wollen - Koste es so viele Menschenleben, wie es wolle !

War mal wieder klar

Georgien versucht mit militärischer Gewalt die Intigrität seines Staatsbegiets zu waren, Russland greift militärisch ein, und das ganze führt zu einem Minikrieg zwischen Russland und Georgien.
Und wer ist Schuld an der ganzen Misere ? Die USA ! Wie immer. Es war mir klar, dass die deutsche Linke keine 24 Stunden brauchen würde, um den Westen auch noch die Schuld für russische Großmachtsphantasien anzulasten. Egal was auf diesem Planeten vor sich geht, Schuld sind immer die bösen Amis. Bestimmt werden sie demnächst auch noch für das schlechte Wetter veranwortlich gemacht.

Nein fürs Wetter sind die VS-Amerikas nicht verantwortlich.

Militär denkt immer strategisch. Sozusagen wird die VS-A auch von Militärs regiert. Zumindest über den Umweg der Waffen- und Kriegsindustrie. Der Präsident segnet nur ab. Wie lange brauchen Sie noch um das Strickmuster zu erkennen. Müßten Sie von Ihrer Omma wissen, zwei links, zwei rechts, da herrschte noch Ordnung in der Ausgewogenheit.debrasseur

Aber nein, schuld sind nur wir selber

....ich bin so indoktriniert worden das ich jahrelang "wusste" die Russen warten nur darauf über die Mauer zu stürmen und den Westen zu vereinnahmen... Die Russen hatten das gewaltigste Waffenarsenal, die Russen haben Angriffswaffen wir haben Verteidigungswaffen... Die Russen haben 5000 Panzer wir haben nur 2000, die Russen haben 300 Uboote wir haben nur 75, die Russen haben 2500 Internkontinetalraketen wir haben nur 900... usw. usw.......das hat sich seit dem Fall der Mauer und der Entwicklung des noch freien Internet mit den vielfältigen Informatiosnmöglichketen etwas gewandelt... Ich weiss nun an was allem die US Regierungen der vergangen 50 Jahre Verantwortung trugen (siehe der Südamerikanische Kontinent)... aktuell die Lügereien aus IRAK I und II... Im Kontext solch gewaltiger Desinformation die in der 2ten hälfte des vorigen Jahrhunderts verbreitet wurden erlaube ich mir meine eigene Meinung über die Informationen aus den USA zu bilden und was über die USA geschrieben wird... und die ist nun mal nicht (mehr) ausschliesslich positiv. ---------------------------
"...wenn ich den armen zu Essen geben werde ich zum Heiligen. Wenn ich frage warum sie nicht's zu Essen haben schimpfen sie mich Kommunist...".

Zuerst aufblasen, dann Rücken kraulen, dann...

Zunächst einmal hat die USA (und nebenbei noch die EU und Israel) das Selbstwertgefühl Georgiens (bzw. seines Staatschefs) "aufgeblasen" indem es dem Land volle Unterstützung bei der Demokratisierung zugesagt hatte. Das Sakaschwilli unter Demokratie etwas anderes versteht als die USA oder gar die EU, hat man geflissentlich unter den Teppich gekehrt.
Anschließend haben die USA Georgien den Rücken gekrault, an die Brust gedrückt und mit Leckereien a la Militärhilfen gepäppelt. Und dies alles geschah im "Hinterhof" der Russen. Die Situation ist durchaus vergleichbar mit der Kuba-Krise, als die Sowjets die Kubaner militärisch, zuletzt sogar atomar, unterstützt hatten -> Im Hinterhof der USA.
Machen wir uns nichts vor: Das Blockdenken von einst existiert in vielen Köpfen immer noch weiter. Leider auch in Köpfen von Regierungschefs. Sakaschwilli hat mit seiner Operation gehofft, der Westen würde ihn unterstützen und Russland würde klein beigeben. Falsch gedacht. Die Russen spielen jetzt böser großer Bruder und stehen kurz vor einer völkerrechtswidrigen Invasion und Besetzung Georgiens. Das die Russen auf Provokationen überzogen reagieren, das wissen wir alle. Da schenken sich Amis und Russen gegenseitig nichts.
Vielleicht ist dies auch das Kalkül der Amerikaner, die Russen in ein 2. Tschetschenien zu locken um von Ihren eigenen Schlammasseln im Irak und teilweise in Afghanistan abzulenken... Wer weiß, zu welchen Spielchen die konservativen Think-Tanks im fernen Washington fähig sind...

Russland läuft in eine Falle hinein...

... wenn es an seinen Plänen weiterhin fest hält, eine Invasion und Besetzung Georgiens durchzuführen. Putin wäre gut beraten, den schnellen militärsichen Blitzsieg in Südossetien einzusacken, einen Pluspunkt auf der Habenseite gegenüber dem kapitalistischen Westen zu verbuchen und es dabei zu belassen. Südossetien und Abchasien sind jetzt endgültig so gut wie verloren für Georgien.
Eine Invasion und Besetzung Georgiens mit einer Marionettenregierung würde Russland in ein 2. Tschetschenien stürzen - Nur diesmal in größeren Dimensionen mit weitaus mehr Opfern und einem Flächenbrand, der den halben Kaukasus in Flammen stecken würde - Und wenn die USA und die EU nicht aufpassen, die halbe Welt.

Sehr Unwahrscheinlich

Ich halte es für ausgeschlossen, dass Russland Georgien besetzten wird. Wie schon gesagt, außenpolitisch wäre Moskau damit ganz ganz schlecht beraten. Moskau hat Sakaschwilli auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und dem selbsternannten Weltverbesserer (USA) ebenfalls deutlich gemacht, dass man nicht mehr am Boden liegt und auf sich tanzen lässt, wie es die USA seit 1989 gewohnt waren.Die westliche Presse wird große mühe damit haben, die Aggression Georgiens zu vertuschen und einen Angriffskrieg von der Seite Russlands herzuzaubern. Es liegen nun mal mindestens ~12 Stunden, zerbombtes Zhinwali und viele tote Zivilisten zwischen dem georgischen Angriff und der Russischen Invasion. Georgien ist zudem kein Islamistischer Terrorstaat, wie es Tschetschenien zwischen den beiden Kriegen war, sondern ein ganz normales Volk. Tschetschenien war auch nie unabhängig von Russland (offiziell) Das gespenst der UdSSR, was das georgische propagandateam an die wand malt ist zwar nett, aber völlig absurd.Insgesamt eigentlich kein sehr schlechter artikel von Herrn Voswinkel.

unabhängig?

"Tschetschenien war auch nie unabhängig von Russland (offiziell)"Tja, das waren Abschasien und Südossetien aber auch noch nicht von Georgien. Deren Unabhängigkeit und die dort agierenden "Regierungen" werden international nicht anerkannt, meines Wissens auch noch nicht einmal von Russland selbst.Im Falle Südossetiens, wo die Osseten die klare Bevölkerungsmehrheit stellen, wäre m. E. die Anerkennung der Unabhängigkeit wie im Falle des Kosovo durchaus denkbar. Hier sollte das Selbstbestimmungsrecht über der territorialen Integrität angesiedelt werden - schliesslich ist ein Staat kein abstraktes Konstrukt sondern wird in erster Linie von den dort lebenden Menschen gebildet.In Abchasien, wo die Abchasier gerade einmal 40% der Bevölkerung stellen, wäre ein solcher Schritt in meinen Augen kaum realisierbar. Eventuell könnte eine solche Lösung für die mehrheitlich abchasisch besiedelten Gebiete umgesetzt werden. Die Referenden zur Unabhängigkeit sind hier mit Vorsicht zu geniessen, da es dabei zu massiven Unregelmässigkeiten (u. a. wurden die enthnischen Georgier an der Stimm abgabe gehindert) gekommen ist.

Putin ist Hardliner - Und Realist

Ich schließe mich insofern Ihrer Meinung an, als das die Wahrscheinlichkeit einer Besetzung Georgiens durch Russland gering sind - Für ausgeschlossen halte ich das aber nicht.
Putin ist sehr wohl ein Hardliner, der mit Autorität, Stärke und teilweise auch mit Gewalt sein Land führt. Aber vielleicht braucht Russland ja auch so einen Führer, der halbdemokratisch und halbfeudal das Land wieder zu dem macht, was es war - Eine Großmacht. Und Russland ist auf dem besten Weg dorthin.
Insofern dürfte auch Putin wissen, ein Realpolitiker durch und durch, das eine Besetzung Georgiens nur hinderlich wäre. Für Ihn reicht es vermutlich aus, das er die Kosovo-Pleite durch den schnellen Blitzkrieg in Georgien wieder wett machen konnte.
Und er hat dem Westen gezeigt, bis wohin Sie sich in die Interessensphäre des neuen starken Russlands vortasten dürfen...

Step-by-Step

Natürlich hinkt der Vergleich mit der Kubakrise. Doch die Amerikaner gehen ähnlich vor wie die Russen seinerzeit: Quasi vor der Haustür des politischen Gegners bauen Sie ein kleines Land politisch und militärisch auf. Das hat Russland damals auch mit Kuba gemacht - Vor der Haustür der Amis. Irgendwann ist dann denen der Kragen geplatzt und es kam zu den historisch heißen Tagen, an dem die Welt wirklich am Abgrund des 3. Weltkriegs stand. Hätten die Sowjets damals nicht einen kühlen Kopf bewahrt und in letzter Sekunde eingelenkt - Wer weiß, ob es uns dann heute noch gebe...
Jedenfalls geht es hier eindeutig um Macht und Interessensphären. Die Amerikaner / EU machen den Russen Ihre Einflußgebiete streitig, zuerst in Osteuropa, dann auf dem Balkan und jetzt im Kaukasus. Klar, das die Russen darüber nicht erfreut sind und sich mit Händen und Füßen gegen eine Beschneidung Ihres Machtbereichs wehren. Die Amerikaner würden auch nicht anders handeln - Nur würden Sie nicht ganz so offensichtlich militärisch vorgehen, sondern einen Verbündeten/Vasallen in den Kampf schicken.

Politische Gegner ?

Interessant an Ihrer Analyse finde ich, dass Sie davon ausgehen, dass sich an der politischen Gegnerschaft seit dem kalten Krieg nichts geändert hat. Laut offiziellen Sprachgebrauch ist Russland doch kein "politscher Gegner" sondern "strategischer Partner".
Zweitens fehlt mir in den ganzen Analysen zu geopolitischen Einflussgebieten immer ein wichtiger Punkt, nämlich das Selbstbestimmungsrecht souveräner Staaten. Wenn Georgien oder die Ukraine ihr Glück in einer Anbindung an das westliche Verteidigungsbüdnis und in einer europäischen Perspektive suchen, mit welchem Recht sollte der große Nachbar ihnen das versagen dürfen? Wenn Kanada sich entschließen sollte, aus der Nato auszutreten und der GUS beizutreten, müssten die USA das auch zähneknirschend zur Kenntnis nehmen.
Statt "abtrünnige" Staaten mit Gewalt an Russland zu binden, sollte sich der Kreml lieber fragen, warum es für diese Staaten attraktiver ist, sich nach Westen als nach Osten zu orientieren. Neben den Erfahrungen aus der Sowjetzeit und der anzunehmenden wirtschaftlichen Perspektiven hat das auch mit dem Verhalten des Kremels gegenüber diesen Ländern (z.B. Gas abdrehen, KGB Aktivitäten gegen demokratisch gewählte Regierungen) sowie mit dem undemokratischen Politikstil Putins zu tun.
Noch kurz zu Kuba: Ich meine gelesen zu haben, dass die Russen immer noch über eine Staffel Mittelstreckenbomber und eine Reihe stillgelegter Atomsprengköpfe auf Kuba verfügen.

Jein...

"Noch kurz zu Kuba: Ich meine gelesen zu haben, dass die Russen immer
noch über eine Staffel Mittelstreckenbomber und eine Reihe
stillgelegter Atomsprengköpfe auf Kuba verfügen."
Nicht ganz. Es gab im Juli Berichte, nach denen Russland planen soll, eine Staffel strategischer Langstreckenbomber auf Kuba zu stationieren. Russland hat das damals postwendend dementiert. Es gibt aber zunehmend Überlegungen in Russland, die Militärpräsenz dort wieder aufzubauen. Auch Putin hat sich zuletzt dahingehend geäussert.Nachzulesen u. a. hier: http://www.n-tv.de/100394...

bitte stoppen sie die Russische propoganda

Russen hat angefangen diese Konflikt und nich Georgia. Rusland hat dieses konflikt längst geplant. Beweis für das das Russen hat rusische Pässe in Suedossetia verteilt... Das hat sehr viele median bestetigt. Also biete...Wie kann DIE ZEIT so einseitiges artikel schreiben.. Ich weis das die russe mit alle kraft bemuht andere meinung in westen zu verbreiten aber hallo, wake up! Russische regierung hat angrief gemacht an alle georgische officiale internet Seite wie auch Vernsehen und probiert seine propoganda zu verbreiten. Warum galuben sie noch an das... Schauen sie an Tschitschenia, Finland, Baltische Staaten.. Russen immer will minderheiten reten.. Und solche proüoganda mus strafbar sein.. Genau wie Nazisus. Weil die Deutschen hat gelernt und russen immer noch denkt imperalistisch... also Vertaidigung von russische popgand ist viel shlime als zu zeit Neonazis bewegung. weil die töten keine menchne und russen macht das jeden Tag... In russia selbt und auch im ausland. Und organiziert verschiedene affere im nachabrstäten wie z.B. Baltikum.

Objektiver Blick

Die Menschen sind bestimmt nicht gezwungen worden die Pässe zu nehmen. Ein Anteil von 90% an der Bevölkerung mit nunmehr russischen Pässen spricht eine eindeutige Sprache. Die Georgier haben es verbockt, dies aber schon weit vor Putin. Niemand hat diese Marionette in Tiflis dazu gezwungen Krieg zu führen. Was hat ihn dazu bloß bewegt? Clausewitz würde sich im Grabe umdrehen!--
"that book is dead sexy" -- Xach on #lisp about "Practical Common Lisp"

Re. russen propoganda

Einen russischen Pass bekommst du nicht einfach so, wenn du mal Lust drauf hast,
du brauchst dafür die russische Staatsbürgerschaft und die hatten die Osseten bereits seit sehr sehr langem.
Als die Sowjetunion zerfiel hatte jeder der ein Bürger der Sowjetunion war die Möglichkeit   
Eine russische Staatsbürgerschaft zu beantragen…
Und das haben fast alle Südosseten gemacht
Um die Verwandten in Russland zu besuchen
Und im Falle eines Krieges leichter fliehen zu können  
<?xml:namespace prefix =" o" ns =" "urn:schemas-microsoft-com:office:office"" /> 
Es gab bereits Ende der 80 Jahre Spannungen in der Region
Es gab 92 einen sehr blutigen Bürgerkrieg

Das haben sie Recht! Aber schauen sie wie viele leute galuben das georgian ist schuldig...  Wir mussen ein protest aktion machen in die neh von rusisches Botschaft und Konsulaten.. Wer ist von Muenchen schreiben sie mir: [Emailadresse entfernt] (Bitte nutzen Sie in Ihrem eigenen Interesse die Möglichkeit der privaten Nachrichten hier im Forum. Sie dürfen selbstverständlich Ihre Emailadresse angeben, angesichts drohender Spammails ist dies aber nicht ratsam. Die Redaktion / ft)echt karss was jezt leuft dort....

Mann muss verstehe das die russen dor jahrelang propoganda verbreitet hat und somit die leute teilweise für seine seite gewonnen hat. Mit billige tricks... Oder denken sie das regierung im rusland ist aucch demokratisch.. und einefache leute kann eiblick im politik kriegen?! also bitte ! Ich komme aus litauen und ich weis was ist rusisches regierung ! Und was für ziele die hat... Die investiert sogar heutezutage wahnsinig viel geld im Politik des Baltischen staten. Russen will deokratisches nachbar einfach vernchten und dan kommt deutschladn.. also überlegen sie noch mall...Tchetchenia?? reicht dieses beispiel nicht? Wiesen sie das russen versucht die jurnalisten umbringen.. Die hat ein Fotograph heute umgebarcht und fast eine BBC reoporter.

Litauen

Sie kommen also aus Litauen ? Dann hoffe ich für Sie, dass Russland nicht demnächst auch bei Ihnen einmarschiert. Und wenn es doch passieren sollte, können Sie sicher sein, dass Russland viel Verständnis in der linken deutschen Presse erfahren wird. Immerhin hat die NATO- und EU-Mitgliedschaft von Litauen das arme Russland ja quasi zu diesem Schritt genötigt.

Sinnentleert?

"... um den status quo von anno dunnemals wiederherzustellen."So "anno dunnemals" ist 1991 auch wieder nicht....Ein Angriff Litauens auf Weissrussland oder Russland ist Käse, da gebe ich Ihnen Recht. Wenn man den Kommentar aber dahingehend auffasst, Russland könnte sich das "abtrünnige" Baltikum eines Tages unter Hinweis auf die frühere Zugehörigkeit zur Sovietunion zurück holen wollen, liegt er m. E. gar nicht so verkehrt.Meines Wissens hat die "noch-Sovietunion" damals schon auf die Unabhängigkeitserklärung der baltischen Staaten mit Waffengewalt reagiert, sich aber nicht mehr durchsetzen können. Was Russland also von den Georgiern fordert, nämlich das Selbstbestimmungsrecht seiner Ethnien über seine territoriale Integrität zu setzen, verweigert es seinen eigenen Volksgruppen (Tschetschenien!) konsequent. Von daher sollten die Russen, solange sie ihre Innenpolitik in diesem Punkt nicht ändern, besser die Klappe halten.

anno dunnemals...

...heißt nicht 1991. aber genau hier fängt doch das problem an: ein großteil der leute, die hier wild herumvergleichen, tut dieses einfach aus einer eklatanten unkenntnis über die geschichte osteuropas, russlands und des kaukasus heraus. für das baltikum ist doch der zug nach westen schon längst abgefahren. außerdem wird in litauen der ausgleich zwischen nationaler identität und minderheitsrechten nicht mit schwerer artillerie betrieben. wurde er im übrigen auch nie.und es steckt durchaus eine strategie dahinter, dass die russen die osseten und abchasier unterstützen, während den tschetschenen die unabhängigkeit verweigert wird.

Zugegeben...

... ich erwarte nicht, dass Russland morgen in den baltischen Staaten einmarschiert. Aber hätte sich die Geschichte etwas anders entwickelt, und die baltischen Staaten hätten nicht die Gunst der Stunde genutzt und nicht Jelzin sondern Putin wäre Präsident gewesen, könnten Estland, Lettland und Litauen in der heutigen Situation von einer Mitgliedschaft in EU und NATO nur träumen. Putin würde das mit allen Mitteln verhindern, zum Nachteil dieser Staaten wohlbemerkt.
Die Situation in Georgien ist nur Teil einer Neuausrichtung der russischen Politik, die Putin seit Jahren vorantreibt. Dazu gehören viele Aspekte, auch die Tatsache, dass die Sowjetunion wieder verklärt wird, aller Orten Stalindenkmäler errichtet werden, die Pressfreiheit immer weiter eingeschränkt wird (bis zur Ermordung kritischer Journalisten), eine atomare Aufrüstung angestrebt wird, nicht gehorsamen Nachbarstaaten der Gashahn zugedreht wird, Kritiker und Unternehmer ins Gefängnis gesteckt oder Demonstranten zusammengeprügelt werden. Putin ist und bleibt ein Mann des KGB und dass Schicksal von 70.000 Bergbewohnern im Kaukasus interessiert diesen Mann bestimmt nicht. Es muss klar gesagt werden, dass es hier klar um die Ausweitung von Einflussgebieten geht. Dass dies aber mit Gewalt gegen den Willen der Bevölkerung eines souveränen und (zumindest im Vergleich zu Russland) demokratischen Staates geht, scheint niemanden zu veranlassen, auch nur ein Wort der Kritik an Russland zu äußern. Die Pragmatiker bleiben still, weil man Russland nicht zu sehr verärgern will (man braucht ja das Gas und Öl) und die linken Träumer bleiben still, weil Russland halt nicht Amerika ist. 

Strategie

"und es steckt durchaus eine strategie dahinter, dass die russen die
osseten und abchasier unterstützen, während den tschetschenen die
unabhängigkeit verweigert wird."
Natürlich steckt da eine Strategie dahinter. Die Pipeline durch Georgien und die Türkei stört Russland massiv, da es diese nicht kontrollieren kann. Deshalb versucht man von dieser Seite ja Georgien zu schwächen und gefügig zu machen - idealerweise mit einer Moskau hörigen Marionettenregierung. Die prowestliche Ausrichtung der georgischen Regierung mitsamt der Aussicht, womöglich US-Stützpunkte und mittelfristig vielleicht sogar ein NATO-Mitglied unmittelbar am eigenen "Hinterhof" zu haben, ist Moskau natürlich ein Dorn im Auge.Dass man die eigenen Völkerschaften brutal unter der Knute hält, ist man ja schon aus Sovietzeiten gewöhnt. Im Falle Tschetscheniens möchte man seinen Einfluss in der Kaukasusregion natürlich nicht schwächen...

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