Krieg im KaukasusDie Großmacht-Offensive

Russlands Verhältnis zum Westen hat durch den südossetischen Krieg einen weiteren Schlag erhalten. Der Feldzug gegen Saakaschwili gerät zum internationalen Politikum von 

Nach der Bombardierung der georgischen Stadt Gori

Nach der Bombardierung der georgischen Stadt Gori  |  © Dimitar Dilkoff/AFP/Getty Images

Der menschenverachtende Kriegszug des georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili, der die südossetische Bevölkerung mit Granatwerfern in sein Staatsgebiet zurückholen wollte, endete in einer militärischen Niederlage. Seitdem widmet sich Tiflis einer neuen Strategie: der Selbstdarstellung als Opfer einer russischen Aggression. Der Plan hat Erfolgsaussichten – dank des Vorgehens der russischen Führung.

Eine russische Seeblockade auf dem Schwarzen Meer vor dem georgischen Hafen Poti, die Truppenmobilisierung in Abchasien, das Versenken mehrerer georgischer Kriegsschiffe und die Bombardements georgischer Städte und Militärflugplätze auch nach Saakaschwilis Verkündung eines einseitigen Waffenstillstands verschieben den Blick der Weltöffentlichkeit auf Russland.

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Moskau vermag es anscheinend einmal mehr nicht, seine Großmachts-Reflexe und Revanchegelüste zu beherrschen. Der Schutz der Südosseten und Abchasier vor den georgischen Truppen verwandelt sich in einen Feldzug gegen Saakaschwili und wird zum internationalen Politikum mit hohem russisch-amerikanischem Konfliktpotenzial .

Seit Jahren folgte die Konfrontation südossetischer Milizen und georgischer Militärs demselben Schema: Die eine Seite beschoss die andere mit allem möglichen Kriegsgerät und duckte sich beim Antwortfeuer in ihre Stellungen weg. Hernach wurden die Toten, nicht selten Zivilisten, beklagt.

Doch seit dem 1. August eskalierten die Scharmützel bis zum georgischen Sturm auf Südossetien. Das Ziel dieses Angriffs bleibt unklar. Denn selbst im Fall eines militärischen Sieges riskierte Saakaschwili eine zerstörte Republik und einen südossetischen Partisanenkrieg mit nordkaukasischer Unterstützung, einen russischen Waffengang, den endgültigen Verlust Abchasiens und eine Bedrohung seiner Nato-Beitrittspläne.

Womöglich wollte Saakaschwili, der mit dem Versprechen der Wiederherstellung der georgischen Einheit gewählt wurde, durch einen kleinen, siegreichen Blitzkrieg sein mattes Image aufpolieren. Einiges spricht dafür, dass sein freundschaftliches Verhältnis mit dem US-Präsidenten George Bush zu einem Realitätsverlust und der Annahme geführt hat, die Amerikaner würden massiv zu seinen Gunsten eingreifen und den eingefrorenen Konflikt um Südossetien internationalisiert auftauen.

Das Ergebnis ist katastrophal für alle : Südosseten, Georgier und Russen haben den Krieg mit einem hohen Blutzoll begleichen müssen. Georgien kann alle Hoffnung aufgeben, Südossetien und Abchasien wieder in sein Staatsgebiet einzugliedern. Saakaschwili, der sich so gerne mit der aufstrebenden Demokratie in Georgien brüstete, hat sein Land nicht nur wirtschaftlich, sondern vor allem politisch-moralisch um Jahre zurückgeworfen. Wer Zweifel an der Nato-Tauglichkeit der georgischen Politik hegte, muss sich aufs Schlimmste bestätigt fühlen.

Die sensible Balance der kaukasischen Völker, die einander oft in Abneigung oder gar Blutrache verbunden sind, muss sich neu einpendeln. Russland fürchtet zu Recht eine weitere Destabilisierung des nur oberflächlich befriedeten Nordkaukasus. Doch zugleich hat Moskau die innergeorgischen und armenisch-aserbaidschanischen Konflikte 15 Jahre lang nach Belieben geschürt, um die südkaukasischen Nachbarländer mit ihren Energieressourcen oder strategischen Transportwegen zu schwächen.

Leserkommentare
    • Anonym
    • 13. August 2008 17:40 Uhr

    viel zu lange her, daher aus dem eigenen Gesichtskreis verschwunden. Leider.debrasseur

  1. Vielleicht werden Sie jetzt argumentieren, dass irgendein Denkmal in
    der Provinz nichts zu sagen hat. Man stelle sich mal vor, ein
    irgendein Dorf in Sachsen oder Bayern käme auf die Idee, ein
    Hitlerdenkmal aufzustellen
    ...von ihrem stalin-trip. die einzigen, die denkmäler fordern, sind die kommunisten und die leute vom zhirinovskij-block. erstere vertreten die aussterbende generation Ü 60, letzterer ist eine art truppe von polit-clowns, angeführt von einem notorischen säufer mit hang zur übertreibung, der selbst in russland nicht wirklich ernstgenommen wird.und die gleichsetzung von stalin mit hitler hinkt. während beide gleichermaßen unsägliche verbrecher waren, hat stalin ein kleines bisschen mehr auf der habenseite zu verbuchen als hitler mit seinen autobahnen: ohne stalin wäre deutschland irgendwo am ural zuende, der lebensstandard jenseits davon in etwa so wie in somalia (aber kälter), und der gesamte raum zwischen oder und volga eine spielwiese arischer siedler, die ihre leibeigenen untermenschen zum pflügen vor den karren spannen. wenn sie das nicht anerkennen wollen, können sie gerne stalin mit hitler gleichsetzen. in russland fällt die bewertung verständlicherweise anders aus.trotzdem ist da eine diskussion am gange, die man aber nur dann bewerten kann, wenn man weiß, wer da genau diskutiert, und mit welchen argumenten diese diskussion geführt wird. der faz-artikel, den sie zitieren, zeigt gewisse ansätze auf, zeichnet aber kein gesamtbild.

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