Kämpfe um Südossetien Kriegsrecht in Georgien offiziell

Die Kämpfe zwischen Russland und Georgien um die Region Südossetien haben schwere Zerstörungen verursacht. 2000 Menschen sollen bereits gestorben sein, Zehntausende auf der Flucht. Beobachter fürchten einen Flächenbrand im Südkaukasus

Im eskalierenden Konflikt um die von Georgien abtrünnige Region Südossetien hat der georgische Präsident Michail Saakaschwili das Kriegsrecht ausgerufen. Das Parlament in Tiflis bestätigte das Dekret. Damit ist der Kriegszustand offiziell in Kraft. Mit Beginn vom Samstag gelte er landesweit für die kommenden 15 Tage, meldete die Agentur Interfax aus Tiflis.

Zuvor hatten russische Streitkräfte laut Tifliser Medien unter anderem die georgische Hafenstadt Poti mit Bombenangriffen zerstört. Die südossetische Hauptstadt Zichinwali wird weiter heftig umkämpft. Der russische Präsident Dmitri Medwedew verteidigte am Samstag die schweren Militärschläge. Die russischen Soldaten hätten die Aufgabe, auf georgischer Seite für Frieden zu sorgen. «Sie haben die Verantwortung, unsere Bevölkerung zu schützen. Mit alledem befassen wir uns jetzt», sagte Medwedew der Agentur Interfax zufolge.

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Unterdessen gibt es erste Hinweise auf eine Ausweitung des Konflikts. So haben Kampfbomber am Samstag auch georgische Stellungen in der Konfliktregion Abchasien beschossen. Betroffen sei das von Georgien kontrollierte obere Kodori-Tal, sagte der Sekretär des georgischen Nationalen Sicherheitsrats, Alexander Lomaia, in einer Telefonkonferenz. Es gebe Tote und Verletzte. Die Führung in der von Georgien abtrünnigen Region Abchasien bestätigte die Angriffe. Es handele sich aber um abchasische und nicht um russische Flugzeuge, hieß es.

Mit Russland und Georgien stehen sich zwei höchst ungleiche Gegner gegenüber. Dem russischen Heer gehören 395.000 Soldaten an, dem georgischen nur 17.767, die Wehrdienstleistenden jeweils eingeschlossen. Während in Russlands Luftwaffe 160.000 Menschen organisiert sind, verfügt Georgiens Luftwaffe nur über 1310 Soldaten. Ähnlich stellt sich das Kräfteverhältnis bei den Paramilitärs und der Betrachtung aller wehrtauglichen Personen dar. Die russische Armee hat 23.000 Kampfpanzer, 9.900 Panzer für den Mannschaftstransport, Zehntausende Artilleriegeschütze und 17.36 Kampfflugzeuge zur Verfügung. Georgien besitzt lediglich 128 Kampfpanzer, 44 Transportpanzer, 109 Artilleriegeschütze und 9 Kampfflugzeuge.

Im Südkaukasus mehrten sich Berichte, dass der am Freitag begonnene Krieg bereits jetzt zu einer humanitären Katastrophe geführt habe . In Südossetien und Georgien seien mehrere hundert Gebäude in Schutt und Asche gelegt worden. Zehntausende Menschen aus Südossetien seien ins benachbarte Russland geflüchtet. 2000 Menschen sollen durch die Kämpfe bereits gestorben sein. Auch auf georgischer Seite gab es Medien zufolge viele Tote. Unabhängige Angaben lagen allerdings nicht vor.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow beschuldigte Georgien, mindestens 15 Friedenssoldaten in Südossetien getötet und Dutzende verletzt zu haben. Ohne die USA direkt zu nennen, warf Lawrow dem Westen vor, Saakaschwili in den vergangenen Jahren bei der Militarisierung seines Landes unnötig unterstützt zu haben. Russische Militärs bestätigten am Samstag den Abschuss von zwei eigenen Kampfflugzeugen durch georgische Streitkräfte.

Beobachter befürchten, dass sich der Krieg zu einem Flächenbrand ausbreiten könnte. Georgien hatte am Freitag den Abzug von 1000 eigenen Elitesoldaten aus dem Irak bekanntgegeben. Die ebenfalls von Georgien abtrünnige Region Abchasien warnte Tiflis vor einer weiteren Militarisierung an seinen Grenzen. «Ich bin sicher, er (Saakaschwili) wird wieder eine Niederlage erleiden», sagte Lawrow angesichts der letzten schweren Auseinandersetzungen mit vielen Toten in der Region im Jahr 2004.

Moskau wies Darstellungen zurück, es handele sich bei dem Südossetien-Konflikt um einen Krieg zwischen Russland und Georgien. Der Außenminister sieht Russlands Position als «Beschützer» Südossetiens. 90 Prozent der Einwohner dort haben russische Pässe. Südossetien verlangt nach dem Vorbild des Kosovos eine international anerkannte Unabhängigkeit, um sich anschließend freiwillig mit der russischen Teilrepublik Nordossetien zu vereinigen. Völkerrechtlich gehört die Bergregion aber zu Georgien, das seinen Anspruch nun mit militärischen Mitteln geltend macht.

Nach anderen Ländern hat nun auch Iran zu einem umgehenden Ende der Kämpfe in Südossetien aufgerufen. «Wir sind äußerst besorgt über die Krise, die bereits viele unschuldige Menschen das Leben gekostet hat», sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Teheran am Samstag nach Angaben der Nachrichtenagentur IRNA. Die Konfliktparteien müssten «konstruktiv» verhandeln, andernfalls drohten schwerwiegende Folgen für den gesamten Kaukasus. Iran werde alles tun, um die Krise zu bewältigen, hieß es.

 
Leser-Kommentare
  1. Was soll ein so veralteter Bericht hier? Die Entwicklung ist weiter gegangen.Hat man keine aktuelleren Informationen über Georgien?

  2. Nach meiner Kenntnis wird der Westen den Georgiern immer verhasster, weil er dabei ist, ihre Kultur und ihre Traditionen zu zerstören.Viele würden einen russischen Vebündeten vorziehen, wenn Sie die Wahl hätten. In Präsident Saakaschvili sehen sie nur einen verlängerten Arm der amerikanischen strategischen Interessen in Georgien. Am liebsten wären sie ein unabhängiger Staat wie die Schweiz und hätten überhaupt keine Einmischung von Hegemonialmächten zu erdulden.

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