Netzliteratur Blättern per Mausklick
Was Myspace den Musikern, ist Bookrix den Geschichtenerzählern. Auf diesem neuen Internetportal können Freizeitautoren ihre Texte veröffentlichen – in der guten, alten Buchform

© BookRix
Auf Bookrix.com werden Autorentexte zu virtuellen Büchern
Das Internet ist voll von Hobby-Rezensenten und Freizeitautoren. Während die Bauchgefühlkritiker sich auf Seiten wie Amazon.com austoben können, sind Schlafzimmerschriftsteller jedoch bislang kaum aufgefallen. Das soll sich nun ändern: Auf Bookrix.com können sie Texte in buchartige Form bringen und zudem die Vorteile eines sozialen Netzwerks genießen.
In den ersten zwei Monaten meldeten sich bereits mehr als 300 User an und veröffentlichten rund 500 Texte. Im Gegensatz zu Word-Dokumenten oder E-Books im pdf-Format erinnern die Texte auf Bookrix.com tatsächlich ans herkömmliche Buch: Der Falz wirft einen Schatten, und das Umblättern der Seiten geht per Mausklick. Zwar bleibt fraglich, wieso sich Texte in einem neuen Medium an einem 2000 Jahre alten Format orientieren sollten. Aber wer des vertikalen Abscrollens von Texten überdrüssig ist, mag diese Variante des E-Books begrüßen.
Als jüdische Sektierer für ihre heiligen Texte eine reisefreundlichere Form suchten, erfanden sie das Buch: Im Gegensatz zum gerollten Alten Testament waren die Schriften des Neuen Testaments gebunden. Seitdem gibt es eine Mystik des Folianten, die sich offenbar auch im Internet erhalten hat. Denn vielen Bookrix-Nutzern geht es nicht primär um die Möglichkeit, Texte zu veröffentlichen. Sie wollen vielmehr ein „richtiges“ Buch herausbringen. Der User „Kariologiker“ wollte sich „ohne großen Aufwand eine Illusion davon verschaffen, wie ein oder mehrere Texte sich als Buch darstellen würden.“ Auch „mathias.erhart“ betont das „ansprechende Format“, in dem Texte als „fertiges Produkt“ besser wirken als in anderen Varianten der elektronischen Darstellung. Kein Wunder: Die Buchgestalt ist im europäischen Kulturkreis etwas Besonderes, das wirkt auch im Internet nach.
Gemessen an den Nutzer-Kommentaren ist der Plan der Bookrix-Gründer Gunnar Siewert, Alex Racic und Davor Drezga also aufgegangen – sie wollten eine Plattform für „einfach schöne Online-Bücher“ entwickeln. Seit April 2007 werkeln die Münchner mit elf Mitarbeitern an der Internetseite. Den Anstoß tat Siewerts Frau, die vergeblich „so etwas wie Myspace für Bücher“ gesucht hatte. Siewert war verblüfft, dass das Web 2.0 um Bücher einen großen Bogen gemacht hatte und beschloss, den Autoren die Technik bereitzustellen, die Musiker mit Myspace.com und Filmemacher mit Youtube.com bereits haben.
- Datum 14.08.2008 - 16:40 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Endlich Schluß mit den Anzeigen "Wir lauern schon seit Wochen ungeduldig auf Ihr Manuskript aber vergessen Sie nicht einen nicht unbedeutenden Scheck beizulegen".
Das Konzept "Eigene Texte hochladen und verkaufen" ist gerade in aller Munde. Den Anfang machte wohl XinXii und ist neben bookrix gerade für Autoren ohne Verlag eine willkommene Plattform.
Ich hab mich mal kurz umgesehen, auf bookrix. Auch ein Comic-Heft im A4-Format hochgeladen. Aber mit der Anzeige klappte es nicht. Technisch ist bookrix noch nicht auf der Höhe. Vom altbackenen Design ganz zu schweigen. Da können und sollten sich die Macher noch einiges von myspace abschauen. Nachdem ich für mein Werk zwei nette Kritiken eingeheimst habe, mich dafür bei den Kritikern und Autoren bedankt habe, wurde mir alsbald die Rute ins Fenster gestellt, ich solle doch auch die Werke der anderen beurteilen und bewerten. Aha. So funktioniert das also. Im Grunde bietet die Plattform eine Möglichkeit, seine Texte vorzustellen. Ob sie gelesen werden, ob sie gerecht beurteilt werden, nun, das steht auf einem anderen Blatt Papier.Richard K. Breuer
Illusionist & Schriftsteller [Link gelöscht, bitte keine Werbung. Danke. /Die Redaktion pt.]
Wenn es nur das altbackene Design wäre - viel schlimmer finde ich diese selbstgefällige Ansammlung von Möchtegern-Autoren dieser tollen "Bookunity", für die die Sammelbezeichnung "C-Jugend" noch reichlich übertrieben ist. Die albernen Gästebucheinträge und unfairen Bewertungen sagen ja wohl alles über diese Mitglieder aus. Außerdem ahnt man schon das Geschäftsmodell dieser "neuartigen Plattform" voraus, wenn man die schönen Elitepartner-Banner um seinen Text herumflattern sieht... Insgesamt blieb auch nach meinem ersten (und letzten) Besuch dort ein mehr als schaler Eindruck zurück; hinter den vielen, laut posaunten Versprechungen steckt nichts als heiße Luft. Ihr könnt sagen was ihr wollt: es führt kein Weg um die altehrwürdigen Verlage als Qualitätsfilter herum - und die Vorstellung, dass Fischer, Rowohlt oder Suhrkamp von solchen, das niedrigste Schreibniveau zum Non-plus-ultra erhebenden "Buchmaschinen" abgelöst werden könnte, hinterlässt zumindest bei mir das kalte Grausen.
Zur Form: Ich frage mich immer wieder, weshalb man anscheinend auf einer verkrampften Suche nach der neuen Form ist. Ein gebundenes Buch optisch darzustellen und mit der Funtion des virtuellen Umblätterns zu versehen, mag vielleicht auf den ersten Blick nett erscheinen. Fakt ist aber, dass es, um es in eben elektronischer Form zu lesen, unpraktisch ist.Die Form sollte sich am Gegenstand, dem des Lesens, orientieren. Da eine meterlange Schriftrolle nur wenig praktikabel ist, hat sich die Form des gebundenen Buches als optimale Gestalt entwickelt.Ebenso haben sich für die Nutzung am Bidschirm andere, dem Medium entsprechende und optimierte Formate etabliert. Hier sind Faktoren wie Ergonomie und Fokussierung auf den eigentlichen Sinn und Zweck, nämlich den des Lesens, zu berücksichtigen. Von Typographie und Layout möchte ich hier gar nicht erst sprechen.Warum also das Rad neu erfinden?Warum ein anderes Medium imitieren?Zum Inhalt: Das Internet ist eine Plattform freier Äußerung, und das ist auch gut so, allerdings gibt es Teilbereiche, Foren, Veröffentlichungsportale etc. die eine Moderation, vielleicht auch eine Art Qualitätsmanagement erfordern, damit sie ihrer Intention in vernünftigem Maße gerecht werden. Solche Regulative sollen nicht einschränkend oder vorschreibend wirken, sondern vielmehr kanalisierend im Hinblick auf die Zielsetzung sein.Im Straßenverkehr gibt es auch Regeln, die einen gewissen *Qualitätsstandard* erhalten sollen und in diesem Sinne von allen Teilnehmern zu befolgen sind ;-)Möglicherweise hapert es an dieser Stelle.Nichtsdestotrotz, optimieren und weiterentwickeln läßt sich so etwas allemal.Besten GrüßeU.K. (lese lieber *echte* Bücher ;-)
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