Netzliteratur Blättern per MausklickSeite 2/2

Wie ein echtes Buch ist auch das Bookrix-Buch mobil. Durch einen Code kann jeder Nutzer sein Werk auf anderen Seiten, z. B. in Blogs, einbinden. Diese Eigenschaft könnte das Marketing der Buchverlage verändern: Leseproben könnten ohne großen Aufwand im Netz verbreitet werden. Virales Marketing, das Verschmelzen von Sender und Empfänger in der Werbung, würde im Buchbereich erleichtert. Mehr als 20 große Verlage hätten Gunnar Siewert ihre „grundsätzliche Bereitschaft“ zur Kooperation signalisiert.

Es ist also gut möglich, dass in den nächsten Monaten mehr und mehr Texte im Netz herumgereicht werden. Vielleicht gibt es sogar bald Autoren und Autorinnen, die durch ihren Erfolg im Web 2.0 zu einem Verlagsengagement kommen und nicht die verlagsinternen Auswahlprozesse durchlaufen müssen. Im Musikgeschäft ist es mittlerweile recht üblich, dass Musiker über ihre Myspace-Seiten an Plattenverträge gelangen.

Wie steil der Karriereweg geht, hängt allerdings meist von der Güte des Werks ab, in diesem Fall von der Qualität der präsentierten Texte. Noch sind die Chancen gering, auf Bookrix.com seinem neuen Lieblingsautor über den Weg zu laufen. Aber zwischen den unvermeidlichen Vereinschroniken (30 Jahre Bergkicker Oyten. Die wahnsinns Geschichte einer Fußballmannschaft von Thomas S.) und Mittelaltermarkt-Prosa (DorSha K'haVeSha – Macht oder Fluch (1) von TaShiRa) finden sich auch einige unterhaltsame Texte. Mathias Hagenbäumer beispielsweise gelingt mit seiner Telefon-Serie durch hohes Erzähltempo und häufige Orts- und Perspektivwechsel ein lesenswerter Pulp-Ficton-Fortsetzungsroman.

Zurzeit ist Bookrix.com besonders wegen seines technischen Potenzials interessant, die Buchwelt ins Web 2.0 zu führen. Wenn jetzt noch einige renommierte Autoren „Viralität“ erlernten und das Internet derart verkaufsfördernd und kreativ nutzten, könnte Bookrix auch inhaltlich spannend werden. Momentan gleicht das Portal einer Fußballpartie der örtlichen C-Jugend: Man freut sich weniger über das Spiel als über das Potenzial seiner Spieler.

 
Leser-Kommentare
  1. Endlich Schluß mit den Anzeigen "Wir lauern schon seit Wochen ungeduldig auf Ihr Manuskript aber vergessen Sie nicht einen nicht unbedeutenden Scheck beizulegen".

  2. Das Konzept "Eigene Texte hochladen und verkaufen" ist gerade in aller Munde. Den Anfang machte wohl XinXii und ist neben bookrix gerade für Autoren ohne Verlag eine willkommene Plattform.

    • dschun
    • 14.08.2008 um 17:48 Uhr
    3. Naja.

    Ich hab mich mal kurz umgesehen, auf bookrix. Auch ein Comic-Heft im A4-Format hochgeladen. Aber mit der Anzeige klappte es nicht. Technisch ist bookrix noch nicht auf der Höhe. Vom altbackenen Design ganz zu schweigen. Da können und sollten sich die Macher noch einiges von myspace abschauen. Nachdem ich für mein Werk zwei nette Kritiken eingeheimst habe, mich dafür bei den Kritikern und Autoren bedankt habe, wurde mir alsbald die Rute ins Fenster gestellt, ich solle doch auch die Werke der anderen beurteilen und bewerten. Aha. So funktioniert das also. Im Grunde bietet die Plattform eine Möglichkeit, seine Texte vorzustellen. Ob sie gelesen werden, ob sie gerecht beurteilt werden, nun, das steht auf einem anderen Blatt Papier.Richard K. Breuer
    Illusionist & Schriftsteller [Link gelöscht, bitte keine Werbung. Danke. /Die Redaktion pt.]

  3. Wenn es nur das altbackene Design wäre - viel schlimmer finde ich diese selbstgefällige Ansammlung von Möchtegern-Autoren dieser tollen "Bookunity", für die die Sammelbezeichnung "C-Jugend" noch reichlich übertrieben ist. Die albernen Gästebucheinträge und unfairen Bewertungen sagen ja wohl alles über diese Mitglieder aus. Außerdem ahnt man schon das Geschäftsmodell dieser "neuartigen Plattform" voraus, wenn man die schönen Elitepartner-Banner um seinen Text herumflattern sieht... Insgesamt blieb auch nach meinem ersten (und letzten) Besuch dort ein mehr als schaler Eindruck zurück; hinter den vielen, laut posaunten Versprechungen steckt nichts als heiße Luft. Ihr könnt sagen was ihr wollt: es führt kein Weg um die altehrwürdigen Verlage als Qualitätsfilter herum - und die Vorstellung, dass Fischer, Rowohlt oder Suhrkamp von solchen, das niedrigste Schreibniveau zum Non-plus-ultra erhebenden "Buchmaschinen" abgelöst werden könnte, hinterlässt zumindest bei mir das kalte Grausen.

  4. Zur Form: Ich frage mich immer wieder, weshalb man anscheinend auf einer verkrampften Suche nach der neuen Form ist. Ein gebundenes Buch optisch darzustellen und mit der Funtion des virtuellen Umblätterns zu versehen, mag vielleicht auf den ersten Blick nett erscheinen. Fakt ist aber, dass es, um es in eben elektronischer Form zu lesen, unpraktisch ist.Die Form sollte sich am Gegenstand, dem des Lesens, orientieren. Da eine meterlange Schriftrolle nur wenig praktikabel ist, hat sich die Form des gebundenen Buches als optimale Gestalt entwickelt.Ebenso haben sich für die Nutzung am Bidschirm andere, dem Medium entsprechende und optimierte Formate etabliert. Hier sind Faktoren wie Ergonomie und Fokussierung auf den eigentlichen Sinn und Zweck, nämlich den des Lesens, zu berücksichtigen. Von Typographie und Layout möchte ich hier gar nicht erst sprechen.Warum also das Rad neu erfinden?Warum ein anderes Medium imitieren?Zum Inhalt: Das Internet ist eine Plattform freier Äußerung, und das ist auch gut so, allerdings gibt es Teilbereiche, Foren, Veröffentlichungsportale etc. die eine Moderation, vielleicht auch eine Art Qualitätsmanagement erfordern, damit sie ihrer Intention in vernünftigem Maße gerecht werden. Solche Regulative sollen nicht einschränkend oder vorschreibend wirken, sondern vielmehr kanalisierend im Hinblick auf die Zielsetzung sein.Im Straßenverkehr gibt es auch Regeln, die einen gewissen *Qualitätsstandard* erhalten sollen und in diesem Sinne von allen Teilnehmern zu befolgen sind ;-)Möglicherweise hapert es an dieser Stelle.Nichtsdestotrotz, optimieren und weiterentwickeln läßt sich so etwas allemal.Besten GrüßeU.K. (lese lieber *echte* Bücher ;-)

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