Häuserfassaden huschen vorbei, Autos rasen auf den Betrachter zu, ein Fahrstuhl rumpelt. Jemand drischt auf ein Schlagzeug ein, Flöten- und Trompetentöne vermischen sich miteinander. Mit Kameras und Tonrekordern hat eine Schülergruppe Großstadteindrücke am Potsdamer Platz eingefangen und zu einer multimedialen Installation verarbeitet. Im Foyer der Berliner Philharmonie laufen auf mehreren Leinwänden Videobilder ab, sie sind mit elektronisch gespeicherten Straßengeräuschen und improvisierten Instrumentalklängen unterlegt.

Als die Jugendlichen im Herbst 2003 ihre Version von Heiner Goebbels' Surrogate Cities präsentierten, stand die Bildungsarbeit der Berliner Philharmoniker noch am Anfang. Ein Jahr später machte der Film Rhythm is it! die von Chefdirigent Sir Simon Rattle angestoßenen Projekte international bekannt. Inzwischen ist das Programm Zukunft@BPhil aus dem Berliner Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Klassische Musik – das ist Rattles Vision – soll möglichst viele Menschen erreichen, unabhängig von Alter, Vorbildung und sozialer Herkunft. Dazu verlässt das Orchester immer wieder seine angestammte Spielstätte und besucht Schulen, Gefängnisse, Krankenhäuser und Seniorenheime.

Pamela Rosenberg, die Intendantin der Berliner Philharmoniker, zieht mehr als fünf Jahre nach dem Start von Zukunft@BPhil eine positive Bilanz. Das Programm sei inzwischen sehr breit angelegt, dennoch übersteige die Nachfrage das Angebot, sagt sie. Das zeige doch, wie gut die Projekte in der Stadt angenommen würden.

In der Saison 2008/09 ist erstmals eine Zusammenarbeit mit Berliner Kindergärten geplant. Auch wenn die Philharmoniker mit der Auslastung ihrer Säle zufrieden sein können, ist es wohl Zeit, sich um das Publikum von morgen zu kümmern.

Auch mit der Unterstützung privater Sponsoren ist diese Bildungsarbeit dennoch keine einfache Aufgabe. Musik klingt heute überall, kaum einer hört noch konzentriert hin. Catherine Milliken, die Leiterin von Zukunft@BPhil, beklagt, die Dauerberieselung führe dazu, dass das eigene Denken und die Vorstellungskraft immer träger würden. Die Projekte der Philharmoniker wollten daher die Teilnehmer zum kreativen Mitmachen anregen, sagt Milliken. Auf verschiedenen Wegen – über Film, Tanz und Literatur – könnten sie sich der Musik nähern.