Vladimir Nabokov Erste Auszüge aus seinem letzten Werk

Der "Lolita"-Autor wollte nie, dass sein Romanfragment "The Original of Laura" veröffentlicht wird. DIE ZEIT zeigt nun als erste und einzige Zeitung weltweit Auszüge daraus von 

Vladimir Nabokov, der am 2. Juli 1977 in einer Lausanner Klinik starb, hinterließ ein unvollendetes Manuskript mit dem Titel "The Original of Laura". Noch auf dem Krankenbett hatte er fieberhaft an der Fertigstellung des Romans gearbeitet, dem er den Untertitel "Dying Is Fun" („Sterben macht Spaß“) gab. Nabokov-Fans weltweit warten seit Jahren mit großer Neugierde auf das Werk.

Es sei ein regelrechter Wettlauf mit dem Tod gewesen, erklärt sein Sohn Dmitri, 74, der ZEIT: „Mein Vater fühlte, dass er bald sterben würde, aber er wollte unbedingt vor dem Tod an der Ziellinie sein.“

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Dmitri Nabokov, der den unvollendeten Roman auf Wunsch seines Vaters eigentlich hätte verbrennen sollen, hat dem Journalisten Malte Herwig Einblicke in den unvollendeten Roman gewährt.

Vladimir Nabokov hatte die Angewohnheit, seine Werke auf Karteikarten niederzuschreiben. Im Feuilleton der aktuellen ZEIT werden nun vier der noch nie veröffentlichten Karteikarten aus dem Manuskript gezeigt. „Schon auf den ersten Blick“, urteilt Herwig, „ist es ein typischer Nabokov-Text, nicht nur dank der ausgesuchten Wortwahl und Sprachartistik.“

Die vollständige Veröffentlichung dieses um ein Haar vernichteten, lang geheimen Romanfragments im September 2009 beim Rowohlt Verlag lässt eine literarische Sensation erwarten.

Lesen Sie die vollständige Geschichte in der neuen Ausgabe der ZEIT. Jetzt am Kiosk.

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Leserkommentare
    • nilybo
    • 13. August 2008 9:23 Uhr

    Ein Schlem, wer böses dabei denkt, dass Sie so stolz drauf sind, etwas zu veröffentlichen, was der Autor verbrannt wissen wollte.

  1. "Der "Lolita"-Autor wollte nie, dass sein Romanfragment "The Original of
    Laura" veröffenlicht wird. DIE ZEIT zeigt nun als erste und einzige
    Zeitung weltweit Auszüge daraus"Was wollen Sie dem Leser damit sagen? Vielleicht, dass die Zeit sicher über den Willen und Wunsch eines bereits verstorbenen hinweg setzt, um daraus mit maßloser  Respektlosigkeit Profit zu schlagen?Ist eine solche journalistische Aasgeier-Mentalität zulässig, die den eigenen Vorteil über jeglichen Anstand und Moral stellt? Dies möchte ich doch sehr in Frage stellen. Der Umstand, dass es sich um einen der wichtigeren Schriftsteller des 20. Jahrhunderts handelt, gestattet es einem wohl kaum sich über die einfachsten Grundregeln des Zusammenlebens hinweg zu setzen. Oder verliert man als vermeintliches "Genie" posthum jegliches Mitbestimmungsrecht an seinem Leben?Für meine Begriffe verabschiedet sich die ZEIT hier offensiv von elementaren Grundregeln und Werten und agiert damit auf dem Niveau eines reichlich ekligen Gossen-Journalismus. Vermutlich dürfen wir in Kürze damit rechnen, dass Sie auch "Privat-Pornos", wie das von Germanys-Next-Topmodel-Ikone Gina Lisa, als unverzichtbaren Beitrag zur Aufklärung der komplexen Gesamtpersönlichkeit einer wichtigen Person des Zeitgeists online stellen?

    • awaler
    • 13. August 2008 11:42 Uhr

    Zeit, was für Sitten !!
    Wie tief wollen Sie noch sinken? Weg von Frau Dönhoff, hin zu Boenisch? Warum nicht gleich Super-Illu?
    Schämen Sie sich nicht für diesen widerlichen Literaturvoyeurismus?

  2. Danke für Ihre Kritik. Aber Sie übertreiben:Nabokovs Sohn Dmitri hatte sich entschlossen, das Manuskript nicht zu verbrennen, sondern zu veröffentlichen. Und er zitiert seinen Vater: "Hätte mein Vater wirklich gewollt, dass dieser Roman nicht erscheint, hätte er ihn selber zerstört." Dmitri Nabokov muss inzwischen über den Nachlass seines Vaters entscheiden. Dass er das Fragment nicht verbrannt hat, davon mag jeder halten, was er will. Der Roman wird im kommenden Herbst bei Rowohlt erscheinen, das stand fest, bevor DIE ZEIT Auszüge veröffentlichen wollte. Als "widerlichen Literaturvoyeurismus" würde ich das nicht bezeichnen. Und denken Sie an Kafka: Er wollte auch nicht, dass seine Werke veröffentlicht werden. Nach seinem Tod tat Max Brod es trotzdem. Hätte er Kafka gehorcht, wären diese Meisterwerke uns allen verborgen geblieben.Herzlich,David Hugendick, ZEIT ONLINE Literatur

  3. Ich finde man hätte hier sich an den Wunsch des Autors halten sollen. Die Begründung, dass er ja das Werk hätte selbst zerstören können, finde ich absolut unzureichend, schließlich ist die emotionale Bindung des Künstlers an sein Werk zu Lebzeiten sicherlich eine andere. Vielleicht wollte er es nur für sich haben (so naiv das auch klingen mag). Bei der Krankenakte von Klaus Kinski hatte man doch auch hoch und heilig versprochen, nicht darüber zu schreiben (Zeit vom 07.08.08) und hier lag "bloß" eine Verfügung der Witwe vor, nicht des ehemalig Betroffenen. Da müsste man bei Nabokov nach dem Erst-Recht-Schluss sagen, dass man das dokument eben erst recht nicht vöffentlicht. Naja aber so lange es im Rahmen der Pressefreiheit gedeckt ist, ist alles im Lot.

  4. Mit Ihrem Versuch, überragende kulturelle Leistungen, aus dem Verfügungsbereich des Erschaffers heraus zu reißen und diese zu einem Gut der Allgemeinheit zu erklären, befinden Sie sich - was Ihr Wertesystem angeht - wohl nicht ganz im richtigen Kulturkreis. Wenn man einem solchen Denken folgt, was ja ohne weiteres vorstellbar ist, dann hätte dies weitreichende Konsequenzen: So wäre es zumindest ein wenig bigot, wenn man sich über die Wertschätzung deutschen Erfindertums in Form chinesischer Plagiate mokiert, nicht wahr Herr Hugendick?

  5. ... die arbeit an diesem buch, so ist zu lesen, war ein wettlauf mit dem tod. der tod hat gewonnen. nabokov, als sprachartist, hat die niederlage angenommen. wir, seine leser, können das urteil anfechten.

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  • Schlagworte Vladimir Nabokov | Roman | Rowohlt Verlag | Tod | Geschichte
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