100-Meter-Lauf Ein Jahrhundertrennen
Usain Bolt ist Weltrekord gelaufen, obwohl er 20 Meter vor dem Ziel schon mit dem Jubeln angefangen hat. Dieser Lauf wird ihn unsterblich machen.

© Mark Dadswell/Getty Images
Usain Bolt, der schnellste Mann der Welt
Was macht ein Mann an dem Tag, an dem er die Grenzen des Menschenmöglichen verschieben wird? Er schläft bis 11 Uhr. Kein Frühstück. Fernsehen. Nuggets essen. Noch mehr schlafen, drei Stunden lang. Noch mehr Nuggets essen. Dann geht er ins Stadion, läuft einen neuen Weltrekord über 100 Meter und gewinnt die Goldmedaille.
So sah er aus, der Tag von Usain Bolt. Viel war über dieses Rennen, das kaum zehn Sekunden lange Herzstück der Spiele, geredet, geschrieben, diskutiert worden. Dass hier nur ein Gedopter gewinnen kann. Dass es aber trotzdem einer der größten Sportmomente jemals werden könnte. Dass die Steigerungsmöglichkeiten auf dieser Strecke für einen Menschen aus Fleisch und Blut schon ausgereizt seien. Und dass nur einer von diesen drei gewinnen kann: Usain Bolt und Asafa Powell aus Jamaika sowie Tyson Gay aus den Vereinigten Staaten.
Und dann wird bereits zweieinhalb Stunden vor dem Finale ein Drittel aller Theorien zu diesem Rennen über den Haufen geworfen. Sichernd schaut Tyson Gay von seiner Außenbahn 9 nach innen, um zu sehen, wie locker er wohl seine Konkurrenten hinter sich gelassen hat. Doch da ist sein olympischer Traum bereits zerstoben – Platz 5 im Halbfinale bedeutet das Aus. „Ich wollte Tyson haben in diesem Finale“, sagt Bolt später mit vollem Mund, er knuspert auf der Pressekonferenz entspannt einen Riegel weg. „Ich hab ihm gesagt: Sei bloß in Form. Jetzt muss ich auf die nächste Saison warten.“
Nichts ist diesem Schlaks anzumerken von dem Druck, der auf ihm gelastet haben muss. Locker ist er wie in all den Tagen zuvor. Wie macht er das? „Ich bin erzogen in einem christlichen Elternhaus. Ich bete jeden Abend, und Gott hilft mir, ich selbst zu bleiben.“ Und die Gesten vor und nach dem Start, das Zielen ins Publikum, was hat das zu bedeuten? „Nur ein Spaß. Ich hab einfach Spaß und tanze gern, das müsstet ihr jetzt eigentlich alle gemerkt haben.“
Gar nicht mehr aufhören zu laufen will er unmittelbar nach seinem Jahrhundertrennen. Begonnen hat es mit der ohrenbetäubenden Stille von 90.000 Menschen, die schweigen. Eben noch hat das Stadion getobt. In Einspielfilmen wurden die Kontrahenten vorgestellt, das hat es bei keinem anderen Wettbewerb bisher gegeben. Das Publikum jubelt sich auch selbst zu, weil jeder einzelne stolz darauf ist, es hierher geschafft zu haben.
Mehr als 20 Kameras, die über Funk bedient werden, blühen wie seltsame Blumen auf dem Rasen neben der Ziellinie. In ihrer Verlängerung stehen hunderte Fotografen auf einer Tribüne, Objektive dick wie Ofenrohre im Anschlag, damit nur ja kein Bruchteil dieses Rennens für die Ewigkeit verloren gehen möge. Wild schaukeln Fledermäuse durch das gleißende Licht, nicht wissend, wohin sie entkommen können. Dann bittet der Stadionsprecher um Ruhe. Nur ein Hubschrauber hoch über dem Vogelnest stört die Stille.
Dann knallt es endlich.
Den Rest wird man jetzt immer wieder sehen können, im Fernsehen, in Jahres-, in Jahrzehntrückblicken. Wie Bolt das ganze Rennen über nach rechts schaut, wo sein Landsmann Powell läuft. Wie er die Arme ausbreitet, als er ihn nicht mehr sieht. Da sind noch zwanzig Meter zu laufen. Wie er sich auf die Brust schlägt. Da ist er immer noch nicht im Ziel. Wie die Uhr stehen bleibt, bei 9,68 Sekunden, die wenig später auf 9,69 korrigiert werden. Kein Wind. Alles schreit.
Die ganze Kurve braucht er zum Auslaufe. Irgendwann hält er an, nimmt die schwarz-grün-gelbe Flagge Jamaikas, von irgendwoher kommen noch ein paar goldene Schuhe. Usain Bolt tanzt, er herzt, er küsst. Und im Publikum schauen sich alle ungläubig an: Dass wir da dabei waren! Und alle fragen sich, wie viel schneller als 9,69 Sekunden er hätte laufen können, wenn er durchgelaufen wäre und nicht schon 20 Meter vor dem Ziel mit dem Jubeln angefangen hätte. 9,60? 9,50? Ihm selbst ist das egal. „Ich hab noch keine Wiederholungen gesehen. Also kann ich dazu nichts sagen“, sagt er, nachdem er für den kurzen Weg vom Stadion zur Pressekonferenz 240 Mal so lange gebraucht wie für seinen Eintrag ins Sportgeschichtsbuch. Aber der Weltrekord sei ihm egal, „ich wollte einfach Champion werden. Ich wusste gar nicht, dass ich auf Weltrekordkurs war.“
Bolt hat gezeigt, dass die Grenze noch nicht erreicht ist. Aber vielleicht wusste er, dass ihn dieser Lauf genau deshalb unsterblich machen wird – weil er nicht durchgelaufen ist. Selbst wenn er in Zukunft nur noch Hamburger essen und für die 100 Meter 20 Sekunden brauchen wird – diesen Moment hier nimmt ihm keiner mehr. Und es scheint so, als könnte ihn auch auf absehbare Zeit keiner seiner Konkurrenten gefährden. „Ich war ja in einer komfortablen Situation, ihm zuzusehen“, sagt der Gewinner der Silbermedaille, Richard Thompson aus Trinidad und Tobago. „Als er davonlief, war ich guter Zweiter, darauf hab ich mich in Ruhe konzentriert. Ich sah ihn schon jubeln und musste selbst noch pumpen!“
Geht da also alles mit rechten Dingen zu? Kann einer so weit vorauslaufen, der bloß Nuggets ist? Die Zeit der aufgepumpten Kraftpakete, der michelinmännchenhaften Ben Johsons und Maurice Greens ist jedenfalls vorbei. Bolt ist ein langer Dünner. Deshalb kam er bislang schlecht aus den Blöcken. „Aber ich habe hart am Start und an den ersten 30 Metern gearbeitet. Danke an meinen Trainer.“
Wird er jetzt auch den Weltrekord über 200 Meter brechen? „Da mache ich mir keine Gedanken drüber. Ich will hier gewinnen, das ist das Hauptziel.“ Das Fett für seine Nuggets kann schon mal heiß gemacht werden.
- Datum 22.10.2008 - 12:12 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Dem staunenden Betrachter stellt sich natürlich die Frage: Gedopt - oder nicht gedopt? Die Dopingtests werden mit großer Wahrscheinlichkeit "nicht gedopt" ergeben. Aber natürlich weiß jeder, dass dies lediglich eine notwendige Bedingung für das Etikett "sauber" ist, aber längst keine hinreichende Bedingung. Gibt es andere Anhaltspunkte? Ja. Da ist zum einen der phantastische Weltrekord an sich, und dann die Art und Weise wie er erlaufen wurde. FAchleute werden sicher die ungefähre Zeit ermitteln können, die Bolt gelaufen wäre, hätte er das Rennen nicht nach 80 Metern "beendet". Ich schätze mal, es hätten sich ca 9,6 s ergeben. Und das ohne Windunterstützung und auf der "Hochebene" von Peking. Das ist einfach eine Zeit, die zu gut ist, um wahr zu sein. Ein weitere Auffälligkeit ist auch die seltsame Beziehung zu seinem Trainer. Das Theater um die Frage, ob Bolt überhaupt über die 100 m starten solte, ist schon etwas irritierend. Die beiden wussten doch aus Trainingsergebnissen, dass sie die 100 m in Peking locker gewinnen würden. Auch der größte Konkurrent Asafa Powell wusste dies sicher, jedenfalls erklärt sich so dessen Verkrampfung. Der junge Athlet Bolt scheint mir jedenfalls ein eher fragwürdiges Vertrauen zu seinem Coach zu besitzen, und vielleicht wurde er auch nicht bis ins letzte aufgeklärt, welche "Nahrungsergänzungsmittel" er nebst seinen "Nuggets" so zu sich nahm. Ich denke, ein mündiger Athlet entscheidet selbst über den Umfang seiner Wettkämpfe. Diese "Unmündigkeit" flößt mir jedenfalls kein Vertrauen ein. Dennoch bleibt der Zweifel, ob es sich bei Bolt nicht doch um ein Supertalent handeln könnte. Aber aus diesem Dilemma kommt der Sport so schnell nicht raus!Mein Urteil jedoch: Gedopt! Schade...
was denn sonst! Am Rennanzug kann es ja wohl nicht gelegen haben.Alls das erstaunt nicht sehr; was jedoch bei mir für Aufstoßen sorgt, ist die sogenannte "Berichterstattung" des Herrn Siemes, die jeder Wochenschau gerecht würde. "Dieser Lauf wird ihn unsterblich machen." Der kriegt sich ja kaum wieder ein im Sportpalast. Aber da ist er ja nicht allein. Seine Kollegen von Funk und Fernsehen haben sich längst von der kritischen Berichterstattung über diesen Mummenschanz verabschiedet. Einfach nur abstossend. Kant ist gross!
Is doch klar, die ganze Olympia is gedoped, das zeigten doch schon die Minütigen Weltrekordleistungen im schwimmen, da habe ich mich schon halb tot gelacht so ein schwachsinn.Naja ich tu mir das nich mehr, jämmerlicher haufen.
selbst eine sogenannte Wochenzeitung für Poltitk, Wirtschaft, Wissen und Kultur schafft es nicht, sich von den allgemeinen Jubelarien auch nur etwas zu distanzieren und mit gesundem Menschenverstand heran zu gehen!Allein dieser entwas zu kurz gedachter Satz zeigt doch die Problematik der Berichterstattung:"Bolt hat gezeigt, dass die Grenze noch nicht erreicht ist. Aber
vielleicht wusste er, dass ihn dieser Lauf genau deshalb unsterblich
machen wird – weil er nicht durchgelaufen ist."welcher Sportler bei Olympia gibt denn nur 80%, damit die nachfolgenden Generationen noch Spass daran haben können, einen neuen Rekord aufzustellen...und warum wird er unsterblich, wenn er beim beim nächsten Olympia erwartungsgemäß sowieso geschlagen wird?aber er wusste wohl das die Chemiebaukästen in 4 Jahren sowieso besser sind!und wäre er richtig durchgelaufen, hätten sich wohl einige der Jubel-Journalisten (und vielleicht sogar eingie von der 'Zeit') gezwungen gesehen, die Superstimmung mit ungebetener Kritik einzutrüben - das hat man ja nun elegant umschifft und versprüht dafür sogar noch Lob (welch selbstlose Aufopferung für die Generationengerechtigkeit ;)p.s. ich frage mich sowieso, weshalb nicht mehr Live-Science-Konzerne bei Olympia als Sponsoren auftreten - damit könnten sie doch einem großen Publikum sehr leicht die überzeugende Wirkung ihrer neuen Produkte näher bringen ... Motto: "Gold bei Olympia: Das schaffen Sie auch - rezeptfrei !"
.... muss ich Usain Bolt zollen ! Er hat natürlich leistungssteigernde Mittel genommen aber die anderen im Endlauf halt auch! Und jetzt noch einmal für alle die's noch nicht wissen : nur mit hartem Training und Talent schafft man diese Leistung, und man muss dopen wenn man gewinnen will weil's alle machen (müssen) .
allgemeine Korruption. Frei nach dem Motto, macht doch schließlich jeder. Warum denn noch in der Welt der anständigen Menschen sich aufregen wollen? Hallelujah, bringt eh nichts.debrasseur
allgemeine Korruption. Frei nach dem Motto, macht doch schließlich jeder. Warum denn noch in der Welt der anständigen Menschen sich aufregen wollen? Hallelujah, bringt eh nichts.debrasseur
training, talent und dope - wirkt so gut, dass er nun immer schneller sein wird als der tod. klar, der muß ja immer noch ne sense mitschleppen! das sind doch unfaire bedingungen, oder?
Weil natürlich gedopt !
Und was Jahrhundertlauf angeht, wär ich mal sehr dafür, Serum und Urin mal für 20 Jahre tiefzugefrieren !
Hallo,das letzte mal das ich einen so überlegenen Sieger in Sprint gesehen haben war 1988 Ben Johnson. Die Technik ist heute natürlich weiter und man wird vielleicht in 5 Jahren(Proben werden eingefroren) wissen was er genommen hat. Ich glaube nicht das Profisport jemals Dopingfrei sein wird.
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