Lebensberatung
Das gecoachte Ich
Wer in der globalisierten Welt mitspielen möchte, nimmt sich einen Lebensberater. Ob Manager oder Kindergärtnerin - jeder will sich optimieren

© Michael Herdlein für DIE ZEIT
Sie leiten eine Bremer Beratungsfirma und verdienen ihr Geld als Coach: Yvonne Bader und Peter Hahl
Vor etwa fünf Jahren hat es in Deutschland einen Wendepunkt gegeben. Bis 2003 wurde belächelt, wer sich coachen ließ. Er war stigmatisiert als Verlierer, Schwächling, Kranker. Wer zum Coach ging, tat es im Geheimen.
Seit 2003 gilt Coaching als Zeichen höchster Wertschätzung. Wenn ein Arbeitnehmer von seinem Arbeitgeber einen Coach zur Seite gestellt bekommt, ist das ein Signal: Wir schauen auf Dich! In Dich wollen wir investieren! Mittlerweile hat vermutlich jede Führungsperson ihren ständigen Coach, in Großkonzernen werden ganze Abteilungen regelmäßig durchgecoacht, und selbst Kindergärtnerinnen lassen sich vom Coach durch den Arbeitsalltag führen.
Coaching ist selbst ein Markt geworden, so diversifiziert wie die Nachfrage nach ihm. Es gibt Coachs für Fitness, Ernährung, Partnerschaft, Dating, Benimm, Sex, Zeit, Hunde, Euro, Kreativität, Kommunikation, Image, Stil, für Vorstände, Führungskräfte, Freiberufler, für Teams und Einzelpersonen, für Jedefrau, Jedermann, das allgemeine ICH.
Der Coach rät nicht, er fragt; er reagiert und holt mit Empathie und Intuition hervor, was verschütt gegangen zu sein scheint. Ziel eines gelingenden Coachings ist immer die Frage an den Coachee: Was willst DU? Vier, sechs, acht Stunden lang geht es in Variationen nur um diese eine, vergleichsweise simple Frage. Die Antwort ist nicht minder schlicht, hat aber Konsequenzen für das ganze Leben. Wann hat der aus sozialen Klammerungen gelöste Einzelne heute noch derart viel verdichtete Aufmerksamkeit allein für sich?
Anfang 2006 erhält der Markt-, Konsum- und Mediendexperte Gerd Zeitz ein unmoralisches Angebot. Sein Arbeitgeber bietet ihm eine schöne Summe Geld und will im Gegenzug nichts anderes, als dass Zeitz sich selbst freisetzt. Bis Ende 2007 soll er im Zuge einer Umstrukturierung das Unternehmen verlassen, in dem er 19 Jahre, zuletzt an leitender Position in der PR-Abteilung, gearbeitet hat. Um sich zu betäuben, kniet er sich in Arbeit. Der Kniefall reicht nicht. Mitte des Jahres 2006 merkt Zeitz, dass er mit der Situation nicht mehr klarkommt. Dass ein anderer über ihn verfügt, trifft ihn ins Mark. Er hört seine Kinder künftig sagen: "Unser Papa ist ja jetzt immer daheim", und seine Frau: "Fahr doch mal zum Getränkemarkt, wenn du sonst schon nichts zu tun hast..."
Der Job - er liebt ihn. Das Unternehmen - Zeitz fühlt sich rundum wohl. Die Kollegen - sie mögen ihn, er mag sie. Mit seiner Frau kann er über die anstehende Entlassung nicht sprechen. Er will sich und ihr nicht eingestehen, nicht mehr gebraucht zu werden. Er will keine Schwäche zeigen. Er leidet unter Herzklopfen und Schweißausbrüchen. Statt zu schlafen, stellt er sich Nacht für Nacht dieselbe Frage: "Was machst du in Zukunft mit dir und deiner Energie?" Seine direkte Vorgesetzte versteht ihn, schlägt ein Coaching vor, auf Abteilungskosten. Ein Kollege aus der Personlabteilung sieht in der Kartei der externen Firmen-Coachs nach.
- Datum 20.8.2008 - 18:31 Uhr
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<rant>Coaches sind das, was früher Freunde waren, als man sie sich noch leistete.Irgendwie traurig. Aber gut, jetzt haben Freundschaftsleistungen endlich einen Preis.Das kostenlose Ausheulen war ja eh suspekt. Fast kommunistisch ...</rant>
Naja, ist vielleicht etwas einfach, oder?Gute Freunde könne auch coachen; unter Umständen; oder unterstützen. Haben aber i.R. keinen Abstand. Freundschaftsleistungen sind generell uneingennützig - sonst wären sie ja keine. Und beim Coaching geht es nicht um's Ausheulen. Das ist im Preis mit drin, aber nicht Kern der Sache. Und Kommunismus ist wieder was anderes. Sorry, habe da eine andere Meinung...
auch psychotherapeuten. die schöne neue welt besteht darin, daß firmen heute auch das unter hipperem namen bezahlen. ich wundere mich immer, wie locker in jenen konzernen mit den tausendern und zehntausendern um sich geworfen wird, die den kleinen leuten Wucherpreise für basale beduerfnisse wie energie, wasser und mobilität abpressen.
Erst einmal Gratualtion zu diesem Zeit Artikel. Sauber recherchiert und das "für" und "Wider" gut getroffen. Was Freundschaftsdienste angeht bin ich der Meinung, das Coaching und "tiefe Gespräche" in Freundschaft nicht zu vergleichen sind. Im Coaching geht es um "professionelle" Gesprächs- und Fragetechniken, gepaart mit Methoden aus dem NLP und der humanistischen Psychologie (z.B. Schulz von Thun). Coaching ist Zukunftsorientiert, die Problem Ebene wird schnellstmöglichst verlassen. Coaching ist Ressourcen orientiert und stets positiv. Coaching kann Karrierebegleitend sehr "Erfolgreich" machen, weil Zielorientiert! Coaching kann aber auch "Klarheit" bringen, das die eigene Karriere nichts mehr mit dem "wahren" Ich zu tun hat und zum Umdenken, bzw. Aussteigen führen. Coaching ist eine moderne "Lebensberatung" für die unterschiedlichsten Bereiche des Lebens. Im Bereich Business Coaching hat sich Coaching etabliert, und dies ERFOLGREICH! Führungskräfte die sich coachen lassen, werden dies bestätigen.Das gleiche gilt übrigens für den Bereich des Spitzensports. Es gibt mittlerweile keinen Spitzensportler der sich NICHT coachen lässt. Diese mentale Hilfestellung bringt Sportler zu ungeahnten Leistungen (und das ohne Doping).www.compass-bc.de
Ein Segen, wenn ein Coach Psychotherapie macht...Die meisten Coaches jedoch verdienen Geld mit machtlosen Leuten ohne Aussicht auf Karriere, indem sie für diese Anpassungsstrategien entwickeln. Der Coach kennt die Strukturen und lehrt den äh Patienten, wie man den Spielraum für sich nutzen kann. Im Klartext: man lernt, wie man am besten duckmäusert.Es wäre vielleicht besser, wenn mehr Menschen öfter mal die Strukturen in Frage stellen würden.
Aber kann nicht die Strukturen am besten hinterfragen, wenn man fest auf eigem Geflecht steht? Wie in der Kunst. Es gibt Handwerker ohne große Kreativität, aber auch Kreative, die ihr Handwerk nicht beherrschen, nicht mal einen Teil davon. Kann da Kunst entstehen?
#1) Seh ich auch so. Freunde haben auch noch andere Vorteile, die mensch nicht mir Gold aufwiegen kann! Außerdem kennen mich Freunde und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, irgendeinem Dahergelaufenen mein ganzes Gedankengut preiszugeben, das er mir dann meine angeblichen Schwächen um die Ohren haut.Diese können nämlich auch Stärken sein, d.h. Duckmäusertum (wie des Teufels Anwalt schrieb) ist evtl. im Beruf weiterbringend, macht aber total kaputt. #2 und #3) Sind die "Trainer" wenigstens Psychologen??? Ich mein, die lernen ja wenigstens, wie weit sie zu gehen haben, irgendein Dahergelaufener eher nicht.So ein bescheuerter Schwachsinn, irgendwann werden noch die Müllmänner "gecoached", damit sie bei jeder Mülltonne, die sie bei strömenden Regen rumwuchten ein Lächeln aufm Gesicht haben*kopfpatsch*...Aufm AA gibts jetzt übrigens auch Coaches, die die Angestellten zu Gymnastik und Freundlichkeit animieren.
Richtig, nach den Strukturen
fragen! Eine moderne Struktur ist die Absolutheit der Arbeit, sich nur noch über Arbeit definieren, und diese eingeschränkt auf Arbeit zum Gelden. Benedikt von Nursia mit dem Titel "Vater des Abendlandes"
hat seine römischen Mönche gelehrt: Bete und arbeite! Die
freien Römer mussten in erster Linie arbeiten lernen; denn das
hatten über Jahrhunderte die Sklaven übernommen. Heute
müssten viele das Beten, zumindest das Sich-Besinnen wieder
lernen. Sonst wird die Arbeit zur besinnungslosen und damit zur sinnlosen Hast. Ein guter
Begleiter kann dabei sicher helfen.
Was ist falsch am Coachen? Ich habe Freunde und mit denen tausche ich mich aus. Es geht um Privates, Berufliches, das Alltagsgeschehen ect. Aber es gibt Dinge, die will und kann ich nicht mit meinen Freunden besprechen, weil sie berufspezifisch sind. Ich habe Kollegen mit denen ich mich austausche und von denen ich lernen kann und die von mir lernen. Aber deswegen halte ich Coaching nicht für grund falsch. Manchmal braucht es einfach einen Außenstehenden, oftmals sogar branchenfremden, der mir weiterhelfen kann.
Coaching ist eine Dienstleistung und wie in jeder Branche gibt es gute und schlechte Coaches. Ich hatte auch schon ein paar Coachings. Gemeinsam hatten sie alle, dass ich von ihnen gelernt habe. Sogar von den weniger guten Coachings. Denn manchmal ist es schon lehrreich zu sehen, wie ich es nicht machen sollte.
Also, nicht immer gleich ein Haar in der Suppe suchen, genauso wenig, wie man blind nur noch auf Coaching vertrauen sollte. Es ist eine Möglichkeit, sich zu verbessern, sowohl privat als auch beruflich.
...sondern um den Zynismus, der dieser "Dienstleistung" innewohnt.Und ich denke, die Grenzen zwischen bezahlter "Unterstützung/Führung/Augenöffnung" und "Selbstvergackeierung/Gehirnwäsche/Unterwürfigkeitsdenkenförderung" sind fließend. Es ist auch was anderes, ob der Trainer aufm Fußballplatz einem sagt: "Ej Karl-Heinz- Jürgen, als Stürmer taugst du nix, weil zu langsam, ich stell dich ins Mittelfeld" oder ein Vorarbeiter (egal welcher Art) seine Erfahrung weitergibt und einem rät: "Soundso gehts einfacher/besser, ansonsten kannste gerne zu mir kommen, wenn du nicht weiterweißt".Und "Coaching" als "outgesourcte" Persönlichkeitsbildung birgt halt Gefahren in sich. Die Persönlichkeit möge mensch sich dann doch alleine in Rückkkopplung mit dem Umfeld aufbauen und weiterentwickeln und nicht einem "Dahergelaufenen" überlassen, dem mensch dafür noch Kohle hinterherwirft!Für Neurosen gibts ausgebildete Psychologen, für Psychosen ausgebildete Psychater.Nur muß mensch auch bei nem "Tief" nicht gleich zu irgendjemanden hinrennen, sondern möge auch mal innehalten und Selbstreflektion üben. Davon hat mensch meines Erachtens mehr, als sich von irgendjemanden irgendwas in Frage stellen zu lassen.Und für "Rückschläge" und deren Aufarbeitung kann mensch zu nem Seelsorger gehen, meines Erachtens gibts auch außerhalb der Kirchen ehrenamtlich Tätige in dem Bereich.
In Zeiten einschneidender Veraenderungen, dramatischer Zaesuren oder Lebenskrisen ist fachmaennische Hilfe und Beratung durchaus sinnvoll und angebracht. Ob sich der, hoffentlich, qualifizierte Fachmann nun Psychologe, Therapeut oder Coach nennt ist dabei von untergeordneter Bedeutung. Fuer all die kleinen Unbillen und Wehwehchen des Lebens gab es frueher etwas, das hiess "Gesunder Menschenverstand"! Wenn man sich so in der Welt von heute umschaut, wird einem leider sehr schnell klar, dass gesunder Menschenverstand zu einer ausgesprochenen Mangelware geworden ist! Da rennt man, zum Beispiel, halt erstmal zum Ernaehrungscoach, wenn man ein paar Pfunde abnehmen will! Weniger (oder anders) essen und mehr bewegen, das kann man ja vielleicht spaeter mal probieren ...
Ich denke auch: Vieles, was sich Coaching nennt ist eine Form von Freundschaftsleistung, und wenn es - wie im Textbeispiel - nur darum gehen soll sich mal ausweinen zu können, scheint es regelrecht bedauerlich, dass jemand dafür Geld bezahlen muss (obwohl es nicht so erbärmlich ist wie bezahlen für Sex). Aber: subjektiv werden die Meisten wohl als Gewinn veerbucht, und es gibt gleichzeitig so ein paar Coachings, die eigentlich jeder schon im Schulalter gebrauchen könnte. Der Klassiker Rhetorik, erweitert um den Slogan "Selbstpräsentation", hinter dem sich auch Stimmtraining sowie Gestik- und Mimikanalyse verbirgt. Und ein paar Häppchen zur Psychoanalyse und Pädagogik vielleicht... für die eigene Seelenhygiene und zur Vorbeugung. Immerhin hatten wir letztes Jahr doppelt so viele Suizid-Opfer wie Verkehrstote! Wenn Du etwas wissen willst, frag keinen Gelehrten, sondern einen Erfahrenen!
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