Nicht politisch, sondern ganz persönlich wird Barack Obama zu Beginn des Nominierungsparteitags präsentiert werden – nämlich von seiner Ehefrau. Die ersten Bilder, die am kommenden Montag gut 20 Millionen Fernsehzuschauer erreichen werden, versprechen intime Einblicke in das Leben des Ehemanns und Vaters Obama. Michelle Obamas exponierte Rolle ist ein Novum in der Geschichte der Parteitage. Das hat seinen Grund: "Ich weiß, ich verlange viel von den Amerikanern", bekannte der Senator vor Kurzem in einem Interview. "Meine Lebensgeschichte ist nicht typisch für einen US-Präsidenten."

4400 Delegierte und 15.000 Medienvertreter aus insgesamt 130 Ländern werden nach Angaben der Demokraten beim Polit-Spektakel in Denver dabei sein. Die ersten drei Tage im sogenannten Pepsi-Center, in dem sonst die "Nuggets" ihre Basketball-Heimspiele geben, stehen unter den Leitthemen Einheit, Sicherheit und neue Ansätze für die Zukunft.

Doch bevor Barack Obama am vierten und letzten Tag seine Antrittsrede in dem 75.000 Menschen fassenden Stadion halten wird, stiehlt ihm die alte Führungselite der Partei noch ein letztes Mal die Schau: Sowohl Hillary als auch Bill Clinton dürfen eine Rede halten.

"Die Clintons haben den Parteitag gekidnappt", stichelt der rechtslastige Nachrichtensender FoxNews. "Bis zum letzten Augenblick wird es so aussehen, als ob sie die Kandidatur gewonnen hat." Hillary Clintons Name wird sogar zur Abstimmung stehen. Dies soll eine rein symbolische Geste sein, gefolgt von der offiziellen Freigabe ihrer Superdelegierten, die dann für Obama stimmen.

Die Geste gilt als großes Zugeständnis Obamas, der laut Umfragen bei Clinton-Anhängern nach wie vor nicht so richtig punkten konnte. Immerhin ist es 28 Jahre her, seit ein Kandidat der Demokraten auf dem Nominierungsparteitag mit einem starken innerparteilichen Rivalen zu kämpfen hatte. Damals verlor Ted Kennedy gegen Jimmy Carter, der die Präsidentschaft dann prompt an Ronald Reagan abgeben musste.

"Ich glaube, dass die Partei gestärkt wird, wenn alle das Gefühl haben, erhört worden zu sein", erläutert Hillary Clinton ihren Wunsch. Obama hielt davon anfangs wenig. Er denke nicht, dass die Partei diese "Katharsis" brauche, um die Gräben zu überbrücken, die die lange, bittere Vorwahl hinterlassen hat. Dass Clintons Anhänger nun doch die Genugtuung bekommen, ihre Stimme zunächst für die Kandidatin ihrer Wahl abzugeben, sieht die Partei als "Ölzweig", sagte ein nicht genannter Kongressabgeordneter dem Wall Street Journal.