Echolot Alice Schwarzer in hübschSeite 2/2

Das erste Heft der neuen Zählung widmet sich ausschließlich der schwarzen Musik. "Ein einziges Thema für ein ganzes Heft?", fragt der Redaktionsleiter Ernst Hofacker im Editorial. "Richtig, das ist das Prinzip von Sounds. Und warum auch nicht?" Warum auch nicht, als schwarze Musik gilt hier nämlich alles, was von schwarzen Musikern oder weißen Musikern mit schwarzer Stimme je aufgenommen wurde – Jazz, HipHop, Soul, Pop, Rhythm’n’Blues – und sich heute gut in Anzeigenverkäufe umsetzen lässt.

Carolin Neumann hat das Blatt für den Stern durchgesehen und kommt zu dem Schluss, das neue Sounds habe mit der Zeitschrift aus den Sechzigern nichts zu tun. Viele Texte stammten aus dem Archiv des Rolling Stone, so habe man "vieles in der Erstausgabe so oder so ähnlich schon einmal gelesen, wenn nicht sogar im Musikunterricht zu Schulzeiten gelernt". Zu Wort kämen jedoch auch diejenigen, die von der schwarzen Musik "beeinflusst wurden. So spricht Sounds zum Beispiel mit Smudo von den Fantastischen Vier, der sagt: Schwarz beschreibt für mich einen Sound, nicht eine Hautfarbe. Im Prinzip können auch grüne Marsmenschen schwarze Musik machen." Der Kolumnist Hack Finn sieht das anders.

In seiner Glosse Onkel Toms Bütte versteigt er sich auf der letzten Seite des neuen Magazins in einer abenteuerlichen Erklärung, weshalb weiße Menschen den Blues nicht singen könnten: Der "Neger" (das dürfe man zwar nicht mehr sagen, es bedeute aber letztlich eh das Gleiche wie Schwarzer, sagt Finn), der "Neger" habe den Weißen die Sklaverei voraus. "Sklaverei ist eben kein Ponyhof. Weshalb die äußerst realistische Verkettung unmenschlicher Umstände den Leidenden den Blues praktisch in die Gene trieb." Die Weißen hätten nichts Derartiges erlebt, wüssten also nicht, wovon sie singen sollten. "Den Zahnarzttermin verpasst, die Nationalmannschaft nur Dritter?"

Oder keine Karten mehr für The Police bekommen? Auf Spiegel Online berichtet Marc Pitzke vom endgültigen, finalen, allerletzten, abschließenden Abschiedskonzert in New York. Er ist begeistert. Eineinviertel Stunden spielten Sting und Kumpanen die großen Hits, und liefen "zu voller Form auf. Es gibt ja nichts mehr zu verlieren". Und dann riss es selbst dem erfahrenen Sting-Hörer Pitzke die Füße weg: "Auf den riesigen LED-Leuchttafeln in der Halle erscheint ein grinsender Sting – hinter der Bühne. Und dann lässt er sich dort den grauen Bart, der ihm über die letzten Monate gewachsen ist, in aller Seelenruhe live abrasieren. Die Leute toben und kreischen, und den zweiten Teil der Show absolviert Sting oben ohne – in jeder Hinsicht." Sting ohne Bart? Sensationell!

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