Na endlich. Die Deutschen tun es wieder: Kinder kriegen. Nachdem sich der medial geborene Babyboom neun Monate nach dem der Fußball-WM 2006 als Mythos entpuppte , klappt es nun ganz offenbar. 12.000 Babys mehr als im Vorjahr kamen in Deutschland 2007 auf die Welt, das gab das Statistische Bundesamt heute bekannt.

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen sieht das gerne. "Ich freue mich sehr über den Anstieg der Geburten und vor allem darüber, dass die jungen Eltern allmählich wieder die Kinder bekommen, die sie sich wünschen", sagt sie angesichts der neuen Zahlen.

Aber hat sich wirklich so viel verändert? Maßziffer für das Gebärverhalten ist die Geburtenrate, also die Zahl der Geburten pro Frau. Im letzten Jahr stieg sie tatsächlich, wenn auch nur in der zweiten Nachkommastelle: von 1,33 im Jahr 2006 auf 1,37 im Jahr 2007. Der Trend dürfte der Politik passen, wenn auch ihre Zielmarke noch fern ist: Ungefähr zwei Kinder müsste jede Frau bekommen, damit jede neue Generation zahlenmäßig die ihrer Eltern ersetzt.

Der von der Familienministerin so erfreut aufgenommene Anstieg um 0,04 Babys heißt statistisch allerdings so gut wie gar nichts. Vor zehn Jahren war die Geburtenrate ebenfalls von einem etwas niedrigeren Niveau auf den jetzigen Wert gesprungen. Seitdem die Rate in Westdeutschland während der frühen Siebziger von knapp über zwei auf etwa 1,4 fiel, wackelt die Zahl um diesen Wert herum. Kleine Schwankungen gab es schon immer.

Ohnehin ist kaum nachzuvollziehen, weshalb die aktuelle Geburtenrate eine politisch so große Wirkung hat. Denn eigentlich ist sie falsch. Die wahre Zahl der Kinder, die eine Frau im Laufe ihres Lebens gebiert, kann sie gar nicht beschreiben. Schließlich bekommen viele der Frauen, deren Kinder heute gezählt werden, später noch weitere Kinder. Die "echten" Geburtenraten kennt man also erst für solche Frauen, die schon so alt sind, dass sie keine Kinder mehr bekommen können.

Tatsächlich berechnen die amtlichen Statistiker eine solche "echte" Geburtenrate für alle Frauenjahrgänge, die 50 Jahre oder älter sind. So bekamen die 1958 im Westen geborenen Frauen knapp unter 1,6 Kinder pro Person. Im Osten liegt die Zahl bei knapp unter 1,8.