20 Jahre Gladbeck "Jetzt brauchen wir Nachrichten"
Heute vor 20 Jahren begann das Geiseldrama, das zum Symbol für die Sensationsgier der Medien wurde. Auch Manfred Protze folgte damals den Kidnappern. Ein Interview

© dpa
Das blutige Ende auf der Autobahn 3. Hans-Jürgen Rösner erschießt die zweite Geisel, bevor das Gangster-Trio festgenommen werden kann
ZEIT ONLINE: Herr Protze, Sie sind damals dem gekidnappten Linien-Bus, der am 17. August aus Bremen Richtung Holland fuhr (siehe Info-Box), in einem Taxi gefolgt. Warum?
Manfred Protze: Ich war als dpa-Korrespondent in Oldenburg für das Gebiet in Niedersachsen zuständig, durch das der Bus fuhr, und hatte den Auftrag, zu berichten. Da hat man drei Möglichkeiten. Die erste ist Standard: Man ruft die Polizei an. Doch die Polizisten im Lagezentrum sagten mir nichts und bestätigten auch nicht, dass der Bus unterwegs war. Die zweite Chance ist, Dritte per Telefon als Quelle anzuzapfen. Aber wen hätte man in dem Fall anrufen sollen? Als letzte Möglichkeit blieb die eigene Beobachtung. Dafür habe ich mich entschieden und ein Taxi gechartert. Dem Fahrer habe ich gesagt, wohin es geht und warum es dort hingeht: Wir fahren zu einer Raststätte, ich stell mich an den Straßenrand und wenn der Bus vorbeifährt, dann werde ich das meiner Zentrale melden.
ZEIT ONLINE: Wie verlief die Fahrt?
Protze: Wir fuhren zunächst im fließenden Verkehr. Dann hatten wir plötzlich einen Linienbus mit Bremer Kennzeichen vor uns. Wir überlegten, ob das der Bus sein könnte. Im Nachhinein empfinde ich mein Verhalten in einem Punkt als kritikwürdig: Ich hatte keine ausreichenden Informationen darüber, was in den Stunden davor passiert war. Zum Beispiel hatte ich keine Ahnung, wie der Bus aussieht. Ich war am späten Abend von der Zentrale angerufen worden, die einfach sagte: So, jetzt ist der Bus bei Dir, Du bist zuständig, jetzt brauchen wir Nachrichten. Ich hatte einen ganz anderen Tag hinter mir, der mit dem Geiseldrama in Gladbeck und Bremen gar nichts zu tun hatte. Dann kam dieser Anruf: Jetzt sind die bei Dir – und da bin ich los.
ZEIT ONLINE: Und auf der Autobahn floss der Verkehr?
Protze: Es war alles ganz normal, wir wurden ständig überholt. Deswegen hatten der Taxifahrer und ich Zweifel und dachten, dass der Bus, den wir sahen, auf keinen Fall der Bus der Geiselnehmer sein könne. Wir hatten erwartet, dass die Polizei die Autobahn dann komplett gesperrt hätte.
ZEIT ONLINE: Sie hatten bald Gewissheit. Die Geiselnehmer schossen auf Ihr Taxi.
Protze: Ich hatte mich entschlossen, doch hinter dem Bus zu bleiben. Eine gute Stunde später, das ist meine Zeiterinnerung, zwischen Osnabrück und der holländischen Grenze, wurde der Verkehr deutlich dünner. Irgendwann fuhren wir ganz allein hinter diesem Bus her. Dann hat er plötzlich angehalten und wir auch. Dann hat es drei oder vier Mal geknallt, bis ich begriffen habe, dass das Schüsse waren. Ich habe nur das Mündungsfeuer gesehen, die Blitze. Nach dem dritten oder vierten Blitz habe ich den Taxifahrer an der Schulter gefasst, an seinem Hemd, und hab ihn runtergezogen. Wir haben uns in den Fußraum gekauert. Dann fielen noch ein paar Schüsse und der Bus fuhr wieder weiter.
- Datum 18.08.2008 - 09:35 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 7
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





die ihrer Verantwortung in höchst fahrlässiger Weise nicht nach gekommen sind. Diese haben den Tod der Geiseln mit verschuldet.Diese laue Medienkritik, dient nur um von dem eigentlichen Skandal abzulenken.
Klaus Pokatzky im d-radio gestern nachmittag.
war damals ebenfalls an vorderster Front. Die Verantwortung des jungen eiligen Journalisten auf dem Kleinkraftrad trat er allerdings beschleunigt, an die ihn beauftragende Redaktion ab. "Plasberg: Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde,
dass ich große medienethische Bedenken hatte. Das war eine Art
Automatismus. Außerdem hatte das Ganze auch eine Friedlichkeit: Es war
ein Sommertag, es war warm, da steht der BMW vor der Metzgerei und
viele Kollegen machen ihre Interviews - öffentlich-rechtliche Sender
genauso wie private Rundfunkstationen. Im Grunde war es eine Art
ungewöhnliche Pressekonferenz mit extrem surrealen Zügen."(...)"Ich persönlich würde es nicht mehr so machen. Das hat aber auch was mit
dem älter werden zu tun. Ich würde aber nicht sagen, dass ich da als
junger Reporter etwas falsch gemacht habe. Ich erwarte das von jungen
Reportern, dass die mit Gluteifer rangehen und versuchen, das, was eben
noch verantwortbar ist, zu beschaffen. Wichtig ist, dass es dann
Redaktionen gibt, die das vor Veröffentlichung bewerten."(beide Zitate aus: Interview mit Frank Plasberg, von Stefan Domke,wdr.de, http://www.wdr.de/themen/... )So einfach kann die Welt sein und so einfach qualifiziert man sich für jede höhere Aufgabe.GrüßeChristoph Leusch
Macht hat total versagt. Rössner und Degowski haben ihr Leben verwirkt. Sie "leben" auf unsere Kosten in einer "all inklusive" geschlossenen Anstalt. Was für eine "Strafe".(Anmerkung: Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Die Redaktion/jk)
Ich bitte Sie, niemand verwirkt sein Leben. Wie können Sie so etwas überhaupt nur schreiben. Eigentlich will man gar nichts schreiben, liest nur aus Interesse die Kommentare und stösst dann ganz nebenbei auf solche Ergüsse ...MfG aus dem PottLB
Ich bitte Sie, niemand verwirkt sein Leben. Wie können Sie so etwas überhaupt nur schreiben. Eigentlich will man gar nichts schreiben, liest nur aus Interesse die Kommentare und stösst dann ganz nebenbei auf solche Ergüsse ...MfG aus dem PottLB
Ich bitte Sie, niemand verwirkt sein Leben. Wie können Sie so etwas überhaupt nur schreiben. Eigentlich will man gar nichts schreiben, liest nur aus Interesse die Kommentare und stösst dann ganz nebenbei auf solche Ergüsse ...MfG aus dem PottLB
Sie erlauben mir meine Meinung, oder? Jeder hat andere Kriterien für "Ergüsse". Ich schlafe sehr gut.MfG aus KolbasowC.
Sie erlauben mir meine Meinung, oder? Jeder hat andere Kriterien für "Ergüsse". Ich schlafe sehr gut.MfG aus KolbasowC.
Sie erlauben mir meine Meinung, oder? Jeder hat andere Kriterien für "Ergüsse". Ich schlafe sehr gut.MfG aus KolbasowC.
Aber sicher spreche ich Ihnen Ihre Meinung zu, nehme mir aber das Recht heraus, dies zu kommentieren. Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem guten Schlaf. Hoffen wir, dass Menschen wie Sie niemals verfassungsgebend sein werden.MfG aus dem PottLB
Aber sicher spreche ich Ihnen Ihre Meinung zu, nehme mir aber das Recht heraus, dies zu kommentieren. Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem guten Schlaf. Hoffen wir, dass Menschen wie Sie niemals verfassungsgebend sein werden.MfG aus dem PottLB
Aber sicher spreche ich Ihnen Ihre Meinung zu, nehme mir aber das Recht heraus, dies zu kommentieren. Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem guten Schlaf. Hoffen wir, dass Menschen wie Sie niemals verfassungsgebend sein werden.MfG aus dem PottLB
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren