Doping in Peking

Heike Henkel stellt Phelps' Weltrekorde infrage

Die Olympiasiegerin von 1992 fragt sich, wie so viele Rekorde ohne Doping möglich sein können. Den Verbänden wirft sie mangelndes Engagement vor. Ein Interview

Heike Henkel, Olympiasiegerin von 1992 und Sport-Expertin von ZEIT ONLINE

Heike Henkel, Olympiasiegerin von 1992 und Sport-Expertin von ZEIT ONLINE

ZEIT ONLINE: Frau Henkel, unsere Redaktion diskutiert derzeit intensiv über Michael Phelps, den Super-Schwimmer, der täglich neue Medaillen und Weltrekorde erschwimmt. Die eine Fraktion ist begeistert, die andere spekuliert, ob diese Leistungen auf Doping beruhen. Wie geht es Ihnen?

Heike Henkel: Ich habe gemischte Gefühle und kann beide Seiten verstehen. Man sehnt sich ja nach Olympia-Helden. In diesem Fall kann man aber nicht so unvoreingenommen jubeln. Zunächst ist Phelps natürlich toll anzusehen: Er ist groß und ziemlich gut gebaut. Wenn ich allerdings seine Zeiten sehe, werde ich skeptisch. Da frage ich mich schon: Wie ist das möglich ohne unterstützende Mittel? Dass er nur wegen seines speziellen Schwimmanzugs so schnell schwimmt, kann ich mir nicht vorstellen. Außerdem hat mir sein Verhalten nach seinen Siegen nicht gefallen. Wie aggressiv er gejubelt hat. Das sah nach Kampf, nicht nach Freude aus. Aber gut: Von den Amis ist man ja auch immer eine große Show gewohnt.

ZEIT ONLINE: Klare Worte, die mich ehrlich gesagt überraschen. Marc Huster, unser anderer Olympia-Experte, hat sich gestern beschwert, dass Sportler mit unbewiesenen Aussagen unter Generalverdacht gestellt werden. Er hat am eigenen Leib erfahren, wie es ist, stigmatisiert zu werden, nur weil man herausragend ist in seiner Disziplin.

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Henkel: Bei mir ist es andersherum: Ich fühle mich betrogen, wenn immer neue Dopingfälle bekannt werden, dann sinkt die Glaubwürdigkeit des Sports. Das diskreditiert doch meine Leistung im Nachhinein, weil keiner glaubt, dass Sportler auch sauber zu so etwas fähig sein können. Ich verstehe vollkommen, wenn gegen Sportler ein Generalverdacht besteht, ich kann nachvollziehen, dass ein Großteil des Publikums den Glauben verloren hat. Ich habe zumindest immer versucht, mich gegen Doping einzusetzen. Michael Phelps würde ich gerne fragen, ob er in dieser Hinsicht etwas tut.

ZEIT ONLINE: Am Wochenende starten die Leichtathletik-Wettbewerbe. Werden da die Rekorde auch so purzeln wie bei den Schwimmern?

Henkel: Ich kann es mir nicht vorstellen. Gut, einige Zentimeter mehr im Hochsprung sind durchaus möglich. Mein Gefühl sagt mir aber, dass man im Sprint- und Laufbereich am Limit angekommen ist.

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Leser-Kommentare

    • 15.08.2008 um 12:34 Uhr
    • TDU

    Jeder im 100 m Lauf ist gedopt. Das ist starker Tobak, sagt Frau Henkel. Aber die Qualität ihrer Aussagen über Phelps ist nicht anders. Agressiven Jubel hat man immer schon gesehen. Schwimmanzüge?. Was ist mit seinem Trainigseifer, kontinuierlicher Leistungssteigerung, vielleicht seinem besonderen Talent. Das geht nicht gegen Frau Henkel persönlich.
    Wenn schon eine Aussage, dann auf Grund konkreter Analysen auf Grund von Fakten. Alles andere unterliegt dem Verdacht, Aufsehen erregen zu wollen oder mal was zum Thema sagen. Die Gefahr dabei ist: Irgendwann will es keiner mehr hören, nach dem Motto, die dopen sowieso alle, und dann haben die Doping Befürworter gewonnen.
    Insbesondere die fundierte Recherche von Journalisten ist gefragt und eine daraus gewachsene Fragestellung . Aber nicht wegen der Sensation, siehe damals das Interview mit Jaksche im Talk oder den Vermutungen über österreichische Behandlungen, sondern wegen der Aufklärung im Dienst des Sports als doch eigentlich wunderbare, unterhaltende und sinnvolle Betätigung. Aber die Lust am Skandal geht auch leichter als die Begeisterung mit ab und zu erforderlicher Ambivalenz.

    • 15.08.2008 um 12:36 Uhr
    • almado

    Expertin? Diese Aussagen haben - positiv formuliert - Stammtischniveau. Si tacuisses, philosophus mansisses!

  1. Man müsste eigentlich die Olympiade statt in einem 4-jährigen Zeitraum in einem 2-jährigen Turnus ablaufen lassen. Einmal die "gute" Olympiade, die findet dann in "guten" Ländern statt, wie z.B. Griechenland, Italien, Lichtenstein, Deutschland. Hierbei sind alle clean und sauber und frisch gewaschen. Ev. könnte man das ganze dann BIO-OLYMPIADE nennen. Also kein Doping und andere Scherze.
    In zwei Jahren gibt es das "Super-Olympiade", hier ist alles erlaubt, was Rekorde ermöglichst. Natürlich Spritzen jeder Art und Größe, Operationen (Vergrößern der Hände und Füsse für Schwimmer, eingebauter maschineller Antrieb der Beine bei Läufern, Herzschrittmacher, die das Blut mit Akkord durch die Venen jagen mit eingebauten Adrenalinpumpen etc. etc.). Konsequenterweise finden diese Mutationen geeignete Spielplätze vornehmlich in Schurkenstaaten statt wie Nord-Korea, Syrien, USA, Somalia, Österreich oder Mecklenburg Vorpommern etc...
    Während bei der guten Olypiade in den Sendepausen hauptsächlich für Bio-Gemüse und Neuauflagen der Bibel etc. geworben wird, geht es bei den Bad-Games richtig zur Sache: Der werben BASF, BAYER, Vladimir Putin, Transplantationszentren (mit Ganzkörperaustausch), Mercedes Benz (das neueste Modell mit eingebauten MGs) und Waldrodungsfirmen mit Sitz in SüdostAsien um Kundschaft. Und statt CocaCola heftet sich die italienische + russische Mafia in Vereinigung mit JohnnyWalker das Verdienst an, diese Spiele gesponsert zu haben.
    Nun kann man sich natürlich fragen: In welche Kategorie fällt diese aktuelle Peking-Ausgabe?!
    .

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    mäc-pomm   muminimu

    als Sssschurkenstaat, "Bio-Olympiade" mit diesem fermentierten Biogetränk als HauptsponsorIn, lustig.... : ) 5 punkte für top scoring in witzisch sein :)

    • 15.08.2008 um 13:37 Uhr
    • Bali23

    ...sind nicht schlecht. Blos leider völlig aus dem Bauch heraus ausgesprochen. Einfach mal so Michael Phelps Doping zu unterstellen, nur weil das gerade In ist finde ich ein wenig zu platt - vor allem da sie keinerlei Beweise, nicht mal Indizien hat. Sie sagt, sie würde Phelps gerne mal die Frage stellen, was er gegen Doping tut? Da hätte sie sich erst einmal selber informieren können: Phelps ist dem "Project Believe" der US Doping-Agentur USADA beigetreten und wird im Rahmen dieses Projektes regelmäßig auf Doping getestet: 2007 12 Mal und 2008 16 Mal. Henkel könnte sich ja selbst mal für so ein Projekt einsetzen, anstatt nur verdachtsunabhängige Gerüchte in die Welt zu setzen.

    • 15.08.2008 um 13:54 Uhr
    • gquell

    Das ist mal wieder typisch, wir sind nicht in der Lage Athleten wie M. Phelps hervorzubringen. Daher muß der gedopt sein, weil das so ein Gefühl sagt.Mir ist diese Unterstellung selbst passiert. Ich hatte Kraftsport gemacht und innerhalb von einem Jahr eine Leistungssteigerung in der Kniebeuge von 65kg gehabt. Die erste Frage des damaligen Landesvorsitzenden war, was ich den genommen hätte? Das es Menschen gibt, die mit Training so etwas erreichen können, war diesem Menschen absolut unverständlich.Schaffen wir in Deutschland die sportliche Infrastruktur für Ausnahmeathleten, so werden wir diese auch bekommen. Solange aber kleinbürgerliches Geklüngel in den Vereinen herrscht, wo jeder auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist, können Spitzentalente einfach nicht optimal gefördert werden.Ich habe es auch als Funktionär immer so gehalten, daß erst der einwandfrei überführte Athlet des Doping bezichtigt werden darf.

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    "Ich hatte Kraftsport gemacht und innerhalb von einem Jahr eine Leistungssteigerung in der Kniebeuge von 65kg gehabt."Ganz toll! Wenn man vorher keinen Sport - oder eben nicht diesen speziellen - betrieben hat, dann sind solche Leistungssteigerungen vielleicht mit reinem Training möglich, aber nicht, wenn man sich bereits in der absoluten Spitzenklasse bewegt. Und dass gerade Sportfunktionäre nicht gerade Garanten für fairen und sauberen Sport sind, weil sie unter Umständen ganz andere Interessen haben, ist ebenfalls hinlänglich bekannt.

    • 15.08.2008 um 15:34 Uhr
    • mavi23

    5 rennen;5 goldmedallien;5 weltrekorde;wie da die kommentatoren vor mir an saubere spiele glauben können ist mir völlig schleierhaft und es ist absolut naiv.das hat auch nichts mit 65 kilo amateur-hobby-gewichtheben zu tun.das ist eine professionelle sportart, bei denen die sportler schon seit vielen jahren an die leistungsgrenzen stossen. realistisch waeren vielleicht ein bis zwei weltrekorde, die waehrend der gesamten spiele gebrochen werden.das einzige was man als vernünftiger mensch machen kann, ist die spiele zu boykottieren.

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    All das befreit Frau Henkel nicht von der Verpflichtung, sauberen Journalismus zu betreiben. Wilde Mutmaßungen kann sie an der Wursttheke bei Edeka äußern, aber in Peking ist sie als Reporterin am Start, und da muss man auch mal ein bisschen recherchieren, bevor man sich zu Wort meldet. Alles andere bringt die Sache nicht voran, und ist überdies unfair, wie wir ja an unserer eigenen Biathlontruppe im letzten Jahr gesehen haben: da wurde nur herumspekuliert, und viel Schaden angerichtet.

    Genau meine Meinung!

  2. Was weiß Frau Henkel eigentlich vom Schwimmen? 

  3. All das befreit Frau Henkel nicht von der Verpflichtung, sauberen Journalismus zu betreiben. Wilde Mutmaßungen kann sie an der Wursttheke bei Edeka äußern, aber in Peking ist sie als Reporterin am Start, und da muss man auch mal ein bisschen recherchieren, bevor man sich zu Wort meldet. Alles andere bringt die Sache nicht voran, und ist überdies unfair, wie wir ja an unserer eigenen Biathlontruppe im letzten Jahr gesehen haben: da wurde nur herumspekuliert, und viel Schaden angerichtet.

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  • Von Michael Schlieben
  • Datum 22.10.2008 - 11:12 Uhr
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