Weltrekorde in Peking „Natürlich gibt es Kopf-Doping“
Wieso dopen deutsche Sportler nicht? Und ist es richtig, Usain Bolts Weltrekorde im Sprint öffentlich zu kritisieren? Ein Interview mit Olympiasiegerin Heike Henkel

© Gunnar Berning/Bongarts/Getty Images
Heike Henkel, Olympiasiegerin von 1992 und Sport-Expertin von ZEIT ONLINE
Heike Henkel wurde 1992 Hochsprung-Olympiasiegerin in Barcelona. Im selben Jahr wurde sie zu Deutschlands Sportlerin des Jahres gewählt. Sie studierte Grafikdesign und arbeitete für die Nationale Antidoping-Agentur (NADA). Für ZEIT ONLINE beantwortet sie abwechselnd mit dem in Peking teilnehmenden Triathleten Jan Frodeno und dem Silbermedaillengewinner im Gewichtheben (1996 und 2000) Marc Huster aktuelle Fragen zu den Olympischen Spielen.
ZEIT ONLINE: Frau Henkel, der Sprinter Usain Bolt hat auch den Weltrekord über 200 Meter gebrochen. Schon Bolts ersten Weltrekord hat Tobias Unger, der Deutsche Meister im 100-Meter-Lauf, als „Riesenverarschung“ bezeichnet.
Heike Henkel: Ich würde mir wünschen, dass mehr Leute Stellung beziehen. Ich glaube, dass 90 Prozent der Bevölkerung die Auftritte von Bolt ähnlich kritisch sehen. Das ist mutig von Unger. Zumal solche Aussagen schnell als Neid ausgelegt werden. Ich kann seinen Frust verstehen.
ZEIT ONLINE: In der vergangenen Woche haben Sie hier ihre Zweifel an Michael Phelps Weltrekorden geäußert. Jetzt haben der Triathlet Jan Frodeno und der Gewichtheber Matthias Steiner Gold für Deutschland geholt. Übers Doping deutscher Athleten reden nicht viele.
Heike Henkel: Das stimmt, wenn es um die eigenen Landsleute geht, hält man sich zurück. Obwohl gerade Gewichtheben und auch Triathlon verdächtig sind. Ich glaube aber tatsächlich, dass sich in Deutschland einiges getan hat. Vor ein paar Jahren war Doping bei den Gewichthebern ein Thema, sie haben aber versucht, ein neues Image aufzubauen. Im Kampf gegen Doping ist eine Menge geschehen.
ZEIT ONLINE: Deutschland ist der weiße Fleck auf einer dopingbeschmutzten Weltkarte?
Henkel: International gibt es viele Länder, die uns hinterher hinken. Sportler aus osteuropäischen Ländern müssen für einen Olympiasieg alles auf eine Karte setzen. Die Amerikaner protzen immer mit ihrem Anti-Doping-Kampf, wenn man aber einige ihrer Athleten reden hört, kommen Zweifel auf.
- Datum 21.10.2008 - 12:35 Uhr
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Wieso dopen deutsche Sportler nicht?Antwort:http://www.zeit.de/online...
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Die Olympischen Spiele sind eine einzigartige World-Schaunummer. Aber die wahren Leistungssportler sitzen in den Laboratorien und schütteln Reagenzgläschen obskuren Inhalts und mixen und probieren und testen und finden auch schließlich dat rechte Maß, denn det Jeschäft is'n richtijes Geschäft, so allet in golden Tönen, und det Jelumpe kassiert en kräftijen Jewinn. Allet wahr, allet schön, allet verträglich.
Frau Henkel und andere Sportler verhalten sich unverantwortlich mit ihren Aeusserungen. Wenn Phelps und Bolt (und die vielen anderen mit Spitzenleistungen, auch Deutsche) nicht gedopt haben, ist es dann nicht ein Verunglimpfung dieser Menschen ? Geraet nicht automatisch jeder Gewinner unter Verdacht ? Und hat nicht automatisch jeder Verlierer ein Alibi? Wenn es sich irgend wann mit anderen Mitteln vielleicht feststellen laesst, dass bei dem einen oder anderen tatsaechlich Doping im Spiel war, so kann man nur traurig sein und sich weiter bemuehen, Doping zu unterbinden. Aber jetzt sozusagen alle Gewinner erst einmal unter Generalverdacht zu stellen, das ist ausgesprochen unfair ! Sollte ich jetzt nicht die Frage stellen: Hat auch Frau Henkel gedopt, um eine Medaille zu gewinnen ? Und war Herr Unger nur zu dumm, um unbemerkt dopen zu koennen ?
Von einem Mitbűrger
Natürlich wäre es fair, die Unschuldsvermutung aus dem Strafrecht auch für den Leistungssport gelten zu lassen. Insbesondere für die Sportler, die tatsächlich fair Ihren Kampf um den Sieg gewonnen haben.Warum fällt aber dem Ottonormalverbraucher diese Fairnis so schwer ?Diese Frage sollte man in erster Linie den Funktionären stellen, die nicht Ihren Körper für Substanzen zur Verfügung stellen, die aus diesem das Letzte rauspressen, teils mit lethalem ausgang. Doping fordert wesentlich mehr Opfer als nur die Glaubwürdigkeit der Gewinner: Angefangen bei der Gesundheit des Sportlers, dem Respekt vor der Leistung und der Sportart bleibt eben die Fairnes auf der Strecke. Die Gewinner sind Politik und Wirtschaft. Sport als Stellvertreter von kriegerischen Auseinandersetzungen führte zu einem ähnlichem Wettrüsten wie der kalte Krieg. Nur ist hier kein Ende abzusehen. Gewinner lassen sich bestens vermarkten. Markenartikler, von Adidas angefangen, über Coca-Cola, Gerolsteiner bis hin zum letzten Bindenhersteller brauchen immer wieder stellvertretende Ikonen im Sport die planbare Höchstleistungen abliefern. Perverserweise könnte man fast vom Zuchtprogramm "Spitzensportler" sprechen.Darum muß sich jeder Sporler fragen lassen, ob bei seiner Leistung alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Da sich einige Sportler verständlicherweise der Dopingüberwachung zu entziehen suchen (Ich sage nur Rad"sport"), wird diese Frage zu Recht gestellt.
Natürlich wäre es fair, die Unschuldsvermutung aus dem Strafrecht auch für den Leistungssport gelten zu lassen. Insbesondere für die Sportler, die tatsächlich fair Ihren Kampf um den Sieg gewonnen haben.Warum fällt aber dem Ottonormalverbraucher diese Fairnis so schwer ?Diese Frage sollte man in erster Linie den Funktionären stellen, die nicht Ihren Körper für Substanzen zur Verfügung stellen, die aus diesem das Letzte rauspressen, teils mit lethalem ausgang. Doping fordert wesentlich mehr Opfer als nur die Glaubwürdigkeit der Gewinner: Angefangen bei der Gesundheit des Sportlers, dem Respekt vor der Leistung und der Sportart bleibt eben die Fairnes auf der Strecke. Die Gewinner sind Politik und Wirtschaft. Sport als Stellvertreter von kriegerischen Auseinandersetzungen führte zu einem ähnlichem Wettrüsten wie der kalte Krieg. Nur ist hier kein Ende abzusehen. Gewinner lassen sich bestens vermarkten. Markenartikler, von Adidas angefangen, über Coca-Cola, Gerolsteiner bis hin zum letzten Bindenhersteller brauchen immer wieder stellvertretende Ikonen im Sport die planbare Höchstleistungen abliefern. Perverserweise könnte man fast vom Zuchtprogramm "Spitzensportler" sprechen.Darum muß sich jeder Sporler fragen lassen, ob bei seiner Leistung alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Da sich einige Sportler verständlicherweise der Dopingüberwachung zu entziehen suchen (Ich sage nur Rad"sport"), wird diese Frage zu Recht gestellt.
(Die Redaktion /ft)
Natürlich wäre es fair, die Unschuldsvermutung aus dem Strafrecht auch für den Leistungssport gelten zu lassen. Insbesondere für die Sportler, die tatsächlich fair Ihren Kampf um den Sieg gewonnen haben.Warum fällt aber dem Ottonormalverbraucher diese Fairnis so schwer ?Diese Frage sollte man in erster Linie den Funktionären stellen, die nicht Ihren Körper für Substanzen zur Verfügung stellen, die aus diesem das Letzte rauspressen, teils mit lethalem ausgang. Doping fordert wesentlich mehr Opfer als nur die Glaubwürdigkeit der Gewinner: Angefangen bei der Gesundheit des Sportlers, dem Respekt vor der Leistung und der Sportart bleibt eben die Fairnes auf der Strecke. Die Gewinner sind Politik und Wirtschaft. Sport als Stellvertreter von kriegerischen Auseinandersetzungen führte zu einem ähnlichem Wettrüsten wie der kalte Krieg. Nur ist hier kein Ende abzusehen. Gewinner lassen sich bestens vermarkten. Markenartikler, von Adidas angefangen, über Coca-Cola, Gerolsteiner bis hin zum letzten Bindenhersteller brauchen immer wieder stellvertretende Ikonen im Sport die planbare Höchstleistungen abliefern. Perverserweise könnte man fast vom Zuchtprogramm "Spitzensportler" sprechen.Darum muß sich jeder Sporler fragen lassen, ob bei seiner Leistung alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Da sich einige Sportler verständlicherweise der Dopingüberwachung zu entziehen suchen (Ich sage nur Rad"sport"), wird diese Frage zu Recht gestellt.
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