Madonna Wie Olympia und Karneval

Dabei sein ist alles: Warum nur mitreden kann, wer auch über Madonna redet. Eine Betrachtung zu ihrem 50. Geburtstag

Im Gespräch über Madonna rückt Madonna selbst aus dem Fokus

Im Gespräch über Madonna rückt Madonna selbst aus dem Fokus

Madonna ist eine überschätzte Zicke, die in den gesamten Nullerjahren nur Nullstatements von sich gegeben hat (Music ausgenommen). Dennoch: Jeder Grund, sich nicht mit ihr zu beschäftigen, ist zugleich einer, es doch zu tun. Schreib genau das, sagen Herausgeberinnen, Chefredakteure oder Ressortleiter (auch wenn sie sich gar nicht für Popkultur interessieren).

So reden wir Journalisten, die wir uns bei jeder neuen Madonna-Platte und bei jeder neuen Madonna-Tour und darüber hinaus bei jedem afrikanischen Kind, das von Madonna adoptiert wird, etwas zum Dauerphänomen Madonna ausdenken müssen. Es geht einfach nicht, sich nicht mit Madonna zu beschäftigen. Womit wir im Zentrum unserer Fragestellung angelangt wären: Sind die Madonnaisten die neuen Dylanologen?

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Für die These spricht einiges, zum Beispiel die Tatsache, dass Madonna selbst eher nicht so viel sagt. Wird sie zum Beispiel gefragt, ob sie Feministin ist, sagt sie: Ach Kleines, was ist das schon, Feminismus? Und wenn sie gefragt wird, warum man sich nach all den Jahren noch immer für sie interessieren soll, sagt sie: Warum wohl, du Dummchen, weil ich nun mal Madonna bin, die erfolgreichste böse Popschwiegermutter weit und breit.

Bei Bob Dylan ist das so ähnlich, er redet in Gleichnissen. Mein Name ist Niemand, ich wohne irgendwo westlich von Santa Fe auf einer Traumranch, die früher mal Billy The Kid gehörte, und jetzt lasst mich bitte in Ruhe die Mundharmonika blasen. Eigentlich sagt Bob Dylan gar nichts über Bob Dylan, doch wie das auf dem Dorf so ist: Je weniger einer sagt, desto mehr reden die Leute. Der Unterschied ist, dass über Bob Dylan andere Leute reden als über Madonna.

Über Madonna reden die, die nach dem Willen der Dylanologen niemals ans Ruder hätten kommen dürfen: Menschen aus gutem Elternhaus, die ihren Spaß an freischwingenden Überbauten haben. Über Bob Dylan reden die, die die, die über Madonna reden, bis heute verachten: seltsame alte Zausel, die ihre Herkunft aus gutem Elternhaus dadurch zu verbergen versuchen, dass sie noch immer einen Koffer in Woodstock haben. Der Dylanologe war einmal der natürliche Feind des Madonnaisten, weil er im Madonnaisten den Konterrevolutionär vermutete und umgekehrt.

Leser-Kommentare
  1. war Fritz Lang - er kreierte das Konzept MADONNA mit seiner Figur der 'Falschen Maria' bereits 1926 in seinem Film "Metropolis" - ein Roboter, gebaut vom boesen Rotwang, zur Beherrschung der Massen

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