Peking-Presseschau
Nackte Frauen und Statistiken
Chinas Politsprachrohr öffnet sich, zeigt Mädchen beim Autowaschen. Sonst haben Chinas Medien wenig Sex im Sinn. Sie mögen Zahlen und Rekorde. Presseschau

© Clive Rose/Getty Images
Die US-Trainerin Ping Lang
Renmin Ribao, die berühmte Volkszeitung, war heute ganz aus dem Häuschen. Nicht nur, dass Chinas Politsprachrohr Nummer eins sich durch die Veröffentlichung leicht bekleideter Mädchen beim Autowaschen dem Volksgeschmack ein wenig Freizügigkeit gönnte. Obendrein titelt das Blatt heute: “Frauenvolleyball USA-China. Staatspräsident Hu Jintao wird das Spiel als Zuschauer sehen”.
Hu Jintao war tatsächlich im Stadion, begleitet von seiner Frau und dem Architekten der Pekinger Olympischen Spiele und Ehrenpräsidenten des IOC Juan Antonio Samaranch. Er sah ein spannendes Match, allerdings unterlagen die chinesischen Mädchen. Ob Hu Jintao getröstet war durch die Tatsache, dass das US-Team von einer gebürtigen Chinesin trainiert wird, ist nicht bekannt.
Die Dame heißt Lang Ping, Jahrgang 1960,Volleyball-Legende aus den frühen achtziger Jahren, die mit der chinesischen Nationalmannschaft 1984 olympisches Gold in Los Angeles gewann. Die Beijing Rundschau bringt einen Artikel, der sich mit dem Phänomen “chinesischer Sportler in ausländischen Teams” beschäftigt. Lang Ping stand im Mittelpunkt der Kontroverse, ob es legitim sei, sich in “fremde Dienste” stellen zu lassen.
Im Internet dominierten Fans offenkundig Fans von Frau Ping die Diskussion. Sie brachten Kritiker unter Hinweis auf die Vielzahl ausländischer Trainer von chinesischen Olympiamannschaften zum Schweigen. Sie interpretieren ausländische Trainer als Zeichen für die Öffnung Chinas.
Offen ist auch die Atmosphäre im olympischen Dorf. Bescheinigen diesem westliche Medien ein nachtaktives Sexualleben, ist in Pekings Presse eher von kuriosen Zahlen und Rekorden die Rede. Auszug gefällig? Am 8. August wurden von 10.00 Uhr bis 19.00 Uhr im Restaurant des Dorfes 18.634 Gerichte ausgegeben. Damit wurden die Zahlen von Sydney (9.876) und Athen (10.515) weit übertroffen.
Aufschlussreich war die Antwort auf die Frage, wie es die Athleten mit der Religion halten: 69 freiwillige Helfer würden rund um die Uhr religiöse Dienstleistungen in sechs Sprachen anbieten: Englisch, Arabisch, Französisch, Italienisch, Koreanisch und Hebräisch. Auffallend das Fehlen des Chinesischen. 665 haben die religiösen Dienste in Anspruch genommen, bei insgesamt 14.268 Bewohnern des Dorfes eine eher bescheidene Ziffer, die aber noch von der Zahl derjenigen unterboten wird, die sich im “Chinesischen Sprachzentrum” einen chinesischen Namen haben verpassen lassen: 350.
- Datum 18.8.2008 - 07:55 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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