Sportpsychologie Kraft im KopfSeite 2/2

ZEIT ONLINE: Konnten manche der deutschen Olympioniken in Peking ihre Leistung nicht zeigen, weil sie zu wenig ihre Psyche trainiert haben?

Kleinert: Die deutschen Sportler brauchen zumindest so viel Training in dem Bereich wie andere Nationen auch. Die amerikanischen Athleten sind damit sicherlich besser ausgerüstet. Viele deutsche Trainer haben Hemmungen. Die Sportpsychologie wird oft in die Therapeutenecke gedrückt. Der Unterschied zur Psychotherapie wird nicht wahrgenommen. Es gibt auch viele Athleten, die sagen: Ich brauche keinen Psychologen, ich bin doch nicht bekloppt. Die schauen sich erst nach einem Sportpsychologen um, wenn sie einen Fehler gemacht haben oder in der Krise sind. Das ist unsinnig. Sportpsychologen sind eigentlich nur spezielle Trainer, die dem Athleten helfen, mit psychologischen Belastungssituationen besser umzugehen. Natürlich gibt es auch viele Athleten, die sich das sehr gut selbst beibringen. Diejenigen aber, die damit Schwierigkeiten haben, oder glauben, ihre Motivation noch steigern zu können, arbeiten mit einem Sportpsychologen.

ZEIT ONLINE: Sportpsychologie hat also mit der herkömmlichen Vorstellung einer Therapie nicht viel zu tun?

Kleinert: Richtig. Das ist ungefähr so, als wenn man einen Konditionstrainer mit einem Arzt vergleichen würde. Der Konditionstrainer versucht, die körperlichen Fähigkeiten eines Sportlers zu verbessern. Der Arzt kommt dann, wenn etwas kaputt ist – physiologisch gesprochen. Ähnlich ist es beim Sportpsychologen: Er entwickelt Leistung; der Psychotherapeut kommt, wenn es um Erkrankungen geht. Das kann zum Beispiel eine Essstörung des Athleten sein. Grundsätzlich sind beides völlig unterschiedliche Kompetenzen. Sportpsychologie findet auf dem Trainingsplatz und in der Arena statt. Der Athlet trainiert ja nicht im Zimmerchen und erst recht nicht auf der Couch.

Die Fragen stellte Sven Stockrahm

 
Leser-Kommentare
    • gquell
    • 20.08.2008 um 15:34 Uhr

    Ich habe schon als Leistungsschwimmer vor 30 Jahren intensiv Mentaltraining gemacht. Mit Hilfe vom autogenem Training hatte ich mich entspannt und bin dann meine Wettkampfstrecken nor im Kopf geschwommen. Meine Mentalzeit entsprach auf etwa 1/10 Sekunde meiner wirklichen Wettkampfzeit.Später hatte ich mentales Training mit Selbsthypnose für Kraftdreikampf gemacht. Hier konnte ich nur dadurch meine Wettkampfleistung um 65kg innerhalb von nur 6 Monaten steigern (220 -> 285kg). Als Übungsleiter hatte ich den Athleten immer gesagt, daß sie nicht über ihre Übungen nachdenken dürfen, sie müssen quasi ihr Gehirn leer machen und sich auf den automatischen Ablauf verlassen. Und die Wettkampfübung kann mental viel häufiger trainiert werden als physisch. Heute kann ich bei Spezialübungen schon zu Beginn sehen, ob ein Athlet eine Übung bewältigt - es ist eine Frage der Fokussierung. Diese Art von Training habe ich in Deutschland auch im Spitzensport sehr selten gesehen. Meistens wird man milde belächelt, wenn man mentales Training vorschlägt. 

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    Bestimmte schwierige "Übungen", wo es auf Geschicklichkeit ankommt, bekomme ich nur hin, wenn der unbedingte Wille da ist, das auch zu schaffen. Bloß - willentlich bzw. bewusst diesen Zustand herbeizuführen, ist verdammt schwer. Aber es ist erstaunlich am eigenen Körper festzustellen, was man alles hinbekommt, wenn die Einstellung im Kopf "stimmt".
    Der Grund, warum so wichtige Dinge im Training zu kurz kommen, liegt vermutlich in der fehlenden Meßbarkeit. Zeiten kann ich stoppen, und wer schneller schwimmt, kommt mit nach Peking. Wie aber bewerte ich die mentale Stärke?

    Bestimmte schwierige "Übungen", wo es auf Geschicklichkeit ankommt, bekomme ich nur hin, wenn der unbedingte Wille da ist, das auch zu schaffen. Bloß - willentlich bzw. bewusst diesen Zustand herbeizuführen, ist verdammt schwer. Aber es ist erstaunlich am eigenen Körper festzustellen, was man alles hinbekommt, wenn die Einstellung im Kopf "stimmt".
    Der Grund, warum so wichtige Dinge im Training zu kurz kommen, liegt vermutlich in der fehlenden Meßbarkeit. Zeiten kann ich stoppen, und wer schneller schwimmt, kommt mit nach Peking. Wie aber bewerte ich die mentale Stärke?

  1. Bestimmte schwierige "Übungen", wo es auf Geschicklichkeit ankommt, bekomme ich nur hin, wenn der unbedingte Wille da ist, das auch zu schaffen. Bloß - willentlich bzw. bewusst diesen Zustand herbeizuführen, ist verdammt schwer. Aber es ist erstaunlich am eigenen Körper festzustellen, was man alles hinbekommt, wenn die Einstellung im Kopf "stimmt".
    Der Grund, warum so wichtige Dinge im Training zu kurz kommen, liegt vermutlich in der fehlenden Meßbarkeit. Zeiten kann ich stoppen, und wer schneller schwimmt, kommt mit nach Peking. Wie aber bewerte ich die mentale Stärke?

    Antwort auf "Mentaltraining"

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