Wenn sich die Demokraten Ende August zu ihrem Nominierungsparteitag in Denver versammeln, dann lassen sie sich kräftig verwöhnen: Dank United Airlines fliegen sie zum Sondertarif, dank General Motors werden sie in brandneuen Limousinen vom Flughafen abgeholt und dank der Krankenversicherungsberater von Humana stehen für den täglichen Weg vom Hotel zum Veranstaltungsort 1000 Fahrräder bereit. Und genau wie ihre Kollegen von der Republikanischen Partei, deren Versammlung Anfang September in Minneapolis stattfindet, werden sie mittels hochmoderner Technik kommunizieren – freundlicherweise zur Verfügung gestellt von AT&T, Google und Microsoft.

Feine Sachspenden sind nur die Spitze des Eisbergs: Mehr als 40 Millionen Dollar in bar will jede Partei akquirieren, um die gigantische, viertägige Show auf die Beine zu stellen. Dabei wird den Spendern unverhohlen politischer Nutzen in Aussicht gestellt. So versprach Minnesotas Gouverneur Tim Pawlenty Interessenten mit besonders tiefen Taschen ein "privates Abendessen mit republikanischen Amtsinhabern", "Golfspielen mit der Führungsmannschaft" und einen Empfang mit Senatoren, Gouverneuren und Bürgermeistern. Kostenpunkt: fünf Millionen Dollar.

Auch wenn dieses Angebot offenbar zu sehr nach Lobby-Einfluss roch und flugs wegen negativer Presseberichterstattung wieder gestrichen wurde, sieht das derzeitige Programm nicht viel anders aus. Jetzt gibt es für das gleiche Geld eben eine Handvoll "Luxusplätze" an der Bühne, 20 Hotelreservierungen in der ansonsten vollkommen ausgebuchten Stadt, 200 VIP-Eintrittskarten und exklusive Party-Einladungen. Das "Unternehmens-Sponsor-Paket" der Demokraten bietet für 250 000 Dollar die "einmalige Gelegenheit" zu "Privatfeiern" mit einflussreichen Amtsinhabern.

Nicht ohne Grund kritisiert das von mehreren Stiftungen finanzierte Campaign Finance Institute der George Washington Universität die Nominierungsparteitage als "die letzten Schlupflöcher für Großspenden". Denn seit dem von John McCain vor sechs Jahren initiierten Wahlkampf-Finanzierungsgesetz sind hohe Barspenden von Unternehmen oder Interessenvertretungen schlichtweg verboten. Einzig die Planungsausschüsse der Parteitage dürfen solche Schecks noch annehmen.

Da die Kandidaten üblicherweise Monate vor den Parteitagen fest stehen, sind die Veranstaltungen letztlich nichts als "extrem teure Wahlkampfkundgebungen", wie die Los Angeles Times schreibt. Deren Budget ist in den vergangenen Jahren explodiert. Die Demokraten werden mit ihren anvisierten 70 Millionen Dollar etwa 14 Mal so viel ausgeben wie 1992. Die Spendenfreudigkeit nahm nach dem Finanzierungsgesetz von 2002 exponentiell zu, was beweist, dass es lediglich eine Verlagerung des Lobby-Einflusses bewirkt hat: Gab die Industrie 1980 noch insgesamt eine Million Dollar für die Nominierungsparteitage, waren es im Jahr 2000 bereits 56 Millionen – und 142 Millionen Dollar vier Jahre später.