So sehr sich die Blogosphäre in Tonalität und Selbstverständnis von den verhassten MSM - den Mainstream-Medien - auch unterscheiden mag, zumindest in einem Punkt gleicht sie ihnen: Wenn das Sommerloch kommt, lohnt es sich, breit aufgestellt zu sein. Wo sonst mehrmals täglich das Hickhack zwischen Barack Obama und John McCain thematisiert wurde, werden die Einträge zum Wahlkampf spärlicher. Nun ist über den Tod des Soulmusikers Isaac Hayes zu lesen, über die Berichterstattung von den Olympischen Spielen oder den Krieg in Georgien. Doch eine wirkliche Sommerpause von der Innenpolitik findet im Wahljahr 2008 erwartungsgemäß nicht statt.

So findet Barack Obama in seinem einwöchigen Hawaii-Urlaub keine Ruhe. John McCain, der seinen Gegner seit Anfang des Monats mit Anti-Werbung torpediert, setzte seine Fernsehanzeigen fort. Zum Wochenende veröffentlichte er drei Werbeclips, in denen es erneut um Barack Obamas internationale Prominenz geht. Jubelnde Massen und Zeitschriftentitel mit dem Gesicht Obamas werden dort gepaart mit der Anschuldigung, Obama plane Steuererhöhungen für geringverdienende Familien. In Abwesenheit des Kandidaten antwortete die Obama-Kampagne doch noch mit einem eigenen Anti-McCain-Werbeclip. Die "Promi"-Diskussion werde die Wähler wohl auch weiterhin beschäftigen, bloggte Seth Colter Walls am Montag in der Huffington Post und zeigte den neuen Obama-Clip, der McCain als "Washington-Promi" bezeichnet.

Mit dem nahenden Nominierungsparteitag, für den die Demokraten vom 25. bis 28. August nach Denver reisen werden, naht auch die Bekanntgabe des Vizekandidaten Barack Obamas. Am Sonntag forderte Obama-Sprecher David Plouffe die Demokraten auf, sie sollten sich in einen neuen SMS- und E-Mail-Verteiler eintragen, damit sie die Ersten seien, die von der Vize-Nominierung erführen. "Be the First to Know" nennt sich die Kampagne. Statt einzig eine Mitteilung an die Mainstream-Medien zu senden, werde die Botschaft zeitgleich an alle eingetragenen Unterstützer gesendet.

Wer sich in den Verteiler einträgt, erklärt sich damit automatisch bereit, "regelmäßige Kurzmitteilungen" von der Kampagne zu erhalten. Die Erwartung, dass schon in dieser Woche mit einer Bekanntgabe des Vizekandidaten zu rechnen sei, entkräftete Plouffe gegenüber Chris Cillizza, einem Blogger der Washington Post : "Diese E-Mail sollte nicht als wie auch immer gearteter Hinweis auf den Zeitpunkt einer Bekanntmachung verstanden werden."

"In Zeiten düsterer Zukunftsaussichten schätzen Menschen Erfahrung genauso sehr wie reformistisches Temperament", kommentiert Bill Curry in der Huffington Post die anstehende Wahl eines Vizekandidaten. Barack Obama habe nur wenige Mängel – abgesehen von der ihm stets vorgehaltenen Unerfahrenheit. Deshalb sei er gut beraten, sich einen erfahreneren Partner zu suchen. "Niemand strahlt Erfahrenheit so sehr aus wie Clinton. Seit 16 Jahren lebt sie im Epizentrum amerikanischer Politik." Hillary Clinton sei den Wählern weiterhin besser vertraut als alle anderen Vize-Alternativen.

Und: Sie könne Obama bei ländlichen Wählern, bei der Arbeiterschaft und den Frauen nützen. Auch in Staaten wie Ohio, Michigan, Pennsylvania und Florida. In diesen hat Hillary Clinton gesiegt und sie sind in der Gefahr, an die Republikaner zu fallen; was Curry dabei nicht erwähnt, ist, dass Obama zumindest in Michigan gar nicht auf dem Wahlzettel stand.