In jedem fünften Ayurveda-Produkt, das in den USA oder in Indien hergestellt wird, stecken überhöhte Konzentrationen von höchst giftigen Substazen. Das berichten amerikanische Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Medizinjournals JAMA. Die Mediziner untersuchten 193 Präparate von 37 verschiedenen Herstellern, die sie stichprobenartig im Internet gekauft hatten. Der Schadstoffgehalt überschritten die kalifornischen Richtlinien für die tägliche Einnahme teilweise um das Hundert- bis Zehntausendfache. Dies könne zu gefährlichen Vergiftungserscheinungen führen, schreiben die Wissenschaftler.

Bereits 2005 hatten die Forscher unter der Leitung des Mediziners Robert Saper von der Universität Boston über gefährliche Mengen an Blei, Quecksilber und Arsen in Ayurveda-Produkten wie etwa Tabletten berichtet. Und bereits damals hatten sie einheitliche Bestimmungen und Grenzwerte für die Naturheilmittel gefordert. Ayurveda-Produkte bestehen für gewöhnlich aus Kräuter- und Pflanzeninhaltsstoffen. Viele der Tabletten werden traditionell absichtlich mit Schwermetallen verarbeitet. Dies soll ihre therapeutische Wirkung steigern.

Auch in Deutschland werden zahlreiche der Naturheilkundepillen über das Internet verkauft. Die Mittel sind meist als Nahrungsergänzung oder Vitaminpräparat deklariert und fallen somit nicht unter die Arzneimittelkontrollen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung, zuständig für die Bewertung und das Aufspüren von gesundheitlichen Risiken, unter anderem in Lebensmitteln, hat nach eigenen Angaben allerdings derzeit keinerlei Informationen über giftige Metallkonzentrationen in Ayurveda-Präparaten. Doch sei eine genaue Beobachtung der Produkte schwierig: Weil sie über das Internet vertrieben würden, seien die Mittel von den zuständigen Gesundheitsbehörden kaum kontrollierbar.

Man wolle den Internethandel künftig beobachten, hieß es in der Zentralstelle für Gesundheitsschutz der Länder bei Arzneimitteln und Medizinprodukten auf Anfrage von ZEIT ONLINE. Derzeit habe man keine konkreten Informationen zu Schwermetallrückständen in ayurvedischen Tabletten und Produkten. Man gehe aber davon aus, dass auch die Mehrzahl der auf dem deutschen Markt über das Internet vertriebenen Produkte aus den USA und Indien stamme. Die Schadstoffbelastung könne also auch hier auftreten.