Fotografie

Gutes Rad war teuer

Niemals wird sie eine Taschenlampe kritisch beleuchten, niemals wird die Hand eines deutschen TÜV-Ingenieurs ihre Achsen befühlen, ihren Auspuff, ihren Krümmer. Niemand kommt, entfernt die Plakette und sagt: Also, das war’s! Diese polnischen Prototypen dürfen ein Leben lang mit Milde rechnen. Obwohl ihre Linienführung das Auge nicht umschmeichelt, beweisen sie, dass der erste Eindruck doch täuschen kann. Gewiss, hier und da könnte ein Tröpfchen Farbe nicht schaden, etwas Glas für die Scheinwerfer. Andererseits, ein polnischer Bauernhof ist kein Boulevard. Besser bockbeinig als tiefergelegt! Ein Versuch nur, dann muss der Motor bläulich lärmen, Gang rein, ein Ruck, Familie Kowalski ist auf dem Weg.

Der technische Fortschritt, so sieht es aus, kann ruhig einen Bogen machen, in all den Gehöften mit diesen Dreirädern im Schuppen wird er nicht gebraucht. Woher wir das wissen? Es ist so ein Gefühl. Wer in die Augen jener schaut, die da im Sattel sitzen, sieht den Stolz, bei den Männern mehr, bei den Frauen vielleicht etwas weniger. Ist es der stille Triumph eines Handwerkers, der sein Leben lang niemanden rufen muss? Einer der Baumeister hat an seinem Traktor zwei Reifen eines Fiat-Automobils angeschraubt. Zwei Reifen aus Turin. Mehr nicht – den Rest hat er lieber selbst gemacht, wer kann das schon von sich sagen?

Hanno Rauterberg

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